Full text: Hessenland (6.1892)

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Land zurückgekehrt war, verlieh er — am 28. April 
1819 — dem Generallieutnant Lingg das Groß 
kreuz des hessischen Löwen-Ordens, außerdem wurde 
derselbe mit dem Beinamen von Lingenfeld in den 
Adelstand erhoben. Die Stadt Hersfeld verlieh ihm 
das Ehrenbürgerrecht und stellte die Bildsäule ihres 
Retters im Rathhause auf. Den badischen Jägern 
dankte sie auf eine Weise, die gewiß alle Anerkennung 
verdient. Als im Jahre 1822 die Zeitungen meldeten, 
daß der Rhein bedeutend über sein Bett ausgetreten 
sei und namentlich im badischen Lande große Über 
schwemmungen angerichtet habe, da sammelten die 
Hersfelder eine bedeutende Summe Geldes und 
sendeten es an den General Lingg von Lingenfeld 
mit der Bitte, dasselbe möglichst den Nothleidenden 
unter seinen ehemaligen Jägern zukommen zu lassen, 
damit diese so von dem, was sie zu rauben aus 
Edelmuth einst verschmäht hätten, wenigstens einen 
Theil als freiwillige Gabe annehmen möchten. Auch 
feierten die Hersfelder den 20. Februar 1857 als fünf 
zigjährigen Gedenktag der Rettung ihrer Stadt mit 
dankbarem Herzen. Gegenwärtig ist von Neuem der 
Plan aufgetaucht, ihrem Erretter, dem General Lingg 
von Lingenfeld, auf dem Marktplatze zu Hersfeld als 
Zeichen unvergänglicher Dankbarkeit ein Denkmal zu 
errichten. Möge dieser Plan, dem gewiß die all 
gemeine Zustimmung nicht fehlen wird, bald zur 
Ausführung gelangen. 
„Hessen ab end in Berlin." Seit dem Winter 
1890/21 besteht in Berlin unter dem Namen 
„H e s sen a b e n d" eine zwanglose Vereinigung ge 
borener Kurhessen, welche ihren Ursprung einem in 
weiteren Kreisen empfundenen Bedürfniß verdankt. 
„Die gewaltige Entwickelung der Millionenstadt 
Berlin", heißt es unter anderem in dem ausgegebenen 
und uns gütigst mitgetheilten Prospekt, „hat, zumal 
in den letzten fünf Jahren, zahlreiche in gesicherten 
Lebensstellungen befindliche und den gebildeten Ständen 
ungehörige Landsleute zu dauerndem oder lebens 
länglichem Aufenthalt nach Berlin geführt. In 
jeglichem Zweige unserer Staatsverwaltung beschäftigt, 
auf dem Gebiete der Kunst, des Handels und des 
Gewerbes thätig, leben sie hier in nicht geringer 
Zahl, aber unter sich ohne Fühlung, vielfach ohne 
Ahnung, wie nahe ihnen oft Jugendfreunde sind. 
Und führt der Zufall sie einmal zusammen, so be 
reiten meist schon die weiten Entfernungen dem ge 
wünschten öfteren Verkehre große Schwierigkeiten, 
ganz zu geschweigen von den vielgestaltigen, auf 
reibenden Anforderungen, die anderweitige Gesellig 
keit und Beschäftigung an jeden einzelnen zu stellen 
pflegen. Nur zu leicht bleibt da der Wunsch un 
erfüllt, den wohl Jeder, der unseren schönen Gauen 
entstammt, im tiefen Grunde des Herzens hegt, von 
Zeit zu Zeit mit Jugendfreunden von früheren 
Zeiten zu plaudern, der Väter und Vorfahren, der 
alten Freunde und der alten Heimath zu gedenken. 
Diesem Wunsche will unser Verband Genüge 
thun. Die vielfachen, oft nur zu lockeren Bande, 
die unsere Landsleute hier verknüpfen, will er, wie 
in-einem festen Ringe, zusammenfassen; in seinen 
Veranstaltungen soll ein Jeder bequeme und sichere 
Gelegenheit finden, Jugend- und Schulgeführten, 
Studien- und Heimathgenossen in regelmäßigen 
Zwischenräumen wiederzusehen. 
Zu dem Behufe versammelt unsere Genossenschaft 
ihre ständigen Theilnehmer in jedem Monat 
einmal, in der Regel am e r st e n Mittwoch, an 
einem von allen Seiten leicht erreichbaren Orte in 
mitten der Stadt (im Winter bei Siechen in der 
Behrensträße) zu zwangloser und harmloser Ge 
selligkeit. 
' Außer diesen „großen Hessenabenden" bot die 
Vereinigung bisher ihren Mitgliedern noch Herren 
ausflüge, Kegelabende und Damenabende, welche 
durch die Anwesenheit der Angehörigen der Theil 
nehmer verschönt wurden. 
Aus dieser Pflege persönlicher Beziehungen zwischen 
Landsleuten ergiebt sich für die Gesammtheit, weniger 
als Zweck oder Ziel denn als unmittelbare und un 
gesuchte Folge, eine Förderung des landsmännischen 
Zusammenhalts. In der That haben auf allgemeines 
Verlangen einige Mitglieder sich bereit erklärt, im 
Laufe des nächsten Winters zum Beginne der großen 
Abende Vorträge allgemein interessanten Inhalts, 
z. B. aus unserer Stammesgeschichte, zu halten. 
Es braucht wohl kaum ausgesprochen zu werden, 
daß der Verband lediglich diese geselligen, aber durch 
aus keine politischen Bestrebungen irgend welcher Art 
verfolgt. 
Die Vereinigung erhebt keine Beiträge. Die 
Kosten der Einladungen werden durch freiwillige Um 
lagen gedeckt. 
Mitglied der Vereinigung wird jeder in Berlin 
ansässige oder längere Zeit verweilende Kurhesse, 
welcher von einem ständigen Theilnehmer eingeführt 
wird oder der Einladung des Vorstandes Folge 
leistet und sich dann diesem gegenüber bereit erklärt, 
weitere Einladungen entgegen zu nehmen. In Hessen 
geboren zu sein, ist kein unbedingtes Erforderniß für 
den Eintritt. Jeder, der längere Zeit, vor allem 
seine Jugendjahre, in unserer Heimath verlebt und 
sich für unseres Stammes Eigenart und Sitte ein 
Herz bewahrt hat, ist, wenn er eingeführt wird, 
willkommen." — 
Vorsitzender des „Hessenabends" ist der Gymnasial 
lehrer F. Wolfs (Berlin 80. Brückenstraße 9). — 
Wir wünschen der Vereinigung das beste Blühen 
und Gedeihen. 
Am 27. Januar vollendete unser hessische Lands 
mann Adam Trabert in Wien sein siebenzigstes 
Lebensjahr. Zahlreich waren die Glückwünsche, die
	        

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