Full text: Hessenland (6.1892)

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„ach dem Tode Bertuch's durch Erbschaft an 
dessen Schwiegersohn, den Geheimen Medizinal 
rath Dr. von Froriep, übergegangen und von 
diesem seinen Sohne Ör. R. Froriep übergeben 
worden. Letzterer erkannte den sittlichen Werth 
des jungen strebsamen Mannes, er zog denselben 
in Gesellschaft und vermittelte die Bekanntschaft 
Scheel's mit dem Buchhändler Förster, welcher 
in dem Geschäfte die Stelle eines Prokuristen 
und technischen Leiters bekleidete und länger 
als fünfzig Jahre demselben als treuer Berather 
vorgestanden hat. Hier lernte Scheel die jüngste 
Tochter Förster's, Bertha, kennen, schätzen und 
lieben und verlobte sich mit derselben. Nun 
handelte es sich für ihn darum, sich selbstständig 
zu machen, um einen eigenen Haushalt be 
gründen zu können. Er entschloß sich, im Ein 
verständnisse mit seiner Braut, in Kassel sich 
niederzulassen und dort eine eigene Buchdruckerei 
zu errichten. Nach fast siebenjähriger Abwesenheit 
kehrte er im Herbste 1848 in seine Vaterstadt 
Kassel zurück, und es gelang ihm dort, seinen 
Plan auszuführen. Eigenes Vermögen besaß 
er nicht, aber Verwandte und Freunde standen 
ihm hilfsbereit zur Seite, so daß er sein Geschäft 
angemessen einrichten konnte. 
Anfänglich auf Buchhändler- und Accidenz 
arbeiten angewiesen, übernahm Friedrich Scheel 
iln April 4849 den Druck der „Neuen Hessischen 
Zeitung". Das kam so. Der Zufall hatte cs 
gefügt, daß Scheel's Druckerei in demselben 
Hause ihre Räumlichkeiten fand, in welchem der 
Rechtsanwalt Friedrich Oetker Wohnung ge 
nommen hatte. Dieser gab bekanntlich im 
Vereine mit Adam Pfaff seit den Märztagen 
des Jahres 1848 die „Neue Hessische Zeitung" 
heraus. Oetker hatte Gelegenheit, seinen Haus 
genossen als einen in technischer wie geschäftlicher 
Beziehung gleich tüchtigen, gewissenhaften Buch 
drucker und zuverlässigen Parteifreund kennen 
zu lernen, und säumte nicht, ihm den Druck 
seines Blattes zu übertragen. 
Die konstitutionelle „Neue Hessische Zeitung" 
erfreute sich unter dem Märzministerium Eber 
hard, als dessen Organ sie gewissermaßen gelten 
konnte, einer großen Verbreitung, und das Geschäft 
selbst stand in schönster Blüthe. Andere Ver 
hältnisse sollten eintreten, als zu Ende Februar 
des Jahres 1850 Hassenpflug wieder an's Ruder 
kam. Von da an beginnt die erste Kampf- 
und Leidensperiode, die Friedrich Scheel in seinen 
ereignißvollen, bewegten Leben durchzumachen 
hatte. 
(Schluß folgt.) 
Her Hlaubmsbote. 
(Eine (Erzählung aus dem achten Jahrhundert von Franz Treller. 
DIodwalt wandte sich von dem verstimmten 
Ojv Priester zu Anderen der Umstehenden, die 
Alle ihn freudig begrüßten. 
Gruppen hatten sich ringsum gebildet, leb 
haftes Gespräch wogte hin und her, und manches 
Auge richtete sich auf den geliebten Sänger, und 
sehnsuchtsvoll harrten Alle, daß sein Lied 
erklinge, aber Niemand wagte die Bitte. 
Rodwalt wußte es wohl und freute sich der 
Erwartung. 
Da sprach Einer in seiner Nähe: „Gefährlich 
ist's mit den Sachsen anzubinden Hohiko, ich 
weiß ein Lied zu singen. Leicht ist es ihnen, 
in's Hessenland zu fallen, wenn die Kriegsfeuer 
lodern, und schwer für uns, den Besuch zu er 
widern. " 
„Oh —, laß sie kommen, die Mordhunde, — 
ich lechze danach. Ich war ein Knabe, als sie 
Wulwisanger verbrannten und meinen Vater 
erschlugen. Sie wären auch zu Euch gekommen, 
wenn die Burg Chassalla sie nicht aufgehalten 
hätte. Sie sollen das Blut mir entgelten." 
(Fortsetzung.) 
„Friede, Friede, Männer," sagte Rodwalt, 
sich in die Rede mischend, „müßt Ihr denn 
immer des Schwertkampfs gedenken? Friede, 
Friede." 
„Du bist der Rechte," lachte Hohiko, „Dir 
sitzt das Schwert so leicht in der Scheide wie 
Jedem von uns —, aber — die Klingen 
rosten, es ist Zeit, eine kleine Fahrt zu machen, 
damit die Arme stark bleiben." 
„Ei, ei," sagte lächelnd der Sangeskundige — 
„Ihr dürstet nach Kampf, so muß ich Euch ein 
sanftes Wiegenlied singen, um Euch einzulullen 
am Herde, daß Ihr friedlich einhergeht wie die 
Lämmer zur Weide." 
„Nein, nein, Rodwalt, Bester, gieb uns 
vom ächten Trank —, nicht Milch für den Säug 
ling", riesen die Männer lachend. 
„Wir sind ein gar sanftes Volk, wir Hessen, 
und ich weiß, Wiegenlieder gefallen Euch am 
besten." 
„Er ist ein Schalk, der Rodwalt!" riefen die 
Männer.
	        

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