Full text: Hessenland (6.1892)

285 
Im Herbst 1842 kam König Friedrich Wil 
helm IV. von Preußen auf der Rückreise von 
der Huldigungsfeier in Westfalen und Rheinland 
und vom Kölner Dombaufeste nach Berlin durch 
Fulda. Hier hielt er kurze Zeit Rast, um das 
Bonifatiusdenkmal in Augenschein zu nehmen. 
Den Künstler hatte er besonders einladen lassen. 
König Friedrich Wilhelm IV. wurde vom Kur- 
prinzen-Mitregenten in Fulda begrüßt und beide 
Fürsten hielten mit ihrem glänzenden Gefolge 
im Gasthofe zum Kurfürsten ihre Tafel. Nach 
Beendigung des Mittagsmahles wurde ein älterer 
hochgewachsener stattlicher Herr in schwarzem 
Civilanzuge in den Saal eingeführt, dem der 
König rasch entgegen ging. Es war unser Werner 
Henschel. Der König begab sich in Begleitung 
desselben zu dem Bonifatiusdenkmale, ließ sich 
von dem Künstler die nöthigen Erklärungen geben 
und der kunstsinnige Fürst war unermüdlich im 
Lobe und in der Anerkennung der künstlerischen 
Vorzüge des Standbildes. Im Laufe der Unter 
haltung soll u. a. auch der Kostenpunkt zur 
Sprache gekommen sein, und da soll denn Fried 
rich Wilhelm nach einigem Rückhalte seitens 
des Künstlers erfahren haben, daß die vereinbarten 
6000 Thaler, welche er (Henschel) für die Statue 
empfangen, die eigenen Kosten und Mühen nicht 
aufwögen, da die Höhe der Figur ursprünglich 
auf neun Fuß festgesetzt gewesen wäre, später 
aber, um einem Wunsche von maßgebender Seite 
zu entsprechen, auf zwölf Fuß hätte gebracht 
werden müssen. Zur Zahlung des dadurch ent 
standenen Mehrkostenbetrages von 2000 Thlrn. 
wolle und könne sich jedoch die Stadt Fulda nicht 
einlassen. Aus das Huldvollste nahm der König 
dann Abschied von dem Künstler. Nach Verlauf 
von ungefähr drei Wochen arbeitete eines schönen 
Tages Werner Henschel in seinem Atelier zu 
Kassel, als der Briefträger Ebert eintrat und 
ihm einen fünffach versiegelten Brief übergab, 
auf dem sich der Vermerk „Königlich Preußische 
Schatullen-Verwaltung" befand; Henschel erbricht 
den Brief und findet in demselben 2000 Thaler in 
vier Fünfhundert-Thalerscheinen, im Briefe selbst 
aber stand geschrieben „3, Conto St. Bonifatir“ 
So erzählte man sich damals, ob aber diese Version 
sich vollständig richtig verhielt, vermögen wir 
nicht zu sagen. Jedenfalls würde Friedrich 
Wilhelm IV. durch solche wahrhaft königliche 
Gabe das nachgeholt haben, was einst sein Vater 
König Friedrich Wilhelm III. von Preußen, zu 
thun unterlassen hatte. Als nemlich s. Z. auch 
an diesen das Ansinnen gestellt wurde, für das in 
Fulda zu errichtende Bonifatius-Denkmal eine 
Beisteuer zu bewilligen, soll er erklärt haben, für 
den „römischen Bischof" Bonifatins gebe er 
nichts. 
Kehren wir nach dieser Abschweifung wieder 
zu unserem eigentlichen Thema zurück und be 
schäftigen wir uns in der nächsten Nummer 
unserer Zeitschrift zunächst mit dem Charakter, 
der Lebensweise und der gesellschaftlichen Stel 
lung des genialen Künstlers. 
(Fortsetzung folgt.) 
Äur 
feschichle der ältesten Heilung m Kessen 
unö ihres Begründers. 
Von I. Nebelthau. 
(Fortsetzung.) 
TH er „Mercurius" hatte in der Nummer 22 vom 
Ms 18. März 1682 folgende Korrespondenz 
Cf gebracht: 
„Nieder-Rhein, den 25. (rt. St.) Der königlich 
französische Ambassadeur zu Berlin soll abermals 
große Wechsel aus Frankreich erhalten haben, 
um einige selbigen Hofes damit zu beschenken 
und zu Freunden zu machen. Sonsten ist selbiger 
Hof nit so gilt französisch als wie viele hin und 
wieder spargirt haben und hat Graf von Rebe- 
nacg sich gegen einen vornehmen Herrn verlauten 
laßen er würde zwar höflich tractirt, allein was 
das Hauptwerk anginge, so könnte er seinem 
König keiner beständigen Freundschaft von Chur- 
Brandenburgischer Seite versichern.". 
Hierin lag zweifellos der Hinweis auf Be 
stechungsversuche, die der französische Gesandte am 
Berliner Hofe vornahm und de Rouch verlangte 
sofort, ohne eine Weisung des großen Kurfürsten 
abzuwarten, vom Hanauer Grafen die exemplarische 
Bestrafung des Zeitungsschreibers. Böff wird 
alsbald verhört und zeigte eine geschriebene 
Zeitung von Raphael Sazer in Frankfurt vor, 
aus welcher er die beanstandete Nachricht ent 
nommen und weist darauf hin, daß diese noch 
mehr enthalte als er in seinem Blatt gesagt
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.