Full text: Hessenland (6.1892)

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werden, das unterliegt wohl keinem Zweifel. So 
dürfte denn auch den Sammlungen der beste Erfolg 
gesichert sein. 
Am 7. März waren fünfzig Jahre verflossen, seit 
der Kreisphysikus Sanitätsrath Dr. Franz Knorz 
in Fritzlar von der medizinischen Fakultät der 
Universität Marburg zum Doktor promovirt wurde. 
Wie überall, wo der Jubilar in früherer Zeit als 
Arzt thätig gewesen ist: in Marburg, Großenlüder, 
Hersfeld, Fulda, so gelang es ihm auch in Fritzlar, 
sich/ die Sympathie und die Hochachtung der dortigen 
Bürgerschaft in hohem Grade zu erwerben. Seit 
fast 16 Jahren hat er dort eine segensreiche Wirk 
samkeit entfaltet, nnd so konnte es denn auch nicht 
fehlen, daß ihm an seinem Jubilüumstage reiche 
Ehrungen zu Theil wurden. Die Stadtbehörde von 
Fritzlar verlieh ihm das Ehrenbürgerrecht, zahlreiche 
Glückwünsche von nah und fern trafen bei ihm ein, 
bei dem ihm zu Ehren veranstalteten Festmahle ge 
dachte in warmen Worten der Sanitätsrath Kreis 
physikus Dr. Gießler aus Kassel der großen Ver 
dienste des Jubilars und überreichte demselben im 
Auftrage der Regierung den rothen Adlerorden 
vierter Klasse. 
Dr. I. E. Franz Knorz steht gegenwärtig im 
78. Lebensjahre. Er ist 1814 zu Fulda als jüngster 
Sohn des früheren Professors der Rechtswissenschaft 
an der ehemaligen Fuldaer Universität und nach 
maligen Geheimen Regierungsrathes Dr. T. I. Knorz, 
eines hochverdienten Beamten, geboren. Im Eltern 
hause genoß er die sorgsamste Erziehung. Er be-, 
suchte mit bestem Erfolge die Gelehrtenschulen seiner 
Vaterstadt, und als er im Herbste 1832 das Lyceum 
absolvirt hatte, und er vor der Wahl eines Lebens 
berufes stand, da fiel ihm anfänglich die Entscheidung 
schwer. Medizin und Landwirthschaft zogen ihn 
gleichmäßig an, und so ist es denn gekommen, daß 
er sich mit Eifer und Erfolg abwechselnd beiden 
Berufsarien hingab. Seine medizinischen Studien 
niachte er in Marburg. Würzburg und Paris. Er 
unterließ cs aber nicht, sich inzwischen auch mit der 
Bewirtschaftung des von seinem Vater im Jahre 
1834 in der Nähe von Fulda, im schönen Haun- 
gründe, gelegenen Landgutes Ruppertsmühle zu be 
schäftigen, um dann mit neuem Eifer sich den medi 
zinischen Studien wieder zu widmen. Nach vortrefflich 
bestandenem Fakultätsexamen wurde er am 7. März 
1842 in Marburg auf Grund seiner Dissertation 
„de pili struetura et genesi“ zum Doctor medicinae 
Promovirt. Zwei Jahre lspäter erschien dann seine 
Dissertation „de maxillae superioris inprimis ejus 
sinus morbosis affectionibus“, mit welcher er sich 
als Privatdozent in der medizinischen Fakultät zu 
Marburg habilitirte. Gleichzeitig mit seinem Kollegen, 
dem Privatdozenten Dr. Karl Ludwig, dem nach 
maligen berühmteil Professor der Physiologie, war er 
Prosektor an der Anatomie zu Marburg, die damals 
unter der Leitung des Professors Dr. Ludwig Fick 
stand. Seine Vorlesungen an der Universität er 
streckten sich hauptsächlich auf das Gebiet der Pharma 
kologie. Zugleich übte er die medizinische Praxis 
aus und war ein sehr gesuchter, stets hilfsbereiter 
Arzt, der sich eines ausgezeichneten Rufes erfreute. 
Im Jahre 1850 siedelte er als Amtsphysikus nach 
Großenlüder über, und hier war ihm Gelegenheit ge 
geben, sich neben seiner ausgedehnten Praxis auch 
wieder mit der Landwirthschaft zu beschäftigen. In 
den sechziger Jahren wurde er zum Kreisphysikus in 
Hünfeld ernannt, und 1871 verlegte er seinen Wohn 
sitz und seine Praxis nach seiner Vaterstadt Fulda, 
um wenige Jahre später die Stelle als Kreisphysikus 
in Fritzlar zu übernehmen. Dr. Knorz zählt zu den 
hervorragendsten Aerzten unseres Hessenlandes. Seine 
streng wissenschaftliche Bildung, seine umfangreichen 
Kenntnisse, seine praktische Erfahrung, seine Umsicht 
und rastlose Thätigkeit fanden auch die verdiente 
Anerkennung. In hessischen Zeiten wurde er in 
schwierigen Fällen von dem Obermedizinalkollegium 
in Kassel häufig zu Rathe gezogen, und seine medizi 
nischen Gutachten als Gerichtsarzt wurden ebenso 
geschätzt von den Juristen wie von seinen Fach 
genossen. Gleichen Schritt mit seinen Leistungen 
auf wissenschaftlichem Gebiete halten die Vorzüge 
seines Charakters. Er ist ein deutscher Biedermann 
in der vollen Bedeutung des Wortes. Schlichtes, 
aufrichtiges und offenes Wesen, stete Hilfsbereitschaft 
und Menschenfreundlichkeit, strenge Rechtlichkeit und 
Gewissenhaftigkeit, feste Ueberzeugungstrene — das sind 
Eigenschaften, die den heutigen Jubilar von Jugend 
an geziert haben. Möge es dem allgemein ver 
ehrten und beliebten Manne noch lange vergönnt 
sein, in gleich segensreicher Weise zu wirken wie 
seither. 
Am 9. März feierte der Geheime Medizinalrath 
Professor Dr-. Emil Mann köpf zu Marburg 
die Wiederkehr des Tages, an welchem er vor 
25 Jahren als Nachfolger des berühmten Klinikers 
Geheimrathes K. F. von Heusinger zum Direktor 
der medizinischen Klinik und zum ordentlichen Pro 
fessor in der medizinischen Fakultät der dortigen 
Universität berufen worden war. Vorher war 
Dr. Mannkopf, ein Schüler und Mitarbeiter Frerich's, 
Charite-Oberarzt und Privatdozent in Berlin. Dem 
als hervorragender Arzt, ausgezeichneter Lehrer und 
wegen seiner vortrefflichen Charaktereigenschaften in 
den weitesten Kreisen hochgeachteten und verehrten 
Jubilare wurden an seinem Ehrentage zahlreiche von 
nah und fern einlaufende Glückwünsche und Ehrungen 
seitens, der Universität zu Theil. Vorher schon, am 
2. März, hatten die drei Marburger Corps „Teutonia", 
„Hasso-Nassovia" und „Guestphalia" dem Jubilare, 
der während seiner Studienzeit in Würzbnrg dem
	        

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