Full text: Hessenland (6.1892)

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Theilen Deutschlands die lebhafteste Zustimmung. 
Unterzeichner des Aufrufs waren der Stadt 
vorstand Rath Kepler, der Medizinalrath 
Dr. Schneider und der Stadtsekretär Macken 
rodt. Irren wir nicht, so waren diese Herren 
durch die Kurfürstin Auguste, welche mit ihrer 
ältesten Tochter, der Prinzessin Karoline in jener 
Zeit im Schloß zu Fulda residirte, auf den 
Bildhauer Werner Henschel als denjenigen 
Künstler aufmerksam gemacht worden, welcher 
wohl am ersten berufen sei, das Monument in 
wahrhaft künstlerischer Weise auszuführen. Der 
Rath der kunstsinnigen Fürstin, welche für das 
Unternehmen das größte Interesse bethätigte, 
wurde befolgt und bereits im September konnte 
das Comito bekannt geben, „daß der Künstler Herr 
Werner Henschel in Kassel nicht allein schon die 
Zeichnung des Standbildes entworfen habe, sondern 
daß auch dieser anerkannt geschickte Mann gegen 
wärtig an dem Modelle arbeite und in seinem 
jüngsten Schreiben vom 19. August 1829 das 
ehrenfeste Versprechen gemacht habe, bis zum 
Herbste 1830 den Guß der beiläufig neun Schuh 
hohen Figur in Erz zu vollenden." So rasch 
sollte es nun freilich nicht gehen, viele Jahre 
dauerte es noch, bis das Denkmal gegossen, auf 
gestellt und enthüllt werden konnte. Auch der 
Geldpunkt spielte hierbei, trotz der namhaften 
Beträge, die Anfangs so reichlich geflossen waren, 
und trotz der höchst mäßigen Forderung, welche 
Werner Henschel für das Kunstwerk gestellt hatte, 
seine gewichtige Rolle. 
Zwei Hauptmodelle waren die Vorarbeiten 
für das Bonifatiusdenkmal, welches in dem neu 
erbauten, mit einer Kuppel aus Thonröhren nach 
altrömischer Weise bedeckten Gießhause gegossen 
wurde. Auch die Henschel'schen Werkstätten haben 
ihre Geschichte. Der Vater Georg Henschel hatte 
sein Geschäft als landgräslicher Stückgießer ur 
sprünglich in dem unter Landgraf Karl 1704 
bis 1707 errichteten Gießhause am Weserthore 
betrieben. Im Jahre 1810, während der Fremd 
herrschaft, mußte er das herrschaftliche Gebäude 
räumen, weil er sich mit dem westfälischen Ar 
tilleriegenerale Allix über die Bedingungen der 
Uebernahme einer Lieferung neuer Kanonenrohre 
nicht hatte einigen können. Er selbst erzählte 
später, daß er es als deutscher Patriot verschmäht 
habe, in westfälischer Zeit Kanonen zu gießen, 
mit denen seine deutschen Brüder todtgeschossen 
werden sollten. Er errichtete nun in dem an 
das Gießhaus anstoßenden, früher von Uffeln- 
schen Freihause, welches er angekauft hatte, eine 
selbstständige Maschinenfabrik. Nach Abzug der 
Franzosen verlegte er seine Werkstätte in das 
Gießhaus zurück und als nach des Vaters Tode 
1836, das alte Gießhaus durch eine Feuersbrunst 
zerstört worden war, fand seitens der Firma 
„Henschel u. Sohn" 1837, die vollständige Ueber- 
siedelung in das neue Gießhaus statt, aus welchem 
als erstes Kunstwerk der Bronzeguß der Bonifatius- 
statue hervorging. Daß dieser so vortrefflich ge 
lungen, wurde als ein glückliches, bedeutungsvolles 
Omen für die Anstalt betrachtet, die sich nun zu 
imnier größerer Blüthe entfalten sollte. 
Der Aufstellung des Bonifatiusdenkmals in 
Fulda boten sich stets neue Schwierigkeiten dar, die 
wir hier nicht weiter berühren wollen, da dieses 
uns zu sehr von unserem eigentlichen Thema ab 
führen würde. Auch die Wahl des Platzes, auf 
welchem das Monument errichtet werden sollte, 
verursachte viele Weitläufigkeiten, bis schließlich 
der sog. Dienstagsmarkt, dem Schlosse gegenüber, 
auf Wunsch des Kurprinzen-Mitregenten dazu 
ausersehen wurde. Historische Gründe können 
für die Wahl gerade dieses Platzes übrigens 
nicht maßgebend gewesen sein. 
Es war im Frühjahre des Jahres 1842, als 
das Bonifatiusdenkmal in Fulda eintraf und 
verhüllt auf dem für dasselbe bestimmten Platze 
aufgestellt wurde. Dein Schreiber dieses Artikels 
und mehreren Mitschülern aus Obersekunda war 
es durch Zufall vergönnt gewesen, als bei der 
Aufstellung des Monuments, bei welcher wir 
zugegen waren, für eine kurze Zeit die Hülle 
fallen mußte, den herrlichen Erzguß zu sehen 
und zu bewundern. Dieser Anblick hatte einen 
unserer Mitschüler, den nachmals rühmlichst be 
kannten Dichter Friedrich Hvrnseck so sehr be 
geistert, daß er alsbald ein Gedicht verfaßte und 
unter dem Pseudonym „Wigbert" an die 
Redaktion der „Hanauer Zeitung" sandte, die 
auch so freundlich war, dasselbe zu veröffentlichen. 
Wir anderen ließen es bei lateinischen Versen 
bewenden. Wir hatten im Wintersemester zuvor 
am Fuldaer Gymnasium Metrik und lateinische 
Prosodie lernen müssen und da drechselten wir 
denn mit Hilfe des „Grackus all Baruassus" 
Distichen, sapphische und alcäische Strophen in 
laudem Sancti Bonifatii, Germanorum apostoli 
zurecht, in denen es auch an der Verherrlichung 
des Schöpfers des Kunstwerkes nicht fehlte. 
Am 17. August 1842 erfolgte zu Fulda in 
Gegenwart Werner Henschels die feierliche Ent 
hüllung des Bonifatiusdenkmals. Dieses Meister 
werk des genialen Künstlers bildet heute noch 
eine der Hauptsehenswürdigkeiten Fuldas und 
zählt mit in erster Linie zu den vorzüglichsten 
Kunstwerken von Erzguß in Deutschland. Ohne 
uns weiter mit den Festlichkeiten zu beschäftigen, 
welche die Enthüllungsfeier begleiteten, geben wir 
hier zunächst das Urtheil wieder, das ein be 
kannter deutscher Schriftsteller und Kunstkritiker, 
unser hessischer Landsmann Heinrich König in
	        

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