Full text: Hessenland (6.1892)

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Brüder, wenn sie zusammenkommen, meinen, sie 
seien nicht lustig, wenn sie nicht allerlei Stöke- 
reien, Narrenspossen und Actiones, Gezänk und 
Schlägereien anfangen und, wie etliche Acta 
ausweisen, sich wie Bäckerbuben unter einander 
gebärden, als wolle auch ein jeder dafür ge- 
warnet sein." 
Ich muß es mir versagen, das Bermahnungs 
schreiben mehr denn ganz auszüglich zu geben, 
zumal es manches enthält, was sich an dieser 
Stelle nicht sagen läßt. Das ganze Schriftstück 
ist aber um so interessanter, als Neuberger am 
Schlüsse bemerkt, daß alles, was er rüge, auf 
aktenniüßigen Erhebungen beruhe. (Forts, folgt.) 
ßlise von Hohenhausen, 
geboren am 7. März 1812 zu Eschwege. 
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in 7. März feiert die Seniorin der in 
rk Hessen geborenen, gegenwärtig lebenden 
v Schriftstellerinnen, Frau ElisevvnHohen 
hausen, ihren achtzigsten Geburtstag. Ein 
Leben, das reich an mühevoller Arbeit, doch auch 
nicht minder reich an schönen Erfolgen gewesen ist, 
liegt hinter der ehrwürdigen Greisin mit dem 
jugendfrischen Herzen. Bon früh an schrift 
stellerisch thätig und stets mit männlichem Ernst 
nach hohen Zielen strebend, hat Elise von Hohen 
hausen eine Reihe von Werken geschaffen, die 
in der Literatur bleibenden Werth behalten und 
ihren Namen unsterblich machen werden. Wer kennt 
nicht das in vielen Auflagen erschienene Werk 
der Dichterin „Berühmte Liebespaare" ? Dies 
Buch erregte wegen der glücklichen Darstellung 
bedeutender Persönlichkeiten in ihrem Liebes 
leben bei seinem Erscheinen großes Aufsehen 
und wird immer wieder gerne gelesen werden. 
Im Laufe der Jahre erschien dann noch 
außer zahlreichen Aufsätzen in Zeitschriften und 
Tagesblättern eine Anzahl Bücher von Frau 
von Hohenhausen, deren Titel wir hier mit 
theilen. Dem Werke „Berühmte Liebespaare" 
folgte das ebenso fesselnd geschriebene Buch 
„Berühmte Freundschaften". Dann schrieb sie 
den „Roman des Lebens", das „Brevier der 
guten Gesellschaft", die „Romantischen Biv- 
graphieen aus der Geschichte" und „Goethe's 
Herzensleben". Auch als Uebersctzerin machte 
sich Frau von Hohenhausen einen Namen. Wir 
nennen von ihren Arbeiten auf diesem Gebiete 
nur ihre treffliche Uebertragung von Poung's 
„Nachtgedanken" und Longfellvw's „Goldene 
Legende" in's Deutsche. Daß die Quelle in 
dem warmen Herzen in ihrem hohen Lebens 
alter nicht versiegt oder versunken, vielmehr in 
frischem Sprudeln geblieben ist, beweist ihr 1889 
erschienenes Werk „Drei Kaiserinnen" und der 
erst vor einem Jahre bei Freund und Jäckel in 
Berlin herausgekommene Band „Neue Novellen", 
dessen Lektüre wir allen Freunden gediegener 
Belletristik nur warm empfehlen können. 
Dieser kurze Bericht über die Werke der Frau 
Elise von Hohenhausen weist sicher Lücken ans, 
allein wir sind augenblicklich nicht in der Lage, 
dieselben auszufüllen, da der achtzigste Geburtstag 
der verehrnngswürdigen Greisin so nahe bevor 
steht und durch längeres Nachforschen die Mög 
lichkeit schwindet, sie rechtzeitig an dieser Stelle 
zu dem seltenen Feste zu beglückwünschen. Uebrigens 
würde ein kürzerer Artikel doch nicht im Stande 
sein, ein so reiches und in vieler Hinsicht merk 
würdiges Leben mit skizzenhaften flüchtigen 
Strichen zu umspannen. Die eingehende Dar 
stellung desselben muß um so mehr einer gewissen 
haften Biographie vorbehalten bleiben, da Elise 
von Hohenhausen nicht allein als Schriftstellerin 
bedeutend, sondern auch eine Frau ist, deren 
Lebensgang sie von früh an mit einer Menge 
berühmter und merkwürdiger Persönlichkeiten 
zusammenführte. Eine solche Biographie würde 
zugleich den größten kulturhistorischen Werth 
besitzen, weil Frau von Hohenhausen noch zu 
der alten Geistesgarde gehört und während zweier 
Menschenalter die Strömungen in der deutschen 
Literatur kommen und vorrüberrauschen sah, auch 
den Wechsellauf anderer Verhältnisse mit offenem 
Auge verfolgte. 
Die köstlichste Gabe, die einst der Dichterin 
zu Theil wurde, scheint in ihrer Familie erblich 
zu sein, wenigstens ist unser Geburtstagskind 
die Tochter einer angesehenen Schriftstellerin. 
Ihre Mutter stammt aus der alten hessischen 
Familie von Ochs, sie vermählte sich mit dem 
späteren preußischen Regierungsrathe Freiherrn 
Leopold von Hohenhausen, dessen Schwester 
Henriette ebenfalls Schriftstellerin war. Bereits 
in sehr jugendlichem Alter heirathete Elise 
von Hohenhausen den preußischen Regierungs 
rath Rüdiger in Münster; sie nahm jedoch 
später wieder ihren Familiennamen an. 
Als die junge Frau Ende der dreißiger Jahre 
mit ihrem Gatten in Münster lebte, trat sie 
zu der Dichterin Annette von Droste-Hülshoff 
in innige Beziehungen. Frau Rüdiger von Hohen-
	        

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