Full text: Hessenland (6.1892)

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der Botanik an der Universität Bonn, war dann 
einige Zeit Demonstrator bei dem botanischen Garten 
in Poppelsdorf. 1837 ging er nach Batavia und 
bekleidete von 1840 bis 1843 die Stelle eines wissen 
schaftlichen Direktors des berühmten botanischen 
Gartens zu Buitenzorg. Wegen unwürdiger Be 
handlung seitens des neuen holländischen General- 
Gouverneurs von Java, Rochussen, nahm Karl 
Haskarl seinen Abschied und kehrte ohne jeden Dank 
und jede Anerkennung für seine vielfachen Verdienste 
nach Europa zurück, wo er sich zunächst in Königs 
winter, später in Düsseldorf niederließ und sich daselbst 
mit wissenschaftlichen Arbeiten beschäftigte. Hier machte 
ihm der holländische Kolonialminister Pahud den oben 
gedachten Antrag, und Haskarl nahm denselben trotz 
der üblen Erfahrungen, die er bereits mit den 
Holländern gemacht hatte, an. Ein thatkräftiger und 
ausdauernder Mann, technisch erfahren und vertraut 
mit allen Erfordernissen der tropischen Lebensweise, 
war er wie kein anderer geeignet, den Auftrag Pahud's 
auszuführen. Ende 1852 ging Haskarl von Sout 
hampton aus in See. Für seine Streifzüge in den 
Chinawaldregionen der Cordilleren nahm er Lima 
zum Stützpunkte. Die Fahrten selbst brachten un 
sägliche Mühsal und vielfache Gefahr für das Leben. 
Ueberdies drohten noch oft Uebelwollen und Unverstand 
das Beginnen zu vereiteln. Gleichwohl brachte Has 
karl das Unternehmen zu einem günstigen Ende. 
Im August 1854 konnte er 500 Cinchonabäumchen 
nach Java einschiffen. Damit war aber nur der 
erste Theil der Aufgabe Haskarl's gelöst, es galt nun 
noch, den Chinabaum auf Java einzubürgern. Auch 
dies brachte Haskarl zu Wege, freilich ohne von den 
Holländern den verdienten Dank zu ernten. Im 
Jahre 1856, nachdem das Dringendste und Mühsamste 
verrichtet war, erhielt er mit kargem Solde seinen 
Abschied. Seither lebt er lediglich seinen botanischen 
Studien in Cleve. — Wir haben obiger Schilderung 
einen Aufsatz in der „Vossischen Zeitung" zu Grunde 
gelegt. Ausführlicher verbreitet sich über unseren 
hessischen Landsmann Karl Haskarl der historische 
und philosophische Schriftsteller Robert Habs zu 
Dessau in seinem Aufsatze „Eine stille Heldenthat, 
Gedenkblatt zum 80. Geburtstage Karl Haskarl's" 
in dem „Deutschen Wochenblatte" (Nummer 49, vom 
3. Dezember 1891), worauf wir besonders zu ver 
weisen nicht verfehlen wollen. 
Todesfälle. Am 2. Dezember v. I. starb 
nach nur kurzer Krankheit im Alter von 67 Jahren 
zu S t e i n a u der Königl. Baurath A d o l f S p a n g e n - 
berg. Der Verblichene erfreute sich wegen seines 
biederen Charakters, seiner liebenswürdigen Umgangs 
formen, seiner Freundlichkeit und Gefälligkeit gegen 
Jedermann überall, wo er während feiner lang 
jährigen Dienstzeit im Baufache gewirkt, der all 
gemeinen Hochschätzung und Beliebtheit. Sein Hin 
scheiden wird daher in den weitesten Kreisen auf das 
Aufrichtigste betrauert. 
Der Redakteur der ehemaligen „Neuen Rheinischen 
Zeitung", vr. Ernst Dronk e, ist inLiverpoo l ge 
storben. Zu Koblenz im Jahre 1822 als ältester 
Sohn des Professors an dem dortigen Gymnasium, 
nachmaligen Direktors des Gymnasiums zu Fulda, 
Dr. E. Dronke geboren, studierte Ernst Dronke 
Jura in Bonn, Marburg und Berlin, ging dann 
aber zur Literatur über, zog nach Frankfurt a. M. und 
veröffentlichte dort ein Buch: „Berlin". Bei einem 
Besuch in Koblenz 1845 wurde er verhaftet und 
wegen Majestätsbeleidigung zu zwei Jahren Festung 
verurtheilt, die er in Wesel absaß. Die zwei Jahre 
wahren beinahe vergangen, als die Februarrevolution 
ausbrach. Es gelang Dronke, aus der Festung zu 
entfliehen und über die holländische Grenze zu ent 
kommen. In Brüssel traf er Marx und Engels 
und ging mit ihnen nach Paris und später nach 
Deutschland zurück. Als die „Neue Rhein. Ztg." 
gegründet wurde, trat er in die Redaktion ein, mußte 
im September 1848 in Folge des Kölner Aufstandes 
nach Paris flüchten, von wo er erst im Frühjahr zurück 
kam. Nach dem Scheitern der badisch-pfälzischen Re 
volution ging er in die Schweiz, wo er mehrere Jahre 
blieb, zuletzt mußte er aber auch von dort nach Paris 
flüchten. In Paris wurde er wiederum wegen Be 
theiligung an einem angeblich französisch - deutschen 
Komplott verhaftet und ausgewiesen. Er ging nach 
England und trat als Kommis in ein Bradforder 
Exporthaus, lebte dann als Kaufmann für eigene Rech 
nung in Glasgow und später in Liverpool, wo er im 
November v. I. starb. Seit den fünfziger Jahren 
hat er sich an der öffentlichen Bewegung nicht 
mehr betheiligt. 
Am 28. Dezember v. I. verschied sanft nach 
schwereul Leiden zu Kassel der Justizrath Philipp 
Rommel im 63. Lebensjahre. Derselbe war am 
II.Nov 1828 in Marburg als Sohn des damaligen 
Assessors Chr. Rommel, nachmaligen Regierungs 
direktors und Geheimen Justizrathes zu Hanau, 
geboren, er besuchte die Gymnasien zu Marburg, 
Fulda und Hanau und studierte, nachdem er im 
Herbste 1847 in Hanau die Maturitätsprüfung 
mit Auszeichnung bestanden hatte, zu Marburg, 
Heidelberg und Berlin Rechtswissenschaft. Als 
Referendar war er eine Zeit lang bei dem damaligen 
Staatsanwalte (Fiskalanwalt) Kraus in Kassel be 
schäftigt; 1860 wurde er zum Obergerichtsanwalt in 
Kassel ernannt, und kurz nach der Einverleibung Hessens 
in Preußen wurde ihm der Titel „Justizrath" ver 
liehen. Seit einer Reihe von Jahren betrieb er die 
Praxis in Gemeinschaft mit seinem Freunde, dem 
Justizrathe G. Alster. Er war ein sehr tüchtiger 
Jurist und ausgezeichneter Rechtsanwalt. In Folge 
seiner Schwerhörigkeit war er mehr auf die schrift 
lichen Ausführungen als ans die mündlichen Ber-
	        

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