Full text: Hessenland (6.1892)

Boerald, dem braunen, 
Spaltet sein Schwert 
Helm und das Haupt. 
Reißt ihn vom Roß, 
Aufschwingend sich selber, 
Hohnlachend rufend: 
„Hel Hermunduren, 
Kopflosem König! 
Hernulf, der Chatte, 
Reitet jetzt heimwärts. 
Saht seine Streiche. 
Wollet Ihr Wunden, 
Kommt vor der Chatten 
Sausende Schwerter." 
Stürmenden Schwungs 
Fliegt er davon 
Auf Boerald's, des braunen, 
Rasendem Roß, 
Hernulf, der Held, 
Heervaters Liebling. 
Heller Heilruf 
Klang da im Lande, 
Als frank und frei. 
Fröhlich und frisch 
Hernulf der Held 
Hurtig einherritt, 
Tragend in tapferer Hand 
Scharfes Schwert 
Kopflosen Königs. 
Rächte die Wunden 
Nächte die Todten, 
Stieg über Leichen 
Zur fröhlichen Freiheit. 
Auf der Hatde. 
Des Herbstes letzte Gaben 
Späh' ich zum Sträußchen mir, 
Bescheidne Haideblüthen, 
Duftlos und ohne Zier. 
So schlicht die niedern Blümchen, 
Darum ich mich gebückt, — 
Der Einen sind sie köstlich, 
Für die ich sie gepflückt. 
Wie fröhlich kann ich wandern 
In Oede, Wind und Graus: 
Ich weiß, daheim streckt Liebe 
Die Arme nach mir ans. 
Stuttgart. Dr. Htto Lkeörich. 
36 — 
Nimmer bezwinget der Feind 
Alten chattischen Muth, 
Nimmer bezwinget der Feind 
Uralte chattische Kraft 
Das ist der Sang 
Von Hecrvaters Liebling, 
Hernulf, dem Helden." 
Mit angehaltenem Athem, funkelnden Auges, 
selbst des Trankes vergessend, hatten die Män 
ner dem Sange gelauscht, den des Redners 
wohltönende Stimme in den herrlichen Lauten 
der deutschen Zunge in kunstvoller Weise vortrug. 
Jetzt aber brach sich der Bann, in welchem 
der Sänger die entzückten Hörer gehalten hatte. 
Gleich dem Brausen der vom Nvrdsturm be 
wegten Brandung erklangen donnernde Rufe 
Die Schwerter zogen sie und schwangen sie in 
der Luft und ließen sie aneinander klirren und 
immer von Neuem erscholl es: „Heil sei Hernulf, 
dem Chatten! Heil dem Sänger der Lieder! 
Heil dem Hessenlande!" 
Stürmisch umdrängten und umarmten sie den 
sangeskundigen Liebling des Volkes, sodaß dieser 
sich kaum bergen konnte, und sich endlich ge 
waltsam lösen mußte um sich dann mit zu 
friedenem Lächeln niederzusetzen. 
„Das ist ein Lied!'' rief Childerich. „Bei 
den Göttern, nicht oft genug kann ich's hören. 
Das erfreut das Herz —, das macht Alte jung 
und Sieche gesund. Heil! Heil dem Hessen 
volke, das solche Helden und solche Sänger hat!" 
Und der Alte nahm einen gewaltigen Zug aus 
dem Hörne. 
(Fortsetzung folgt.) 
Haitdwerksbnrfchenlied. 
Zieh'n wir in die Herberg' ein, 
Schmale Kost und saurer Wein 
Will lttts nicht behagen! 
Ist die Dirn' auch noch so frisch, 
Ein gepantschtes Schandgemisch 
Liegt uns schwer im Magen! 
Komm', Du schöne Kellnerin! 
Leicht das Ränzel, leicht der Sinn, 
Kannst Du mehr verlangen? 
Schönste, gieb uns weißes Brod, 
Doch der Wein sei pupurroth 
Gleichwie Deine Wangen! 
Herbergsvater, bleibe weg, 
Pfleg' am Ofen Deinen Speck 
Oder nimm die Kreide,
	        

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