Full text: Hessenland (6.1892)

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gedeckt, ein lebhaftes Kleingewehrfeuer mit den 
Franzosen entwickelten, desto mörderischer war 
aber die Wirkung des feindlichen Feuers auf 
das aus den Grenadierkompagnien der Regimenter 
Garde und Gardegrenadiere gebildete Grenadier 
bataillon Prinz von Hessen-Philippsthal, zumal 
dasselbe durch das anfängliche Jubelgeschrei dee 
Jäger hingerissen und ihnen in blinder Hast 
folgend, bis dicht an den äußeren Grabenrand 
vorgedrungen war. 
Mochte nun sein tapferer fürstlicher Führer 
es für unrühmlich halten, sofort zurückzuweichen, 
oder mochte er hoffen, eine Gelegenheit zu er 
spähen , dennoch den Eingang zu erzwingen, 
genug, statt sich in eine sichere Stellung zurück 
zuziehen und die Oeffnung den dazu bestimmten 
Geschützen zu überlassen, blieb er am Graben 
rande halten und verleitete dadurch auch die 
dicht nachfolgende Hauptkolonne, sich ebenfalls 
in den Bereich des verderblich wirkenden Kugel 
regens zu begeben, indem auch zu dieser hin das 
Gerücht, das Thor sei offen, sich fortgepflanzt 
hatte und man sich den Halt des Grenadier- 
Bataillons, durch die Schwierigkeit in den engen 
Thorweg einzudringen, erklären zu müssen 
glaubte. Da nun die Heerstraße hier durch 
aneinander hängende Gebäude, hohe Garten 
mauern rc. zu beiden Seiten begrenzt und ein 
geengt war, so entstand durch das dichte Aus 
rücken der hinteren Abtheilungen ein heftiges 
Gedränge, wodurch die Truppen, über 2000 Mann, 
sich fast wehrlos der Wirkung der feindlichen 
Geschosse ausgesetzt sahen. Bedurfte es doch für 
die Feinde nicht viel mehr, als ihre Gewehre 
auf die Brustwehr des Walles zu legen oder in 
die Schießscharten des Thurmes zu stecken und 
ohne zu zielen abzudrücken und dennoch des 
Treffens sicher zu sein. Furchtbar räumten die 
französischen Kugeln auf. Aber sie hielten aus, 
die tapferen Hessen. Und erst als das Grena 
dier-Bataillon fchon den sechsten Theil seiner 
Mannschaft verloren hatte, der Major von Donop 
und die Kapitains von Wolfs und von Münch 
hausen den Tod gefunden, der Oberst Prinz 
Karl von Hanau-Philippsthal sowie der Kapi- 
tain von Desclaires und der Lieutenant von 
Rademacher tödtlich verwundet worden waren, 
und noch mehrere andere Ossiziere schwere Ver 
letzungen davongetragen batten, wurde es den 
braven, keinen Augenblick wankenden Grenadieren 
erlaubt, die Gartenumzäunungen zu übersteigen 
und gleich den Jägern, eine gegen das mörderische 
Feuer mehr gedeckte Stellung einzunehmen. 
Inzwischen war die preußische schwere Artillerie, 
sowie zwei Mörser, etwa 1500 Schritte von 
den Wällen links der Friedberger Straße auf 
gefahren worden. Aber auch ihr gelang es 
nicht, freie Bahn zu schaffen. Zur Seite und 
in schiefer Richtung aufgestellt, trafen ihre 
Kugeln nur die weit vorspringenden Umfassungs 
mauern, nicht aber das Thor selbst. Dabei war 
die Batterie dem Feuer von dem Wällen in 
einer Weife ausgesetzt, daß ihre Bedienungs 
mannschaft mehrmals erneuert werden mußte. 
Ebenso erging es zwei hessischen Bataillons- 
Geschützen unter dem Lieutenant von Riepe, die 
auf der Heerstraße gerade dem Thorwege gegen 
über aufgestellt, ein zwar heftiges, leider aber 
wirkungsloses Feuer gegen die Zugbrücke richteten, 
dabei jedoch durch das wieder lebhafter gewordene 
feindliche Gewehrfeuer den größeren Theil ihrer 
Mannschaft verloren. 
Einige schließlich in die Stadt geschleuderte 
Bomben und Granaten hatten ihre Wirkung 
nicht verfehlt. Die den Franzosen ohnedies ab 
holde Bevölkerung Frankfurts verlangte von 
dem französischen Kommandanten van Helden 
kategorisch das Erbieten zur Kapitulation. Das 
Geräusch von Volkstumulten wurde auch außer 
halb der Mauern vernommen und ermunterte 
die hessischen Truppen zu noch festerem Aus 
harren. Aus ihrer drangvollen Lage sollten sie 
endlich befreit werden, man kam ihnen von Innen 
der Stadt zu Hülfe. Ein muthiger Haufen von 
Handwerksgesellen hatte sich auf die Thorwache 
geworfen, bewältigte dieselbe, kletterte an den 
Seiten in die Höhe, sprengte mit Schmiede 
hämmern die Ketten der Zugbrücke, daß diese 
krachend zum Wassergraben niederstürzte und 
ihn passirbar machte. Mit Aexten und Brech 
eisen wurde das Thor gebrochen. 
Nun drangen, ohne einen Schuß zu thun, 
unter Trommelschlag und mit Victoriarusen, 
untermischt mit dem Schreien: Tod dem Eustinus, 
der Eustinus muß sterben, die bereits l'/ 2 
Stunden im Feuer gestandenen Bataillone der 
4. Kolonne die Friedberger Gasse entlang bis 
zur Zeit vor, alles was Widerstand leistete, mit 
dem Bajonette niederwerfend. Mit lautem 
Jubel wurden sie bei ihrem Vorrücken von den 
Bürgern Frankfurts begrüßt. Aus vielen Fenstern 
flatterten ihnen zum Willkommen weiße Tücher 
entgegen und Frankfurter Damen ließen es sich 
in ihrer Freude über den Sieg der Hessen nicht 
nehmen, den ersten Besten, Offizier oder Soldat, 
zu umarmen, während sie nicht minder auf das 
lobenswertheste bemüht waren, flüchtige oder 
verwundete Franzosen der Wuth der Sieger zu 
entreißen. 
Fast gleichzeitig mit dem Friedberger Thore 
war auch das Allerheiligen-Thor durch einen
	        

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