Full text: Hessenland (6.1892)

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V 
v 
-in hessischer Khrentag. 
Von F. Iw eng er. 
(Schluß.) 
glänzend hatte sich die Tapferkeit der hessischen 
Krieger bei dem Sturme auf das Fried 
berger Thor erwiesen. Mit heldenmüthiger 
Standhaftigkeit hatten sie Tod und Wunden 
rotzt. Ein vorleuchtendes Beispiel hatten die 
Offiziere den Mannschaften gegeben. Der Prinz 
von Hessen-Philippsthal, dem eine Kugel den 
rechten Hüftknochen zerschmettert hatte, war 
nur mit Gewalt zu bewegen gewesen, sich aus 
dem Kampfesgetümmel tragen zu lassen und der 
Major von Donop wich nicht von der Front 
seines Bataillons, obgleich er bereits aus zwei 
schweren Wunden blutete und kaum noch ver 
mögend war, sich ohne Unterstützung aufrecht 
halten zu können. Erst als er eine dritte tödt- 
liche Wunde empfangen, wandte er sich ruhig 
und kalt, als gelte es eine gewöhnliche Dienst 
angelegenheit zu erledigen, an den neben ihm 
stehenden Bataillons-Adjutanten, Lieutenant von 
Langenschwanz, mit den Worten: „Melden Sie 
dem Herrn Obersten, daß ich mich — weil tödt- 
lich verwundet — zurückbringen lassen muß und 
rufen Sie den ältesten Hauptmann zur Ueber 
nahme des Kommandos". 
Musterhaft war auch nach dem Eindringen in 
die Stadt die Disziplin und die Haltung der 
hessischen Krieger. Der König Friedrich Wil 
helm II. von Preußen war in Begleitung des 
Herzogs von Braunschweig den Sturmkolonnen 
aus dem Fuße gefolgt. Staunend besichtigte er 
zu wiederholten Malen die auf der Zeil und 
auf dem Roßmarkt aufmarschirten hessischen 
Bataillone und da soll er denn geäußert haben: 
„er vermeine zu träumen und nicht einem blutigen 
Sturme, sondern einem Potsdamer Manöver 
beigewohnt zu haben". 
Die Anerkennung der geleisteten Dienste und 
der Dank für das wackere Verhalten der hes 
sischen Truppen sollten denn auch nicht ausbleiben. 
Der König von Preußen, der Landgraf von 
Hessen und die Stadt Frankfurt wetteiferten 
darin. Auch die hessischen Landsleute blieben 
nicht zurück. Selbst aus den entlegensten Ort 
schaften kamen Liebesgaben für die hessischen 
Krieger an, welche, wie ein Zeitgenosse sagt, mit 
ihrem Siege die einzige kräftige Waffenthat iin 
ganzen Feldzuge vollbracht hatten. 
Reich waren die Spenden an Würden und 
Ehren, mit denen den Führern der hessischen 
Truppen für die von denselben bewiesene Tapfer 
keit von dem Landgrafen wie von dem Könige 
von Preußen gelohnt wurde. Zahlreiche Be 
förderungen fanden statt, es wurde General 
major von Wurmb zum Generallieutenant, Oberst 
von Benning zum Generalmajor ernannt und 
den hessischen Orden pour ln Vertu militaire 
erhielten der Oberst von Stahl von der Garde 
du Corps, der General von Dnllwigk von den 
Carabiniers, der Major von Offenbach vom 
Regiment Garde, der Oberst von Fuhs und 
Kapitän von Hachenberg vom Gardc-Grcnadier- 
Regiment, die Lieutenants von Riepe und Engel 
hard von der Artillerie. Vom Könige von 
Preußen wurde der große rothe Adler-Orden 
dem Obersten Prinz von Hessen-Philippsthal 
und dem Generallieutenant von Bicsenrodt, der 
Orden pour Io insrits dem Obersten von Ben 
ning vom Regiment Garde, dem Obersten 
Schreiber von den Husaren, dem Obersten Lenz 
von der leichten Infanterie, dem Major von Motz 
von den Jägern, dem Major und Flügcladjn- 
tanten von Heister und den Kapitänen von 
Marguardt und Wiederhold vom Generalstabe 
verliehen. Die Mannschaften erhielten vom 
Könige von Preußen und vom Landgrafen von 
Hessen namhafte Gratifikationen, außerdem ge 
währten beide Monarchen sowie die Stadt Frank 
furt die reichlichsten Spenden zur Unterstützung 
der Verwundeten und der Wittwen und Waisen 
der Gebliebenen. 
Auch der Feind erkannte die Tapferkeit der 
hessischen Truppen an. Der französische Kom 
mandant von Frankfurt, General van Helden, 
schrieb in seiner Relation sur la prise de 
Francfort: 
„Je dois ä la verite de dire qne les troupes 
hessoises donnerent dans cette circonstance 
des preuves de courage et de fermete qui 
sont au dessus de tous les eloges. Elles sou- 
tinrent d’une maniere distinguee la reputation
	        

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