Full text: Hessenland (6.1892)

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itm 
Lntersuchungen über den Uamen und über 
Schuljahre des Hichters Kuricms Koröus. 
die 
em 
^ordus siedelte also im Herbste des Jahres 
1505 von der Marburger Schule zur Univer 
sität Erfurt über. Möglicherweise findet hier 
Zusammenhang mit einem merkwürdigen 
Ereignisse der Erfurter Schule statt. Im Som 
mer des Jahres 1505 zogen nämlich eine An 
zahl Erfurter Lehrer und Schüler, unter ihnen 
auch Eob. Hessus, der später den Auszug in 
einem heroischen Gedichte beschrieben hat, wegen 
der Pest von Erfurt nach Frankenberg, hielten 
hier als Gäste der Einwohner ihre Vorlesungen 
weiter und kehrten im Herbste oder später wieder 
nach Erfurt zurück. Es liegt nahe, anzunehmen, 
daß Cordus sich den Heimkehrenden angeschlossen 
habe. 
Er kam unmittelbar von der Schule der 
„breiessenden Gugler" in Marburg. Diese 
„Ltirarapchir^i 2 ) cucullafci“ waren jedenfalls die 
von ihrer Tracht so genannten Gogel- oder Kugel 
herrn, die sich auch in ihrer Lebensweise durch 
bestimmte Mäßigkeitsgrundsätze, z. B. gänzliche 
oder theilweise Enthaltung von Fleisch, hervor 
gethan haben mögen. Es war ein halb geist 
licher, halb weltlicher Erziehungsverein, schon 
durch Landgraf Ludwig den Friedsamen von 
Münster nach Kassel berufen, der in Marbnrg, 
Butzbach und andern Orten sich um das Unterrichts 
wesen verdient zu machen suchte 3 ), jedoch seine 
Schulen natürlich noch nach mittelalterlich-bar 
barischer Weise eingerichtet hatte. Das Letztere 
ist ganz unzweifelhaft wenigstens das Urtheil 
des Cordus selbst, der wiederholt hervorhebt, 
daß er auf den Schulen „nichts als Barbarisches" 
gelernt habe, so z. B. in der früher mitgetheil 
ten zweiten Krankheitselegie. Auch der Lehrer 
Von (£. IR raufe. 1 ) 
(Schluß., 
r) Berichtigungen zum zweiten Artikel in Nr. 24 des 
vor. Zahrg.: In der Ueberschrist ist i) zu streichen. 
S. 319, 1. Kolumne, Z. 14 von unten: statt Krank ist zu 
lesen Krause. Der ganze Satz, bei der Korrektur hinzu 
gefügt, weil dem Verfasser das vorangehende Stück nur 
unvollständig im Satze vorlag, ist besser zu strerchen. 
2 ) Vom griechischen Spelt- oder Milchbrei. 
3) Chr. Koch, Gesch. des akad. Pädagogiums in 
Marburg. Wieder herausgeg. von F. Münscher. Progr. 
Marb. 1868, S. 4. 
Johannes von Kassel, der die Poetenklasse 
hatte, betrieb den Unterricht offenbar noch nach 
alter barbarischer Methode.') Er wird wohl auch 
der Lehrer gewesen sein, über welchen Cordus 
nach Thilonin's Enthüllung (sie mag natürlich 
etwas übertrieben sein) sich in pietätloser, weg 
werfender Weise geäußert haben soll. Thilonin's 
Angabe läßt es übrigens unbestimmt, ob jenerLehrer 
zu den Kugelherrn gehört hat, oder ob sein Unter 
richt an der Schule nur auf einem privaten 
Abkommen beruhte. Eine überraschende Be 
stätigung erfährt die ganze Mittheilung dadurch, 
daß ein Johannes Kassel seit 1530 (soviel bis 
jetzt bekannt) in Urkunden genannt wird, und 
zwar als Prior des Deutschen Hauses in Mar 
burg. 2 ) Dagegen ist von dem Dasein der 
„Lullarden" (Lollharden) in Marburg sonst nichts 
bekannt, und da mit dieser Bezeichnung vielfach 
ein ketzerischer Nebengeschmack verbunden war, 
so könnte Thilonin die Lehrer des Cordus ab 
sichtlich nach dieser Seite haben verdächtigen 
wollen. 
Nicht so bestimmt, wie dies bei der Mar 
burger Schule der Fall ist, erfahren wir, daß 
Cordus die Frankenberger hesucht hat, vielmehr 
gründet sich unsere bisherige Annahme hierüber 
nur auf Muthmaßungen, die allerdings einen 
hohen Grad von Wahrscheinlichkeit haben. Er 
sagt in der zweiten Krankheitselcgie (V. 97 bis 
104) von sich: 
Nicht zu den Griechen, noch auch Franzosen und Italienern 
bin ich gewallfahrt, blieb einzig im heimischen Land. 
Hier in die Nachbarstüdt' hat auf niedere Schulen der Vater 
einst mich gesandt, und gelernt hab' ich Barbarisches nur. 
Uebel verwahrlost bin ich daselbst zwölf Jahre geblieben, 
und selbst, Tityrus, du wurdest mir nimmer bekannt. ^ 
Mählich wuchs mir indessen der Bart und die männliche 
Vollkraft, 
voller Lustren vier schwanden des Lebens dahin. 
1) Ich berichtige hier ein Versehen in Nr. 23 dieser 
Ztschr. S. 309, A. 2, wo zu lesen ist: „in Alanum, 
Floristam, Graecistam.“ Es sind drei verschiedene 
Dichter des M. A. bezeichnet. Vgl. Böcking, Opp. Hutt. 
Suppl. II, S. 360, 372. 
2 ) Dankenswerthe Mittheilung des Kgl. Staatsarchivs 
zu Marburg vom 23. Januar 1891.
	        

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