Full text: Hessenland (6.1892)

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Haufen Handwerksgesellen geöffnet worden, wo 
rauf sofort von der 3. Kolonne das 1. Bataillon 
des Leibregiments und die Husaren bis auf die 
Zeit vordrangen und sich hier mit ihren Waffen 
gefährten von der 4. Kolonne vereinigten. Die 
1. und 2. Kolonne waren nicht zum Gefechte 
gekommen. 
(Schluß folgt., 
für Geschichte der ältesten Heilung in Kessen 
und ihres Begründers. 
Von I. NeSelihsu. 
(Fortsetzung.) 
's dürfte zu weit führen, wollte ich alle noch 
eingelaufenen Beschwerden gegen Böff's 
Zeitung in gleicher Breite schildern wie 
die bisherigen. Der Verlauf ist auch stets der 
selbe: Böff wird angehalten, seine Quelle an 
zugeben und zu widerrufen. Die Verbreitung, 
die das Blatt gesunden, und der Werth, der auf 
seine Nachrichten gelegt wurde, erhellt aus dem 
Umstand, daß sich unter den Anklägern auch 
die Kronen Schweden und Dänemark befinden. 
Nur der Beschwerde der ersteren sei noch aus 
führlicher gedacht, da sie in mancher Beziehung 
interessant ist. Es ist die Zeit des nordischen 
Kriegs zwischen Karl XII. und Peter dem Großen. 
Der hanauische Regierungsrath Crantz zu Frank 
furt schreibt unter dem 11. Jan. 1702, daß sich 
der schwedische Resident daselbst, Herr von 
Adlerflycht, auf das bitterste über die gegen 
seinen Herrn gerichtete parteiische Bericht 
erstattung der Europäischen Zeitung beklage. 
Er habe ihm — Crantzen — zu vernehmen 
gegeben, „Was gestalten man Königlich schwe 
discher Seits bishero wahrnehmen müßen, daß 
der Zeitungsschreiber zu Hanau eine sonderbare 
Bosheit in dem-verspüren laßen, die weilen er 
Alles was nur gegen die Krone Schweden widrig 
geschrieben werden mögen, sogleich, und dazu 
mit allerhand empfindlichen expressionen, hin 
gegen aber was favorable sein können gar lang- 
samb drucken und noch über dieses in Briefen, 
welche in allen anderen Zeitungen ganz gleich 
lautend gefunden werden und daher wie ver 
muthlich einerlei Correspondenz gewesen, das 
favorabelste zurückgelassen. Nun mehro trieb 
ihn seine Animosität so weit, daß er am mächst 
verlittenen Freitag einen falsch und erdichteten, 
Seine Königliche Majestät viel zu nahe gehenden 
Brief in seine Zeitung einfließen laßen, wodurch 
nicht nur allhier sondern vornehmlich im Fürsten 
thum Zweibrücken *) alles sehr bestürzt und 
allarmirt worden." Adlerflycht bitte, daß der 
leichtfertigen Bosheit des Zeitungsschreibers ge 
steuert werde. Crantz habe dem Residenten 
erwiedert, daß sein gräflicher Herr eine „sonderbare 
gehorsamste Devotion vor Ihrer Königlichen 
Majestät von Schweden hegten und über dero 
siegreiche Waffen eine große Freude hätten." 
Auch habe er den Residenten darauf aufmerksam 
gemacht daß der Zeitungsschreiber schon ohne 
anderweitiges Erinnern zu einiger Reue über 
das ohnbedachtsamer Weise gedruckte Schreiben 
gebracht sei wie aus dem Blättlein vom ver- 
wichenen Samstag zu ersehen. Böff weist den 
Vorwurf absichtlicher Parteinahme gegen Schweden 
in seiner Rechtfertigungsschrift bestimmt zurück, 
diese Ansicht sei nur durch böswillige Feinde 
und Neider seiner Zeitung fälschlicher Weise 
hervorgerufen und legt die Originalkorrespon 
denzen, die er benutzt hat, vor. Sie siud aus 
dem schwedischen Hauptquartier und Lager zu 
Würgen vom 24., 27. und 31. Dezember 1701 
datirt und berichten, daß Karl XII. von einem 
nach Litthauen unternommenen Zuge noch nicht 
zurück sei, Niemand etwas über seinen Verbleib 
erfahren könne und man das Schlimmste be 
fürchte. Sodann werden verschiedene für die 
schwedischen Vortruppen nachtheilige Gefechte und 
Ueberfälle durch den Parteigänger Oginsky er 
wähnt, bei welcher Aktion es durch den Verrath 
eines Pfaffen „wunderliche Sarras gesetzet und 
viel Köpfe, Nasen und Ohren gekostet habe." 
Der Hanauische Minister eilt selbst nach Frank 
furt um Adlerflycht die nöthigen Aufklärungen 
zu geben und Böffs Rechtfertigung mitzutheilen 
und berichtet dann seinem Grafen am 18. Januar 
1702, daß der schwedische Resident durchaus 
Karl XII. entstammte dem Hause Pfalz-Zweibrücken.
	        

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