Full text: Hessenland (6.1892)

- 
294 — 
Ein einziger kurzer Tag nur vergeht 
In herz-erstarrendem Schauern, 
And plötzlich der sengende Feind schon steht 
In Frankfurts erstürmten Mauern. 
Die Freiheit indessen, die hoch er preist, 
Macht Alle* bangen und beben, 
Denn wilder, entfesselter Furien Geist 
Durchströmte das Freiheitsleben. 
Da endlich schlug an sein deutsches Schwert, 
Kühnmutig, der Landgraf von Hessen: 
„So weit schon der Feind, und noch nicht begehrt 
Das Reich sich am Reichsfeind zu messen? 
Auf, auf, meine Hessen! Das Schwert zur Hand! 
Gen Frankfurt mit blanken Klingen! 
Und du, mein König im Preußenland, 
Hilfst du, den Feind zu bezwingen? —" 
Ging auch im Verfalle, so schrecklich und wild, 
Die Wehrkraft Deutschlands zur Rüste: 
Roch trugen die Hessen den Ehrenschild 
Heißblütiger Kampsgelüste: 
Und stolz nun führte in rastlosem Zug 
Zum Mainstrom der Landgraf die Schaaren, 
Wo Preußens König dann selber trug 
Mit ihnen des Kampfes Gefahren. 
Roch seufzten die Bürger der freien Stadt, 
Gebeugt von dem Uebermuthe, 
Der Wochen bereits gewüthet hat 
Im Schwetgen an fremdem Gute: 
Da eines Morgens, — der junge Tag 
Ließ purpurgluthig sich nieder, — 
Da weckt in den Straßen sie Trommelschlag 
Zum Sturmmarsch der feindlichen Glieder. 
Sucht diese Freiheit auf blutigem Zug 
Von neuem sich Dpfer zu fällen? 
Und schlagen ihr noch nicht hoch genug 
Die brandenden Ausruhrswellen? 
Urheiliger Gott, wo hinaus mit dem Blut, 
Mit all dem Elend und Schrecken, 
Mit all dem Wüthen an Hab und Gut. 
Daß Schauer die Erde bedecken! 
Da horch! Es hallt von dem Friedberger Thor 
Ein Donnern wie Wetterheulen, 
Und wogend steigen zum Himmel empor 
Graudüstere Dampfesfäulen; 
Es reißt der Geschütze verheerende Macht 
Die schirmenden Wälle zusammen, 
Und durch des Dampfes wolkige Rächt 
Ziehn Blitze wie Feuerflammen. 
Dann über die Trümmer stürzen voll Wuth, 
Mit Hurrah, die hessischen Reihen, 
Als gält es, den letzten Tropfen Blut 
Der Freiheit Deutschlands zu weihen; 
Rur Mann gegen Mann, entspinnt sich der Kamps, 
Die Wälle, schon sind sie verlassen. 
Da brechen hervor aus dem Pulverdampf 
Die hessischen Reitermassen. 
Wer kennt die trotzigen Schaaren nicht mehr, 
Die Dlenheim und Krefeld geschlagen, 
Und jetzt den gleichen Feind vor sich her 
Im Sturm durch die Gassen jagen! 
Sie schwingen die Klingen mit heldischer Lust 
Für Deutschlands Freiheit und Ehre! 
Und Jubel rauscht aus des Volkes Brust 
Entgegen dem rettenden Heere. 
Zu Frankfurt, der Kaiserstadt an dem Main, 
Am Drt des vergossenen Blutes, 
Liegt Preußens Königs-Denkmal aus Stein, 
Als Zeugniß hessischen Muthes; 
Hier tönen Grabesstimmen zur Rächt, 
Wie Mahnruf vom Kapitale: 
Bleib, deutsches Volk, auf der Wacht, auf der Wacht, 
Und Gott — sei deine Parole! 
Gart I^rescr. 
Lin hessischer Khrentag. 
Von F. Awenger. 
^Jor dem Friedberger Thore zu Frankfurt a/M. 
erhebt sich ein kriegerisches Denkmal, das 
der König Friedrich Wilhelm II. von 
Preußen den tapferen Hessen, die hier vor hundert 
Jahren, am 2. Dezember, eine Heldenthat ersten 
Ranges vollbrachten, hat errichten lassen. Ge 
treu ihrem alten Fahnenspruche 
Durch neuer Thaten Ehren 
Den alten Ruhm zu wehren 
waren es die hessischen Krieger, welche nach dem 
wenig ruhmvollen Feldzuge in der Champagne, 
den sie an der Seite und in Gemeinschaft mit 
den preußischen Truppen unter dem Oberbefehle 
des alten Herzogs von Braunschweig, des Helden 
aus dem siebenjährigen Kriege, unternommen, 
die kriegerische Ehre retteten. „Wie die hessische 
Truppe, unter allen kleinstaatlichen deutschen 
Armeen jener Zeit fast die einzige war, die 
kriegerischen Geist, Uebung und militärische Tra 
ditionen besaß, so hatte sie es auch in dem un 
glücklichen Feldzuge des Jahres 1792 gegen 
Frankreich allen anderen Truppen an Kriegs 
tüchtigkeit und unverdrossener Ausdauer zuvor 
gethan." So schreibt der Historiker Ludwig
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.