Full text: Hessenland (6.1892)

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Dämmer«« g uns der Prärie. 
Die Soime schwand. 
Noch liegt ein Flimmern ob den endlos breiten, 
Vom Horizont begrenzten Steppenweiten. 
Doch aus dem Sand, 
Aus den versengten Gräsern der Prärie, 
Aus den armsel'gen Büschen dort und hie, 
Beginnt ein Knistern, Rascheln, Regen, 
Ein dürres Zischeln allerwegen, 
Als fühlten sie schon über sich hingehen 
Die Sommernacht mit ihrem feuchten Wehen. 
Doch, ach, wie lang' 
Verzieht die Dämmerung; — und mit scheuen 
Tritten 
Kommt nur die Dunkelheit herangeschritten, 
~ Als wär' sie bang', 
Sie selbst, in diesem Meer, dem starren dürren, 
Mit ihrem Schattenheer sich zu verirren; 
Indeß am fernen Himmelsrand, 
Als wär's ein duftig Wolkenband, 
Nach einem Thal, das, ach, kein Auge sieht, 
Ein Schwarm von dunklen Wandertauben zieht. 
Und dann ringsum, 
Wie weit das Auge auch wohl suchend strebe, — 
Nichts mehr, das vom Lebend'gen Zeugniß gäbe; 
So tvdesstumm 
Sieht auch den Himmel man die Wölbung 
schlagen, 
Daß schier man am Gedächtniß möcht' verzagen, 
Und glaubt, es hätt' es nie gegeben, 
Ein schattig Thal, wo Menschen leben, 
Und meint, die Eb'nen, die sich dorten breiten, 
Es seien hart geword'ne Ewigkeiten. — 
Micardo Jordan. 
Aus alter und neuer Zeit. 
Der Sturm der Hessen auf Frankfurt. 
Wer vor vierzig Jahren die Gastwirthschaft des Bürger 
meisters Ruez zu Amöneburg besuchte, traf in 
der Wirthsstube meist einen alten Oheim des 
Bürgermeisters gleichen Namens. Der alte noch 
rüstige Mann saß meist im Lehnstuhle am Ofen. 
Die Gelegenheit brachte es mit sich, daß er eines 
Tages auf seine Jugendzeit und den Sturm der 
tapfern Hessen auf das Friedberger Thor von Frank 
furt, 2. Dezember 1792, zu sprechen kam. Er er 
zählte sehr anschaulich wie er mit anderen Hand 
werksgesellen, meist Schlossern und Schmieden mit 
Äxten und Hämmern bewaffnet zum Thor durchge 
drungen, dasselbe geöffnet und die Ketten der Zug 
brücke gesprengt, worauf die Hessischen Truppen im 
raschen Anlauf eingedrungen. Der Alte meinte, von 
da ab hätte er nicht mehr viel gesehen, denn eine 
französische Kugel hätte ihn niedergestreckt. Das 
Wahrzeichen trug er noch bei sich, im rechten Unter 
schenkel konnte man deutlich die Musketenkugel fühlen. 
Er erzählte das Alles, als ob es sich von selbst ver 
stände und doch war es eine Heldenthat, und sein 
Andenken sei gesegnet! 
Hr. 
Wie dankbar die Gesinnung hessischer Offiziere 
gegen die Stadt Frankfurt für die herzliche Aufnahme 
der hessischen Truppen nach der Einnahme der Stadt 
am 2. Dezember 1792 und der dadurch herbei 
geführten Befreiung von dem verhaßten französischen 
Joche, für die sorgsame Pflege der Verwundeten, die 
vielen Wohlthaten, welche die Bürger den hessischen 
Kriegern erwiesen, war, geht aus einem Schreiben 
des Generalmajors von Benning hervor, welches das 
»Frankfurter Journal" in seiner Nummer 199 vom 
Sonntag den 14. Dezember 1793 veröffentlicht. 
F. L. von Benning war bekanntlich Kommandeur 
des Regiments Garde, dessen 1. Bataillon nächst dem 
Grenadier-Bataillon Prinz von Hessen-Philippsthal 
am meisten dem mörderischen Feuer der Franzosen 
bei dem Sturme auf das Friedberger Thor ausgesetzt 
war. Das Schreiben lautet: 
Cassel, 9. Dezember. Wo ist eine Stadt in 
Deutschland, die so viel Treue, so viel Standhaftigkeit 
zeigte dem unsinnigen Freyheilstaumel rasender 
Franzosen zu widerstehen als die edlen, biederen 
Bürger von Frankfurt? Wer ist nicht stolz um 
Ihrer Tugend willen ein Deutscher zu sein? Wie 
ein Fels im Meer stunden Sie unerschütterlich. Und 
wir nebst anderen dazu bestimmten Hessen halten 
Gelegenheit durch Eroberung Ihrer Stadt der zer 
störenden Macht wilder Horden Gränzen zu setzen. 
Schön war vorher Ihre patriotische Treue und Stand 
haftigkeit, schöner ist nachher Ihr Großmuth und 
Menschenliebe, wenn Sie verwundete Soldaten und 
Wittwen und Waisen der im Kampf gefallenen 
Streiter immerfort mit neuer Hülfe unterstützten. 
Die Feyer des Jahrestages, der Ihre Stadt befreyte 
und den Sie zu einem Tage der Wohlthätigkeit 
machen — giebt uns davon einen neuen Beweis. 
Ein Monument für die Nachwelt errichtet König 
Friedrich Wilhelm von Preussen vor der Stadt unseren 
im Sturme gebliebenen Hessen. Ein dauerhafteres 
Denkmal im dankbaren Herzen aller Heffen errichtet 
Ihr Euch edle biedere Bürger. 
F. L. von Benning, 
Generalmajor, im Namen aller Offiziere vom 
hochfürstl. hessischen Regiment Garde. 
H. 2-
	        

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