Full text: Hessenland (6.1892)

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Wandrer ziehen durch die Pforten, 
Horchen gerne dem Geläut, 
Bis der letzte Strahl versunken 
In das Meer der Dunkelheit. 
Seltsam flüstern dann die Linden. 
Leise Winde säuseln drin; 
Ueber halbveriunk'ne Gräber 
Wehen Lautenklänge hin. 
Erinnerung. 
Und das ist dieselbe Stätte, 
Wo so fröhlich ich gesungen. 
Wo von Lust und Liebeswonne 
Meine Zither oft erklungen? 
Damals blühten noch die Bäume, 
Silbern funkelten die Sterne; 
Heute wallen Herbstesnebel, 
Dumpfes Läuten schallt von ferne. 
Gädertz literarisch - biographische Bemerkungen 
bringen manches Interessante über Geibels dichterische 
Entwicklung. Bei dieser Gelegenheit verfehlen wir 
nicht, unsern Lesern die gediegene Zeitschrift „Uni 
versum^ aufs Wärmste zu empfehlen. 8. 
Aus Heimath und Fremde. 
Am Montag den 28. November fand in der Aula 
der Realschule die Mo n at sv er samm lun g des 
Vereins für hessische Geschichte und Lan 
deskunde statt. Dieselbe war außergewöhnlich zahl 
reich besucht. Der Vorsitzende, Bibliothekar Dr. H. 
Brunner, eröffnete sie mit geschäftlichen Mittheilungen, 
denen zufolge hat sich der Mitgliederbestand nicht ver 
ändert, da dem Abgang von sechs Mitgliedern der 
Zugang von sechs neuen gegenübersteht. Der Vor 
sitzende legte sodann das kürzlich erschienene Werk 
vom Oberstlieutenant a. D. von S t a m f o r d in 
Detmold über das Schlachtfeld im Teutoburger Walde 
vor, besprach dasselbe in sehr anerkennender Weise 
und empfahl es den Mitgliedern, da es dem Ver 
fasser wohl gelungen sei, die Stätte der Varusschlacht 
endgiltig festzustellen, nämlich am Fuße der Groten- 
burg, auf der bekanntlich das Hermannsdenkmal steht. 
Weiler besprach der Vorsitzende das Werk von D r. 
Bickell über Hessische Bucheinbände und erwähnte 
sodann, daß im nächsten Monat keine Versammlung 
stattfinden werde, dagegen im Januar eine außer 
ordentliche Versammlung, in welcher Dr. G. Molla 1 
aus Anlaß des hundertjährigen Geburtstages 
Sylvester Jordans einen Vortrag über Jordan 
als Politiker halten werde. Schließlich forderte Red 
ner unter Hinweis auf die Denkschrift des Majors 
a. D. von Rogues über aus der altgermanischen 
Vorzeit stammende Benennungen von Forstorten rc. 
nochmals zu reger Betheiligung an den Forschungen 
auf. Hiernach hielt Dr. Schwarzkopf den ange 
kündigten Bortrag über die Erstürmung Frankfurts 
durch die Hessen am 2. Dezember 1792. Der äußerst 
fesselnde gediegene Vortrag fand den lebhaftesten Bei 
fall der Zuhörer. Im Anschluß daran theilte der 
Vorsitzende mit, daß der Verein die 100jährige 
Wiederkehr dieses hessischen Ehrentages am nächsten 
Freitag durch eine gesellige Feier mit Abendessen im 
Hotel zum Ritter begehen werde. (Kaff. Tagebl.) 
Gewiß ist obige Mittheilung des Herrn Dr. Brunner 
im hessischen Geschichtsvereine, daß der hundertjährige 
Gedenktag der Erstürmung Frankfurts durch die 
Hessen seitens des Vereins am 2. Dezember in 
Kassel festlich begangen werden solle, allseitig in 
unserem Hessenlande freudigst begrüßt worden, hat 
doch auch 1842 eine gleiche Feier zum sünszigjährigen 
Erinnerungstage in Kassel stattgefunden. Professor- 
Friedrich Müller schreibt darüber in seinem interessanten 
! trefflichen Werke »Kassel seit siebzig Jahren": 
„Der 2. Dezember war der Tag, wo vor fünfzig 
Jahren die Hessen die Mainstadt Frankfurt im Sturm 
genommen. Derselbe wurde von allen Garnisonen 
des Landes festlich begangen; in Kassel durch ein 
großes Militärbankett, welches sich dadurch auszeichnete, 
daß an ihm noch eine Anzahl von Ehrengästen theil- 
nahmen, die als jüngere Offiziere sich bei der rühm 
lichen Waffenthat hervorgethan halten. Es waren 
ihrer neun; freilich die Mehrzahl bereits Pensionäre 
mit Generals-, Obersten- und Majorstiteln. Zur 
Erhöhung der Feier war aus Frankfurt von unbe 
kannter Hand ein prächtiger Pokal, geschmückt mit 
einer Darstellung des „Hessendenkmals", und eine 
ansehnliche Quantität köstlichen Rheinweins Ange 
gangen." — Damals erschien auch bei Th. Fischer 
in Kassel von unserem rühmlichst bekannten hessischen 
Militärschriftsteller M. v. Ditfurth eine besondere, 
vielgelesene Festschrift „Die Erstürmung von Frank 
furt durch die Hessen am 2. Dezember 1792", deren 
Ertrag zum Besten noch lebender hilfsbedürftiger 
hessischer Veteranen, die vor Frankfurt gestritten 
haben, bestimmt war. 
Ter seit einigen Jahren in Frankfurt a. M. 
bestehende Kurhessen-Verein, der es sich zur Aufgabe 
gestellt hat, hessischen Sinn und hessisches Wesen zu 
pflegen, wird am 2. Dezember, dem Tage, an 
welchem vor 100 Jahren Hessens tapfere Krieger 
Frankfurt von der Okkupation der französischen 
Revolutionstruppen befreiten, in echt patriotischer 
Weise eine Gedenkfeier veranstalten. Zur Ab 
haltung derselben ist der Platz vor dem Hessendenk 
male bestimmt, und wird, dem Programme zufolge, 
am Freitag den 2. Dezember, Vormittags 11 Uhr, 
dort die Aufstellung des Kurhessen-Vereins, der 
Krieger- und Gesangvereine, sowie des Musikkorps 
des hessischen Infanterieregiments Nr. 61 erfolgen. 
Der Festakt selbst wird aus der Festrede und
	        

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