Full text: Hessenland (6.1892)

67 
und der größten Beliebtheit wie bei seinen Kollegen 
und den Studenten so auch bei der Göttinger 
Bürgerschaft, welche die wissenschaftliche Bedeutung 
eines so berühmten Mannes wie Professors Franz 
König wohl zu würdigen weiß. Bon seinen zahl 
reichen schriftstellerischen Arbeiten ist unter seinen 
größeren Werken besonders das „Lehrbuch der speziellen 
Chirurgie" hervorzuheben, das allen gleichartigen 
deutschen Büchern wegen seiner Klarheit und Gründ 
lichkeit voransteht und von dem bis jetzt nicht weniger 
als fünf Auflagen vorliegen. Ergänzt hat der Ver 
fasser seine altbewährte „spezielle Chirurgie" in 
neuerer Zeit durch ein „Lehrbuch der allgemeinen 
Chirurgie". 
Am 7. April d. I. werden 25 Jahre verflossen 
sein, seit Herr Dr. phil. JobannGeorgDrey- 
dorff aus Ziegenhain, Ehrendoktor der Theologie 
von der Universität Marburg, das Pfarramt an der 
evangelisch-reformirten Kirche zu Leipzig bekleidet. 
Herr Pastor Trcydorff genießt die Achtung und Liebe 
seiner Gemeinde in vollem Maße, hat aber auch im 
Sachsenlande die alte Heimath, der er ein warmes Herz 
bewahrte, nicht vergessen und dies in vielen Füllen, 
in denen er geradezu den Mittelpunkt der in Leipzig 
zahlreich wohnenden Hessen bildete, hervorragend be 
thätigt (z. B. zuletzt noch bei der Sammlung für 
HUnfeld, beim Jubelfeste des Geh. Rathes Ludwig 
u. s. w.). Seinen zahlreichen Freunden in Hessen 
und außerhalb der gemeinsamen Heimath wird jeden 
falls obiger Hinweis willkommen sein. W. W. 
Bezüglich des in Nr. 3 unserer Zeitschrift ent 
haltenen Artikels über den „Hessenabeud in 
Berlin" wird uns von kompetenter Seite mit 
getheilt, daß diese freie Vereinigung nicht erst neueren 
Datums ist. Schon in: Sommer 1878 veranlaßten 
der seitdem leider verstorbene Major B , der vorüber 
gehend nach Berlin kommandirte Major v. S. und 
der Hauptmann v. E. eine Zusammenkunft aller 
„alten Hessen", deren sie habhaft werden konnten, 
in dem „Dessauer Garten", und hier wurde be 
schlossen, jeden ersten Sonntag iE Monat in dem 
genannten Lokale zusammenzutreffer^ um durch Aus 
tausch von Erinnerungen, durch Wiederbelebung alter 
und Anknüpfung neuer Bekanntschaften das Gefühl 
landsmännischer Zusammengehörigkeit zu pflegen. An 
dieser Vereinigung zu zwangloser Unterhaltung be 
theiligten sich Hessen aus den verschiedensten Lebens 
stellungen : Generale, Geheimräthe, Bankbeamte, 
Kaufleute re. re. 
Todesfälle. Am 16. Februar starb zu Kassel 
im 58. Lebensjahre an den Folgen der Influenza 
der Amtsgerichtsrath Maximilian Theobald. 
Er war zu Kassel geboren, besuchte das Gymnasium 
einer Vaterstadt, das er 1853 absolvirte, studierte I 
hiernach in Marburg Rechtswissenschaft und machte 
nach rasch und gut bestandenem Fakultäts- und 
Staatsexamen seinen juristischen Vorbereitungsdienst 
bei dem Kasseler Obergericht durch. Nachdem er 
einige Zeit das Sekretariat bei der Direktion für 
den Ban der Bebra-Hanauer Eisenbahn versehen 
hatte, wurde er zum Assessor bei dem Justizamt in 
Neuhof ernannt und bald darauf zum Amtsrichter 
in Homberg befördert. Von dort nach Hersfeld 
versetzt, kam er zu Anfang der achtziger Jahre an 
das Amtsgericht in Kassel, wo ihm zugleich die 
allgemeine Dienstaufsicht und die Jnstizverwaltungs- 
geschäfte übertragen wurden. Der Verblichene genoß 
den Ruf eines tüchtigen Juristen. Von seinen 
literarischen Arbeiten sind anzuführen sein Buch über 
die Grundbuchordnung sowie die von ihm gemein 
schaftlich mit F. Vierhaus seit 1889 herausgegebenen 
„Mittheilungen aus der Rechtspflege im Gebiete 
des vormaligen Knrfürstenthums Hessen"- Amts 
gerichtsrath Theobald erfreute sich wie in den Kreisen 
seiner Kollegen so auch bei der Kasseler Bürger 
schaft allgemeiner Hochschätzung. Der Präsident und 
die Richter des Landgerichts und des Amtsgerichts 
zu Kassel widmen dem Verewigten in dem „Kasseler 
Tageblatt" einen warmen Nachruf, in dem ganz 
besonders seine „unausgesetzte Thätigkeit, getragen 
von ernstem Pflichtbewußtsein, seine außergewöhnliche 
Tüchtigkeit und Geschäftskenntniß, verbunden mit 
kollegialer Gesinnung" yervorgehoben werden. Sein 
Andenken wird in Ehren bleiben. 
Am 20. Februar starb zu Heidelberg im 
75. Lebensjahre der Geheimrath Professor Dr. Her 
mann K o p p, einer der hervorragendsten Gelehrten, 
die in diesem Jahrhundert aus unserem Heimathlande 
Hessen hervorgegangen sind, ein ebenso ausgezeichneter 
Forscher auf dem Gebiete der Chemie wie auf dem 
der Physik. Hermann Kopp war am 30. Oktober 
1817 zu Hanau als Sohn des berühmten Arztes 
Geheimen Medizinalraths Dr. Johann Kopp geboren. 
Er besuchte das Gymnasiuzn seiner Vaterstadt und 
studierte von 1835 ab zu Heidelberg und Marburg 
Naturwissenschaften. Am Schlüsse des Sommer 
semesters 1838 wurde er auf Grund seiner Inaugural 
dissertation „d6 oxydorum densitatis calculo re- 
periendae modo“ zum Dr. püil. promovirt, nachdem 
er im Jahre zuvor bereits ein neues Differential 
barometer konstruirt und in Poggendorff's Annalen 
beschrieben hatte. Von Marburg begab er sich zu 
seiner weiteren Ausbildung nach Gießen, hier habili- 
tirte er sich 1841 als Privatdozent, wurde 1843 
zum außerordentlichen Professor für Physik und Chemie 
und 1853 zum ordentlichen Professor ernannt. 1864 
folgte er einem Rufe nach Heidelberg. Seine Studien 
hatten anfänglich den Naturwissenschaften im All 
gemeinen, insbesondere aber der Physik und Chemie 
I gegolten. Sich ganz der Chemie zu widmen, ent-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.