Full text: Hessenland (6.1892)

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Universität gegenwärtig thätig: in der theologischen 
Fakultät 5 ordentliche Professoren und 4 Privat 
dozenten, in der rechtswissenschaftlichen Fakultät 6 
ordentliche, 1 außerordentlicher Professor und 5 
Privatdozenten, in der medizinischen Fakultät 11 
ordentliche, 1 Honorar-, 4 außerordentliche Professoren, 
6 Privatdozenten und 1 Lehrer der Zahnheilkunde, 
und in der philosophischen Fakultät 22 ordentliche, 
11 außerordentliche Professoren und 11 Privatdozenten. 
(Obh. Ztg.) 
Todesfälle. Am 25. November starb nach 
längerem Leiden im 71. Lebensjahre zu Kassel der 
Sanitätsrath Dr. Adolf Harnier, einer der an 
gesehensten Aerzte Kassels. Geboren am 4. April 
1822 zu Kassel als Sohn des Geheimen Medizinal- 
rathes Dr. Harnier, besuchte er das Gymnasium 
seiner Vaterstadt, das er zu Ostern 1840 absolvirte. 
Er widmete sich hiernach an den Universitäten Mar 
burg und Göttingen dem Studium der Medizin. 
In Marburg war er ein angesehener Korpsbursche 
der Hasso-Nassovia, in Göttingen der Nassovia. Er 
wurde zu Marburg am 19. August 1844 auf Grund 
einer Dissertation : Observationes quatuor morborum 
systematis nerv ei rarissimorum zum Doctor me- 
dicinae promovirt und ließ sich, nachdem er sich noch 
zu weiteren Studien in Würzburg, Prag und Wien 
aufgehalten hatte, nach vortrefflich bestandenem Staats 
examen 1849 in seiner Vaterstadt als praktischer 
Arzt nieder. Hier errang er sich bald den Nus 
eines sehr tüchtigen und gewissenhaften Arztes, sodaß 
er in wenigen Jahren eine ausgedehnte Praxis ge 
wann und zu den gesuchtesten Aerzten Kassels zählte. 
Mit besonderer Vorliebe und Hingabe widmete er sich 
neben seinen Berufsgeschäften den öffentlichen und 
gemeinnützigen Angelegenheiten. 
Am 25. November verschied zu Kassel im 
72. Lebensjahre nach langem, schwerem Leiden Major 
a. D. Albrecht von Bardeleben. Der Ver 
blichene entstammte einem alten, der Schaumburgischen 
Ritterschaft angehörigen, weitverzweigten, hoch ange 
sehenen Geschlechte, das unserem engeren Vaterlande 
Hessen eine große Reihe ausgezeichneter Offiziere 
und Staatsbeamten geliefert hat. Im Jahre 1866, 
vor der Annexion, dienten in der kurhessischen Armee 
nicht weniger als neun Herren von Bardeleben, die 
sich auf alle Ofsiziersgrade, vom Generale bis zum 
Sekondelieutenant vertheilten. Albrecht von Barde 
leben wurde nach dem Besuche der Kadettenschule in 
Kassel 1841 Sekondelieutenant im kurhessischen 
Leib-Garde-Regiment, avancirte in demselben bis 
zum Hauptmann und trat nach der Einverleibung 
Kurhessens in Preußen in gleicher Eigenschaft in 
das Füsilier-Regiment Nr. 80 ein. Am 24. Juni 
1867 wurde er zum Major befördert und 1868 zum 
Bataillons-Kommandeur ernannt. 1870 trat er in 
den Ruhestand. Im Kriege gegen Frankreich 1870/71 
war er Etappen-Kommandant von Landau. Seit 
jener Zeit lebte er in Kassel. Er war ein tüchtiger, 
sehr angesehener und beliebter Offizier, dessen Hin 
scheiden von allen, die ihm näher standen, lebhaft 
betrauert wird. 
Am 9. Dezember verschied zu Blankenau der 
Pfarrer Leonard Kalb, geboren zu Fulda am 
21. Mai 1823. Nach Besuch des Gymnasiums 
seiner Vaterstadt studierte er von Ostern 1844 ab 
an der katholisch-theologischen Lehranstalt zu Fulda 
Theologie. Am 26. Mai 1849 empfing er die 
Priesterweihe, war dann Kaplan in Anzefahr, Roß 
dorf und Neustadt, Frühmesser zu Naumburg und 
Pfarrer zu Zella im Großherzogthum Sachsen-Weimar. 
Seit dem 31. März 1873 wirkte er als Pfarrer zu 
Blankenau am Vogelsberge. Er war ein frommer 
Priester, ein eifriger Seelsorger, dessen Andenken ge 
segnet bleiben wird. Requiescat in pace! 
Hessische Kücherschau. 
Es hat uns von jeher großes Vergnügen gewährt, 
zu vernehmen, daß unser hochbegabter hessischer Dichter 
Karl Pr es er ein neues Werk geschaffen habe. 
Wissen wir doch, daß ihm in seltenem Grade poetische 
Schöpfungs- und Gestaltungskraft zu eigen ist und 
daß seine Leistungen stets gediegene sind. Das ist 
denn auch bei seiner kürzlich im Verlage von Oskar- 
Ehrhardt in Marburg erschienenen Sammlung von 
Gedichten: 
Heimathliche Bilder und Gestalten 
in vollstem Maße der Fall. Man kann dieses Buch, 
in dem sich der echt hessische Sinn des verehrten 
Herrn Verfassers so herrlich widerspiegelt, immer 
und immer wieder lesen und stets wird man neue 
Schönheiten in demselben entdecken. Nicht allein der 
jedem Hessen zusagende Stoff, den hier der Verfasser 
behandelt, ist es, welcher uns so mächtig anzieht, 
auch die prächtige Sprache, die Form, die Karl 
Preser so meisterhaft beherrscht, kann nicht rühmend 
genug anerkannt werden. Es liegt Musik in seinen 
Versen, kein unreiner Reim findet sich in denselben, 
ein Vorzug, der ganz besonders hervorgehoben zu 
werden verdient. 
Seine neue Sammlung von Gedichten hat Karl 
Preser unserer vortrefflichen sinnigen hessischen 
Dichterin und Schriftstellerin Elisabeth Mentzel ge 
widmet. Wir können es uns nicht versagen, hier 
das schöne Gedicht, welches er an dieselbe richtet, 
wiederzugeben. Kann es doch gewissermaßen als des 
Verfassers Programm zu seinen »Heimathlichen 
Bildern und Gestalten" gelten.
	        

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