Full text: Hessenland (6.1892)

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Stark, S. 57. Man vergl. die Namen Allisi, 
Amisa, Ebisa, Igisa, Wansso, Liuiso, Liubiso. 
Der Ortsname Kuffese, welcher bei Dronke, Anti- 
quitates, S. 22,neben Wertheimund Bischofsheim 
genannt wird, ist offenbar der nämliche Name 
wie Cüffiso, nur aus späterer Zeit. 
Cüffiso ist ursprünglich der Name einer Person 
und wurde zugleich gebraucht, um die Besitzung 
derselben zu bezeichnen. Es ist nichts Seltenes, 
daß der Name eines Ansiedlers unverändert aus 
die Ansiedlung übertragen wurde. 
„Mitunter sind Fluren, zumal Berge gerade 
wie Menschen benamst (personifizirt)." Buck, 
oberdeutsches Flurnamenbuch, S. 58. 
Hiernach kann man beurtheilen, was von der 
Ansicht zu halten ist, Cüffiso sei ein slavischer 
Name und heiße „Grenzhügel". 
Irrig ist auch die Annahme, der Margrethen- 
berg bei Margrethenhaun sei jener Cüffiso. Die 
betreffende Stelle in der Grenzbeschreibung lautet: 
„primum in orientali plaga fons rivi, qui 
vocatur Crumbenbach, et sic vadit per illum 
rivum, usque quo intrat in australem hünam, 
inde transit in collem Leohunhoug, qui a 
quibusdam dicitur cüffiso, et sic vadit usque 
ad introitum ühtinabacches in alteram hünam.“ 
Hieraus geht unzweifelhaft hervor, daß der 
Cüffiso zwischen den beiden Haunarmen lag. 
Der Crumbenbach mündet bei Dirlos in die 
südliche Haun, dort überschreitet (transit) die 
Grenze diesen Haunarm und ersteigt den Cüffiso, 
und erst, nachdem sie den Cüffiso im Rücken 
hat, gelangt sie an den anderen Haunarm und 
überschreitet diesen an der Stelle, wo der 
ühtinabach, offenbar der bei dem Hofe Oechen- 
bach entspringende Bach, sich mit dem nördlichen. 
Haunarme verbindet. (Zu ühtinabach, jetzt Oechen- 
dach, vergl. Uhsino, jetzt Oechsen.) Den Cüffiso 
Übersteigt die Grenze, bevor sie den nördlichen 
Haunarm erreicht, den Margrethenberg aber 
Hütte sie erst treffen können, nachdem sie diesen 
Haunarm überschritten hatte, da derselbe nörd 
lich von der nördlichen Haun liegt. 
Die Grenzbeschreibttng der Psärrei Margrethen 
haun v. I. 1093 nennt einen Kuffihoug. Der 
selbe lag auch zwischen den beiden Haunarmen 
und zwar zwischen Wisselsrod und der Haun. 
Es kann nur jene schöne Kuppe zwischen Dirlos 
und Wisselsrod gemeint sein. Das ist also der 
Cüffiso oder Kuffihoug. Kuffi ist gleichfalls 
Deminutiv von Kuffo, vergl. Stark, S. 53. 
Mer Glaubensbole. 
(Eine (Erzählung aus Sem sehten Jahrhundert von Franz T rett er. 
% 
(Fortsetzung.) 
luf schäumendem Rosse jagte Heribert heran 
mifc) hinter ihm vier andere der Männer. 
Kaum erblickte er Hilda und den Angelsachsen, 
als er mit wildem Fluche den Renner so gewalt 
sam zügelte, daß dieser fast zusammenbrach. 
„Bei Donar und allen Äsen," schrie er mit 
vor Wuth unheimlich funkelnden Augen, „was 
was, Landläufer —, entführst Du Jung 
frauen —? Bei Hel, dem bleichen," knirschte er, 
„das sollst Du doppelt büßen!" 
„Heribert," sagte Hilda, deren Antlitz alles Blut 
entwichen war bei dem wilden Zorne ihres An 
gelobten, „ich eilte ihm nach, um ihn zu warnen, 
sein Leben zu retten, Heribert, schone sein!" 
„Schweig', mit Dir rechne ich später —, erst 
dieser schwatzende Schurke. — Was, Mann —, 
Du höhnst die Götter? — Du höhnst Heribert, 
so daß Childerich ihn wie einen Knaben vor 
Allen behandelt. — Du bestrickst Weiberherzen, 
elender Knecht? Ich habe Dich gewarnt —, 
jetzt sollst Du büßen." 
Er sprang vom Pferde —, die Anderen thaten 
ein Gleiches. Wilbod stand ruhig auf seinen 
Stab gelehnt, obgleich bei der zornigen Rede sein 
Blut rascher zu kreisen anfing. 
„Wirf ihn nieder, Odilo," rief jener einem seiner 
Hörigen zu —, „er soll vvn Knechteshand 
sterben." 
Der Angeredete schritt rasch auf den waffen 
losen Mann zu, ihn zu ergreifen —, als er aber 
die Hand nach ihm ausstreckte, wallte heiß das 
stolze Germanenblut in dem Jüngling empor, 
blitzschnell ergriff er den Knecht und schleuderte 
ihn mit einer solchen Kraft zu Boden, daß er 
leblos lag. 
Aber so rasch er aufgestiegen, war der Zorn 
verraucht, und noch standen die Anderen in 
staunendem Schweigen ob der Riesenkraft des 
Jünglings, als dieser, indem er leise sprach: 
„Herr, Herr, verzeihe mir", auf Heribert zutrat 
und sagte: „Hier bin ich, — was willst Du?" 
„Dich tobten, Hund! Greift ihn!" —
	        

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