Full text: Hessenland (6.1892)

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birche und 
schule in Kessen während und nach dem 
dreißigjährigen Wiege. 
Von Dr. Hugo Brunner, 
Bibliothekar an der Landesbibliothek in Kassel. 
(Fortsetzung.) 
^as zuerst das Schulwesen betrifft, so hatte 
dieses nach der Reformation und durch die 
selbe einen bedeutenden Aufschwung genom 
men. Hessen ist derjenige deutsche Staat, wo mau am 
frühesten sogar an die Einrichtung von eigentlichen 
Volksschulen dachte. Die im Jahre 1526 zu Hom 
berg versammelte Synode stellte unter anderem fest, 
daß in Städten und Dörfern die Knaben und 
Mädchen in den Elementarfächern unterrichtet 
werden sollten. Die Beschlüsse kamen zwar nicht 
gleich zur Ausführung, aber in der zweiten Hülste 
des sechszehnten Jahrhunderts sehen wir doch 
hie und da Volksschulen entstehen, und in 
den ersten Dezennien des siebzehnten, etwa 
bis zum Jahre 1620, werden sie allgemein.*) 
Natürlich dürfen wir die damaligen Ver 
hältnisse nicht mit den heutigen^ vergleichen: 
bte. Kinder werden, da von Lchulpflichtig- 
keit keine Rede, mir im Winter in die 
Schule geschickt, der Schulmeister ist selten im 
Stande, mehr als Lesen, Schreiben und Singen 
zu lehren. Letzteres ist auch die Hauptsache 
wegen des Kirchengesanges. 
Auf die Volksschule bezieht sich also auch 
weniger die Schulordnung Landgraf Moritzens 
vom Jahre 1618, sondern auf die Stadt- oder 
Lateinschulen. Diese Schulordnung aber ist 
geradezu mustergiltig für alle Zeiten. 
Die Pädagogien zu Kassel, Marburg und Hers 
feld standen in blühendem Flor, und die neue 
Schulordnung brachte für's erste in die übrigen 
lateinischen Stadtschulen wenigstens insoweit 
Uebereinstimmung der Lehrgegenstände und Lehr 
ziele, daß sie als Vorschulen für die Aufnahme 
in die Pädagogien gelten konnten. Bei weiterer 
Entwicklung hätten sich die erfreulichsten Er 
*) Vgl- Heppe, Geschichte des deutschen Volksschul 
wesens, Bd. l, S. 282 ff., sowie desselben Beiträge zur 
Geschichte und Statistik des hessischen Schulwesens im 
17. Jahrhundert (Zeitschrift des Vereins für hessische Ge 
schichte, 4. Suppl.). 
gebnisse erwarten lassen, zumal die Lehren des 
W o l f g a n g R a t i ch i u s, der die Kenntniß 
und Pflege der deutschen Muttersprache als erstes 
Erforderniß gründlicher Ausbildung hinstellte, 
des A m o s C o m e n i u s, welcher die Noth 
wendigkeit der sinnlichen Anschauung zur Ver 
mittelung der Begriffsbildung betonte, mit denen 
des S-traßburger Rektors Jo Hannes Sturm: 
sapientem et eloquentem pietatem t'inem esse 
studiorum, in den hessischen Schulen Aufnahme 
und Anwendung fanden. Da rissen die Stürme, 
mit denen der dreißigjährige Krieg das Hessen 
land durchbrauste, in der allgemeinen Verwüstung 
auch das Schulwesen desselben gänzlich zu Boden. 
Das Sengen und Brennen, das Rauben und 
Morde», die Unzucht und der ganze Greuel der 
Verwüstung, der mit den grausigsten Verbrechen, 
wie sie das Volk bis dahin noch nicht gesehen, 
jahraus jahrein das Land durchzog, zerbrach alle 
heiligen Ordnungen und erstickte in dem Volke 
fast jedes Gefühl für edlere Gesittung und Bil 
dung. Denn eben darin lag der Fluch, den der 
dreißigjährige Krieg wie über ganz Deutschland 
so auch über Hessen brachte, daß er mit dem 
leiblichen Elend auch das geistige Verderben in 
die Herzen des Volkes warf; daß zumal die 
Gemüther der Jugend durch die Aeußerungen 
der Bestialität, die sie fortwährend vor Augen 
hatte, moralisch vergiftet werden mußten, so 
dass in dieser wie auch in materieller Hinsicht 
die niederen Schulen weit mehr litten als die 
Universitäten. „So oft ich mein Leben zurück 
denke," spricht der Meißener Rektor Rabener, 
„muß ich mich wundern, daß noch etwas aus uns 
geworden ist. Denn unsere Kindheit fiel in die 
wildeste Kriegszeit, und überall boten sich dem 
Auge nur die schlimmsten Beispiele soldatischer 
Zügellosigkeit dar." 
Die blühende Hersfelder Schule wurde im 
Jahre 1634 durch die Ankunft der Kroaten und 
anderer kaiserlicher Kriegsvölker unter Götz auf-
	        

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