Full text: Hessenland (6.1892)

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von Dauber und Kaspar Friedrich von Dalwigk 
besprachen sie sich neun Tage lang und kamen 
sich in der That in den Hauptsachen so nahe, 
daß eine Verständigung sicher erfolgt wäre, hätten 
nicht nach dem Bekanntwerden der Verhandlungen 
die lutherischen Universitäten, vor allem Witten 
berg, das als das Orakel spendende Delphi des 
starren Lutherthumes galt, das Verdammungs 
urtheil ausgesprochen und eine Fluth von Pam 
phleten gegen die Kasseler Colloquenten ergehen 
lassen. In Hessen war Verträglichkeit erreicht. 
Leider war es Landgraf Wilhelm VI. nicht ver 
gönnt, die Früchte seiner Mühen zu pflücken. Ein 
früher Tod raffte ihn in der Blüthe seines Alters, 
im 34. Jahre seines Lebens, plötzlich in Haina, wo 
er sich gerade der Jagd wegen aufhielt, im Jahre 
1663 dahin. Das Wort magnum vo 1 uisse 
magnum est findet auf ihn vollste An 
wendung. denn Großes hatte er in schwerer Zeit 
gewollt; und er verdiente wohl einen Geschichts 
schreiber zu finden, der sein prunkloses Wirken 
der Nachwelt in's rechte Licht setzte. 
|ur Etymologie hessischer Ortsnamen. 
Von P. Noll. 
^^ie Namen Coufunga und Cüffiso sind 
t?f allem Anscheine nach von dem nämlichen 
0p Wortstamme gebildet und aus uralten 
Personennamen entstanden. Beide sind gut deutsch 
und keine Slaven. 
Coufunga, Choufunga, Chouphungia, Chuo- 
funga, Cohfunga ist das jetzige Kaufungen, 
vergl. Arnold, Ansiedelungen, S. 297. 
Der Ansiedler, nach welchem dieser Ort be 
nannt ist, hieß Coufung, Choufung, Chouphung. 
Der erste Theil dieses Namens findet sich in 
dem Personennamen Coufman, bei Dronke, Cod. 
dipl., Chouftnan, bei Piper, Lib. Confr., und 
Förstemann, altdeutsch. Namenbuch. Man wird 
-nicht fehl gehen, wenn man ihn zu couf, cbouf, 
chouph, kouf — Kauf und choufo, chouffo, 
choupho — Käufer stellt, vergl. Graff, alt 
hochdeutscher Sprachschatz, IV, S. 376 und 377. 
Schwieriger ist es, den zweiten Theil des 
Namens zu deuten. Man könnte annehmen, 
daß Gouftuig der Nachkomme des Coufo sei, 
welch' letzterer Name aus einem Vollnamen, 
etwa Gouftnan, gekürzt sein könnte. 
Ich ziehe aber eine andere Ableitung vor. 
Es ist mir nicht wahrscheinlich, daß die Namen 
Amalong, Barunco, Bodalung, Haidung, 
Hornunch, Gerunch, Morunch, Ordunc und 
ähnliche, bei Förstemann und Piper, Patronymica 
sind. Ich denke mir die Endung unc, ung, unch 
als einen selbstständigen Wortstamm, und zwar 
als den nämlichen, welcher im Anlaut sich findet 
in den Personennamen Ungheid, üncheri, 
Unchad, Ungerat, bei Förstemann. Ung in 
Ungheid wird wohl nichts Anderes sein als 
ung in Haidung. 
Uno, Unob bedeutet nach Graff, I, S. 347, 
anguis, basilisous, und konnte ebensogut, sowohl 
an- als auslautend, zur Bildung von Personen 
namen verwendet werden wie das Wort lint — 
basiliscus, serpens, Lindwurm, nach Förstemann, 
in den Namen Uintftit, Uintbart, Lindolf, 
Lindrat, — Alflint, Asclind, Burgilind, Fulc- 
lindis, Theudelinda oder der Stamm Tracho 
— Drache, Graff, V, S. 504, in den Namen 
Dragulft Dracholf, Tragaboto und in dem Fluß- 
namen Vultdraca oder der Begriff Wurm — 
Wurm, Schlange, Drache, in den Namen Wurm- 
heri, Vurmger, Vurmilt — Perhturm, Otvurm. 
Wenn die Bedeutung eines aus couf und unc 
zusammengesetzten Namens befremdlich erscheint, 
so möge man bedenken, daß, wie Stark, die 
Kosenamen der Germanen, S. 159, ausführt, oft 
zur Bildung des Kindernamens je ein Halb 
name des Vaters und der Mutter verwendet 
! wurde. So nannten die Eheleute Waltbertus 
und Radhildis ihre Tochter Waldrada. Die 
Eltern des Gouftuig könnten demnach Gouftnan 
und Ungheid geheißen haben. 
Der Name Goufting ist ein ähnliches Namen 
bild wie die Namen Romano, Asang, Osang, 
auf welch' letztere aus den Ortsnamen ’Aauyyu, 
Osanga, jetzt Usingen, geschlossen werden darf. 
Auf den Stamm couf ist wohl auch der Berg 
name Cüffiso zurückzuführen. Derselbe wird in 
der eartula 8. Bonifatii i. I. 747 genannt, 
abgedruckt bei Dronke, Antiquitates, S. 3, worin 
die Grenzlinie der in einem großen Kreise um 
Fulda herumliegenden berühmten Karlmann'schen 
Schenkung ganz genau bezeichnet ist. 
Cüffiso ist ein Deminutiv von Cüffo, gleich 
bedeutend mit Cuffolo, bei Förstemann, und 
ähnlich gebildet wie Haniiso neben Hamizo,
	        

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