Full text: Hessenland (6.1892)

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Gerichten und Verhören vorkommende Sachen fleißig 
niederschreiben, wenn bey denen Euch angewiesenen 
Regimentern etwas vorgehen solle, welches zu unter 
suchen nöthig und billig wäre, solches aber auf ge 
hörigen Orths geschehene Erinnerung nicht gestattet 
werden wolle, solches dem Ober- oder Staabs Auditeur, 
um es dem commändirenden General anzuzeigen, 
unverlangt bekannt machen, oder wenn der Ober 
oder Staabs Auditeur abwesend wäre, solches bey beut 
commändirenden General selbst verrichten, die Kriegs 
gerichte nach Kriegs Manier und Gewohnheit halten, 
den oder diejenigen so selbige mit zu besitzen beordert 
worden, fals es das erstemahl wäre, zuvor vor dem 
versamleten Kriegs Gerichte, wie hergebracht und ge 
wöhnlich ist, vereiden, darinn die integra acta vor 
lesen ; die momenta causae wohl erwägen und über 
legen und solche alsdann Denenjenigen, so die Gerichte 
mit besitzen, deutlich erklären und vorstellen, die Ur 
theile und Bescheide jederzeit nach der peinlichen 
Halß Gerichts Ordnung, dem Fürstl. Hessischen 
Artieuls Briefe und andern gnädigst ausgelaßenen 
Edicten und Ordnungen und falß solche nicht an- 
reichig seyn sollen, nach göttlicher heiliger Schrift, 
gemeinen beschriebenen Kayserlichen Rechten und Ge 
wohnheiten und zwar jederzeit entweder nach der 
Mehrheit der Stimmen oder wenn diese gleich seyn 
sollen, nach denen Votis welchen der Praeses bey- 
getretten, abfassen, auch wenn ein Ober Auditeur 
mitgehen sollte, diesen, sonsten aber dem bestellten 
Staabs-Auditeur abermahl Acta integra, um unter 
das Urtheil vidit et perlustravit N. N. zu setzen, 
einliefern, und wenn solches geschehen, die Urtheile 
cum actis et Extractu dem Commandanten des 
Löbl. Regiments zustellen, um solche, bevorab wenn 
dieselben auf das Leben und die Ehre gehen, und es 
zusorderst dem commändirenden General gcmelbet 
seyn wird, zur Bestättigung oder Abänderung gehörig 
einzuschicken; die Urtheile auch vor der Eröffnung 
sonsten Niemanden bekannt machen, oder davon Nach 
richt geben; Bey Beeidigung der Recrouten den Eid 
der Treue wohl und deutlich denenselben erklären und 
schärfen, über die Beeidigten, woher solche bürtig, wie 
alt und wann sie die Pflicht abgelegt, ein förmliches 
und ordentliches Protocoll halten, und daraus die 
begehrten Beeidigungs Scheine ertheilen; Auch Euch 
sonst so Verhalten wollet, wie einem getreuen Diener 
und gewißenhaften Auditeur zukamt, eignet und 
gebühret. 
Alles treulich und ohne Gefährde. 
Auf vorstehende Instruction hat nach deren vor 
gängiger Durchlesung und gethanem Handschlage an 
Sr: Excellentz den Herren General Lieutenant 
von Bardeleben, der zum Auditeur bey den löblichen 
Regimentern von Stein und von Wissenbach gnädigst 
ernannte bisherige Advocat Schantz Acto die Eydes- 
pflicht abgelegt, Welches demselben unter Bordrückung 
Fürstl. Kriegs Oollogii Jnnsiegels und meiner 
Namensunterschrift hierdurch attestiret wird. 
Cassel den 5t. Februarii 1776. 
(L. S.) 
gez. Johann Philip Engelhard. 
Aus Heimath und Fremde. 
Ludwig IV., GvoMerzog von Hesse», f. 
In der Nacht vom 13. auf den IL März ist der 
Großherzog Ludwig IV. von Hessen von seinem 
Leiden erlöst worden. Noch nicht fünfnndfünfzig Jahre 
alt, ist der wegen seiner persönlichen Liebenswürdigkeit 
und seines humanen duldsamen Geistes in seinem 
engeren Vaterlande und weit über dessen Grenzen 
hinaus hochverehrte und allgeliebte Fürst einem Herz 
leiden zum Opfer gefallen, das sich seit Jahr und 
Tag bei ihm ausgebildet hatte. Von einem Schlag- 
anfalle am Freitag den 4. März getroffen, sollte er 
sich nicht mehr erholen. 
Er folgte seinem Oheim, dem Großherzoge 
Ludwig III., der am 13. Juni 1877 gestorben ist, 
auf den hessischen Thron. Als Herrscher war er 
eifrigst bestrebt, die Wohlfahrt seines Landes nach 
jeder Richtung hin zu fördern. In ihm verliert 
unser stammverwandtes Volk in Hessen-Darmstadt 
einen ideal angelegten, milden und gerechten Fürsten, 
die deutsche Nation einen opferfreudigen Freund des 
Vaterlandes, und im Jnlande wie im Auslande 
beklagt man das Scheiden eines wahrhaft guten und 
edlen Menschen. 
In der vorigen Woche haben die Sammlungen 
für das D e n k m a l P h i l i p p 's des Groß 
müthigen begonnen. Die Stadt Kassel ist zu 
diesem Zwecke in 28 Bezirke getheilt, in denen gegen 
150 Mitbürger die Haussammlungen besorgen. Auch 
auswärts sind die Sammlungen in bestem Gange. 
In der Provinz selbst haben die evangelischen Geist 
lichen bereitwilligst ihre Dienste zur Verfügung 
gestellt und sammeln in ihren Gemeinden. Außer 
in Marburg und Hanau ist auch in Frankfurt und 
Berlin ein besonderer Ausschuß zu dem angegebenen 
Zwecke zusammengetreten, in der Reichshauptstadt 
ans Veranlassung des Unterstaatssekretärs 1). E. 
von Weyrauch. Auch in Hannover haben sich hessi 
sche Landsleute zusammengethan, um das Werk zu 
fördern. Und daß die in Amerika, Südafrika und 
Australien zerstreut lebenden hessischen Landsleute, 
die ja eine treue Anhänglichkeit an ihr Stammland 
bewahrt haben, nicht mit ihren Gaben zurückbleiben
	        

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