Full text: Hessenland (6.1892)

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Handlungen bei dem Oberlandesgerichte, bei welchem 
er rescribirt war, angewiesen, und durch seine schars- 
sinnigen Leistungen auf jenem Gebiete hatte er sich 
unter den Juristen Kassels einen sehr geachteten 
Namen erworben. 
Am 31. Dezember v. I. starb in Folge der Influenza 
zu Kassel in dem Alter von 83 Jahren der Ober- 
appellationsgerichtsrath z. D. Christian Philipp 
von Roques, einer jener alten gediegenen hessischen 
Juristen, auf welche unser engeres Vaterland- volles 
Recht hat stolz zu sein. 
Am 3. Januar verschied in Kassel nach kurzem 
Kranksein in ihrem 85. Lebensjahre an den Folgen 
eines Blutsturzes Frau Marianne Spohr, geb. 
Pfeiffer, Wittwe des Generalmusikdirektors Dr. Louis 
Spohr, tief betrauert von allen, die sie kannten. Sie war 
die zweite Gattin unseres verewigten großen Tondichters, 
eine Tochter des am 4. Oktober 1852 verstorbenen 
rühmlichst bekannten Oberappellationsgerichtsrathes 
Burkard Wilhelm Pfeiffer. Spohr hatte sich nach 
dem am 20. November 1834 erfolgten Tode seiner 
ersten Frau, Dorette Scheidler, mit der künstlerisch, 
namentlich musikalisch, trefflich beanlagten Dame im 
September 1835 verlobt. Er war damals 51 Jahre 
alt, sie 20 Jahre jünger. Die Hochzeit fand 1836 
am 3. Januar statt, der 56 Jahre später ihr Todes 
tag werden sollte. Ihren Gemahl, welcher am 
22. Oktober 1859 gestorben ist, hat sie um 32 Jahre 
überlebt. Wie glücklich sich der große Tonmeister in 
ihrem Besitze fühlte, das geht aus folgenden Worten 
seiner Selbstbiographie hervor, die zugleich den Beweis 
von ihrem musikalischen Verständnisse liefern: „Da 
wir häufig mit einander musizirten, so lernte ich 
immer mehr ihren feinen Sinn für das Edle in der 
Tonkunst kennen und konnte bei ihrer eminenten 
Fertigkeit im ä vista-Sefen nicht nur in kurzer Zeit 
mit ihr Alles, was ich früher für Geige mit Klavier 
begleitung geschrieben hatte, spielen, sondern es wurde 
mir auch gar manches Fremde dieser Kunstgattung, 
was ich bisher nicht kannte, durch sie erschlossen. 
Ich bekam daher große Lust, mich nun auch einmal 
in eigentlichen Duetten für Pianoforte und Violine 
zu versuchen. Das Erste, was ich dann für uns 
Beide schrieb, war das Duett in G-moll (op. 95). 
Hierbei bemerkte ich wiederholt mit großer Freude 
ihre lebhafte Theilnahme an meinen Arbeiten, in 
gleicher Weise wie sie mich bei meiner seligen Frau 
so beglückt und gefördert hatte. War ein Satz 
niedergeschrieben, so konnte ich ihn, wenn ich ihn mit 
ihr spielte, sogleich vollständig hören, was uns Beide 
in gleichem Grade interessirte und beglückte." 
Am 3. Januar starb zu M a r b u r g der Aktuar a. D. 
Friedrich Sold an im 91. Lebensjahre. Er war 
der älteste Bürger und eine der bekanntesten und 
beliebtesten Persönlichkeiten Marburgs. Wiederholt 
haben wir seiner und seines Zwillingsbruders, des 
ihm uul acht Monate im Tode vorausgegangenen 
emeritirten Pfarrers von Wittelsberg Friedrich Ludwig 
Soldan, in unserem „Hessenlande" gedacht, zuletzt 
noch bei Gelegenheit seines Geburtstages am 20. Juli 
vorigen Jahres in Nummer 15 unserer Zeitschrift, 
welcher er ein treuer Freund und Gönner war. 
Wir sind ihm zu großem Danke verpflichtet, hat er 
uns doch bereitwilligst immer mit seinem Rathe zur 
Seite gestanden und Auskunft über frühere Vor 
kommnisse in unserm engeren Vaterlande ertheilt, 
wozu er bei seinem umfassenden, sicheren Gedächtnisse 
und seinem scharfsinnigen Urtheile ganz besonders 
im Stande war. In der angeführten Nummer 15 
unserer Zeitschrift haben wir eine kurze Schilderung 
seines Lebenslaufes gebracht, auf die wir hier ver 
weisen wollen. — Friedrich Soldan war ein deutscher 
Biedermann in des Wortes vollster Bedeutung, und 
vollständig zutreffend sind die Worte in dem Nach 
rufe, welchen ihm das „Marburger Tageblatt" widmet, 
indem es schreibt: Es war kein Falsch an ihm, was 
er sagte, das war wahr, und was er that, das entsprang 
seiner eigenen freien Denkungsweise. Sein Herz 
schlug warm für seine Nächsten, vor allem für die 
Bedürftigen und Bedrängten unter ihnen, darum 
wurde er auch von Jedermann geachtet, und über 
das Grab hinaus folgt ihm die allgemeine Liebe. 
Sein Andenken wird stets ein gesegnetes bleiben. 
Am 13. Januar verschied zu Kassel nach kurzem 
Krankenlager im 74. Lebensjahre der Buchdruckerei 
besitzer Friedrich Scheel. Durch seinen Tod hat 
die Stadt Kassel, zu deren angesehensten und ver 
dienstvollsten Bürgern er zählte, einen schweren Verlust 
erlitten. Reich ausgestaltet mit Gaben des Verstandes 
und des Herzens, hat er ein außergewöhnliches Inter 
esse für alle öffentliche Angelegenheiten, für politisches 
und kommunales Leben entwickelt, und die Sorge um 
das Gemeinwohl beschäftigte ihn stets in hohem 
Grade. Im Laufe der Jahre in eine große Zahl 
von Ehrenstellen berufen, denen er mit seltenem Eifer, 
mit Pflichttreue und Verständniß vorstand, hat er 
das Vertrauen, welches seine Mitbürger in ihn setzten, 
vollauf gerechtfertigt. Die Theilnahme bei dem Hin 
scheiden dieses Ehrenmannes war denn auch eine allge 
meine. Sein Nekrolog folgt in der nächsten Nummer. 
Briefkasten. 
Dr. U. u. St. Kassel. Wegen Mangels an Raum 
konnten Ihre größeren Einsendungen noch nicht zum Ab 
druck gelangen. Wir bitten die Verzögerung zu entschuldigen. 
* G. B. Lippoldsberg. Ihre freundlichen Mittheilungen 
kommen demnächst zur Veröffentlichung. 
Dr. 8. Rotenburg. Verbindlichsten Dank für gütige 
Zusendung. Wird in der nächsten Nummer benutzt werden. 
Dr. F. Znowrazlaw. Das ist ein interessantes Schrift 
stück, das Sie die Güte hatten, uns zuzusenden. Empfangen 
Sie unseren besten Dank dafür. 
A. T. Wien. Herzlichen Glückwunsch zum 27. Januar.
	        

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