Full text: Hessenland (6.1892)

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zufrieden gestellt sei. Dieser wäre um so ver 
gnügter, da gute Nachrichten über die Rückkehr 
des Königs von seiner siegreichen Erpedition 
eingelaufen seien und übermittele dem Grasen noch 
eine sonderbare Entschuldigungsschrift des längst 
als Bösewicht deklarirten Patkulzur Information. 
Trotz all dieser Angriffe führt Böff Dank 
der Gunst, die ihm die Hanauer Regierung 
bewahrt, sein Unternehmen erfolgreich bis zum 
Tode fort. Sein Privilegium war 1685 beim 
Regierungswechsel vom neuen Grafen Philipp 
Reinhard bestätigt worden, jedoch mit dem aus 
drücklichen Bedeuten, „daß er behutsam handeln 
und allenfalls vor dasjenige, was er schreibe, 
mit seiner eigne» Person einstehen wolle." Nach 
Ablauf des Privilegiums 1688 wurde ihm das 
selbe auf sechs Jahre verlängert, welche Frist 
auch im Weiteren festgehalten wird. Die Be 
dingungen erfahren mit der Zeit wesentliche Er 
schwerung. So muß sich Böff 1701 verpflichten, 
der Herrschaft außer den schon üblichen acht 
Freiexemplaren seines Blattes noch zwei fran 
zösische Zeitungen, ferner das Frankfurter 
Journal sowie die Postamts- und die sogenannte 
ordinaire deutsche Zeitung unentgeltlich zu 
liefern. Er hat ferner alle ihm sonst zukom 
menden gedruckten und geschriebenen Zeitungen 
der Regierung zu kommuniciren, welche sie dann 
remittirte, und schließlich jährlich 50 Thlr. oder 
75 Gulden an die Rentkammer zu zahlen. Die 
Befreiung von bürgerlichen Lasten bleibt be 
stehen „um seine Correspondeuz desto besser ab 
warten zu können." Dagegen wird Böff wieder 
holt Behutsamkeit in den judicias eingeschärft 
und ihm angedroht, daß wenn er durch unver 
antwortliches Schreiben dem Grafen und seiner 
Regierung einige Ungelegenheit verursachen sollte, 
ihm die Zeitungsschreiberei entzogen würde. 
Einer regelmäßigen Censur war das Blatt jedoch 
nicht unterworfen. Zum letzten Mal erhält der 
Schöpfer der Zeitung Justus Böff eine Ver 
längerung des gräflichen Privilegiums 1707 auf 
die Frist von 10 Jahren. Doch hat er das 
Ende derselben nicht mehr erlebt, er starb am 
14. August 1709 in der Neustadt zu Hanau. 
Sein Werk aber, das er mit soviel Muth und 
Thatkraft gegründet, mit soviel Umsicht und 
Gewandtheit fortgeführt, hat ihn überlebt bis 
auf den heutigen Tag. Werfen wir bei dem 
nun eintretenden Besitzwechsel einen Blick auf 
den äußeren und inneren Zustand der Zeitung. 
Sie erschien wöchentlich zweimal einen halben 
Bogen stark in Quart, von Zeit zu Zeit wurde 
ein extraordirmri Blatt beigefügt. Papier und 
Druck waren, wie schon erwähnt, schlecht, von 
wem letzterer hergestellt wurde, läßt sich nur ver 
muthen, nicht feststellen, da eine Angabe darüber 
fehlt. Aus der oben angeführten Vernehmung 
des Frankfurter Buchdruckers Jlßner erfahren wir. 
daß die deutsche Ausgabe bei Aubry in Hanau 
gedruckt wurde. Ueber die Verhältnisse dieser 
Druckerei hat trotz der von anderer Seite *) an 
gestellten gründlichsten Forschungen nichts Be 
stimmtes in Erfahrung gebracht werden können. 
Sicher ist dagegen, daß die Europäische Zeitung 
von etwa Anfang 1708 ab bei Joh. Matthias 
Stann in Hanau bis zu dessen 1726 erfolgtem 
Tode gedruckt worden ist. Unter dem 14. Februar 
1708 wird diesem von der Hanauer Regierung 
bei hundert Gulden Strafe verboten, von der 
zweimal wöchentlich erscheinenden Zeitung die er 
für Justus Böff drucke, weder selbst noch durch 
seine Gesellen ein Exemplar zu eigenem Nutzen 
verkaufen zu lassen. 
Der französischen Ausgabe wird schon in der 
Bestätigungs-Urkunde des Böff'schen Privilegs 
beim Regierungs-Antritt des Grafen Philipp 
Reinhard im Jahr 1685 keine Erwähnung mehr 
gethan — auch später nicht mehr —, so daß an 
zunehmen ist, sie sei schon damals eingegangen 
gewesen. Welcher Art der Inhalt der Zeitung 
war, geht im Allgemeinen aus den verschiedenen 
citirten Korrespondenzen hervor. Er erstreckte 
sich der weiten Verbreitung des Blattes ent 
sprechend auf die politischen Vorgänge aller 
europäischen Staaten und es sind lokale Ereig 
nisse — abgesehen von gelegentlichen Notizen 
über die gräfliche Landesherrschast — von der 
Besprechung ausgeschlossen. Daß Böff seine 
Nachrichten vielfach durch eigene Korrespondenten 
erhielt, geht aus dem Verlauf der gegen ihn 
gerichteten Anklagen hervor. Doch scheint auch 
mit der zunehmenden Bedeutung des Blattes 
der Bezug und die Benutzung anderer Zeitungen 
sich gesteigert zu haben. So finden sich in den 
Akten außer den deutschen und französischen, 
welche an die Herrschaft unentgeltlich abgeliefert 
werden mußten, noch Nummern der „Staffctta 
neben dem schnellen Postillon" zu Nürnberg er 
scheinend, des „Hamburger Relations-Kouriers" 
sowie des „Altonaer Merkurius und desselben 
Relation aus dem Parnasso," die zum Beweis, 
daß beanstandete Nachrichten aus ihnen ent 
nommen, von Böff der Behörde eingereicht sind. 
Nehmen wir die Nummer vom 2. September 
1682 zur Hand, um eine Uebersicht zu gewinnen, 
wie lange Zeit die Nachrichten von auswärts 
brauchten, um in der Europäischen Zeitung im 
Druck zu erscheinen. Diese selbst datirte noch 
nach dem alten Kalender, der neue wurde in 
Hessen erst sehr spät — vom 1. Januar 1748 
*) Von Herrn Archivrath Dr. Könnecke für sein unter 
der Presse befindliches Hessisches Buchdruckerbuch.
	        

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