Full text: Hessenland (6.1892)

Hessische Dücherschau. 
Wetterauer Sang und Klang. Dreißig neue 
Gedichte in Wetterauer Mundart von Friedrich 
von Trais. Gießen 1891. Verlag von 
E. Roth. 
Die hier dargebotenen neuen Lieder bilden eine 
Fortsetzung der bereits vor Jahren erschienenen und 
mit großem Beifall aufgenommenen „Heimaths- 
klänge aus der Wette rau“. Den Lesern des 
„Hessenlandes" ist unser heimatlicher gemütstiefer 
Dichter Friedrich von Trais schon seit 1888 ein lieber 
Bekannter geworden; schon öfters hat er uns allda 
mit seinem Sange erfreut. Sämtliche in dieser 
Zeitschrift veröffentlichten wetterauer Lieder sind in 
die neue Sammlung aufgenommen worden. 
Ein geborener Wetterauer (zu Trais-Horloff) und 
innigst vertraut mit dem Landleben, weiß der Vers, 
die Eigenart der biederen und kernigen Bewohner seiner 
Heimat, ihre Denk- und Ausdrucksweise, das ganze 
Volksleben der Wetterauer mit seinen ernsten und hei 
teren Seiten, wie auch die Eigenart des heimatlichen 
Bodens selbst in dichterischer, jedoch stets naturwahrer 
Auffassung uns vorzuführen. Wir hören das Rauschen 
der Wälder und das Murmeln der Bächlein, wir 
hören den Gesang der frischen Burschen und Mädchen, 
die ernsten und bedachten Worte der Alten, wir sehen 
das Knospen der Schlüsselblumen und Veilchen, das 
Keimen des Getreides, wir sehen, wie Jung und Alt 
sich freut des lieblichen Frühjahrs und des fruchtbaren 
Bodens der Heimat. Wie lieblich klingt: 
„„Sann Glücklichern woase se weiß 
Däi läure dm Froijohr gahnz leis. " 
Bei aller Naturwahrheit der Darstellung ist jedoch 
jegliches Banale und Gemeine, wodurch so oft der 
Genuß mundartlicher Dichtung getrübt wird, von 
unserem heimatlichen Dichter in glücklichster Weise 
vermieden worden. Es sei gestattet, eine kleine Aus 
stellung betreffs der Schreibung hier beizufügen, welche 
Ausstellung indessen den bedeutenden Vorzügen dieser 
Liedersammlung gegenüber wenig besagen soll. Es 
dürfte sich für eine neue Auflage, die wir bald wünschen 
möchten, wohl empfehlen, eine Verbesserung der 
phonetischen Darstellung einzelner Laute vorzunehmen. 
So wäre vor allem wohl schärfer zu scheiden zwischen 
den gerade für den wetterauer Dialekt jo characteristischen 
Nasalvocalen und dem dentalen N. Die Schreibungen: 
„mein Klaad, v o ihrer Gäd, se zäikt's deh i, sein 
Spruch" u. s. w. geben für einen Fremden die 
Mundart zu unvollkommen wieder. Auch zwischen 
Tennis und Media müßte schärfer zu scheiden sein, 
bes. bei anlautenden Labialen. So wäre u. A. zu 
schreiben: Blätzi (Plätzchen), nicht „Plätzi", blecke 
(pflücken), nicht „plecke" u. s. w. Auch einzelne 
Doppellaute wären noch genauer zu präzisieren. Eine 
Verbesserung der phonetischen Darstellung würde den 
Wert dieser trefflichen Liedersammlung für grammatische 
Studien zweifellos erhöhen. Der Vers, könnte sich 
wohl in seiner Schreibweise an diejenige des „ober 
hessischen Wörterbuches" (W. Crecelius) anlehnen. — 
Die geschmackvolle Ausstattung des Büchleins ist 
noch besonders lobend hervorzuheben.. Das Titelblatt ist 
geziert durch eine sinnige Vignette. Im Vordergründe 
steht auf blumigem Rasen ein hübsches wetterauer 
Bauernmädchen in der so schmucken Volkstracht, die 
leider mehr und mehr im Entschwinden begriffen 'ist; 
im Hintergründe erhebt sich die gewaltige Burg Fried 
berg mit dem stattlichen Adolfsturm. 
Bei dem gesamten Hessenstamme und bei allen 
Freunden und Forschern hessischen Volkstums, denen 
dieser neue wetterauer Sang vom Verfasser gewidmet 
ist, wird derselbe eine freundliche Aufnahme finden. — 
Laubach, 27. Dez. 1891’ 
Dr. August Aoeschen. 
Soeben ist im Verlage von Max Brünne- 
mann zu Kassel erschienen: 
Die vormals kur hessische Arrneedivision 
im Sommer 1866. Auf Grund des vorhan 
denen aktenmäßigen Materials, sowie der eigenen 
Erlebnisse dargestellt von I u l i u s v o n S ch m i d t, 
Generallieutenant z. D. (1866 Hauptmann im 
kurhessischen Generalstabe). 
Im Selbstverläge des Verfassers erschien: 
Geschäfts-Anweisung für die Direktion, den 
Rendanten, den Controleur und die Neben-Ren- 
danten der kommunalen Sparkassen nebst 
einem Anhang: Vorschriften über die Handhabung 
des Conto - Corrent - Geschäfts. Bearbeitet von 
F. Böschen, Ober-Sekretär der Landes-Direktion 
zu Kassel. 
Die Besprechung dieser Schriften behalten wir 
uns für eine spätere Nummer unserer Zeitschrift vor. 
R 
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hi 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Z w e n g e r in Fulda, Druck und Verlag von F r i e d r. S ch e e l in Kassel.
	        

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