Full text: Hessenland (6.1892)

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gold" rc., in denen er eine ausgezeichnete Darstellungs 
gabe bekundet, sichern ihm einen ehrenvollen Platz 
unter unseren hessischen Schriftstellern. 
Univ ersitäts n achrichte n Die feierliche Ein' 
fnhrung des neuen Rektors der Universität Marburg, 
des Professors der Mineralogie und Direktors des 
mineralogischen Instituts, Dr. Max Bauer, durch 
seinen Vorgänger im Amte, den Professor der Rechts 
wissenschaft Dr. Rudolf Leonhard, fand am 
16. Oktober, Vormittags 11 Uhr, in der Universitäts 
aula statt. Der abtretende Rektor gab in einem 
Vortrage eine Uebersicht der wichtigsten Ereignisse 
der Universität in dem verflossenen Jahre und über 
lieferte sodann beut neuen Rector magnificus die Insig 
nien der Rektoratswürde: Zepter, Siegel und Kette. 
Dieser hielt sodann einen fachwissenschaftlichen „die 
neuen Forschungen über den Diamant" betreffenden 
Vortrag. An diese Feier in der Aula schloß sich 
ein akademischer Gottesdienst in der Universitätskirche 
an, bei welchem Professor Dr. Achelis die Predigt 
hielt. Die zu der feierlichen Einführung des neuen 
Rektors erschienene Festschrift enthält einen „Beitrag 
zur Kenntniß der Seelenblindheit“ von Professor 
Dr. Friedrich Mülle r. 
Der Privatdozent der Universität Marburg, Dr. phil. 
Wolfgang von Dettingen hat einen Ruf als 
ordentlicher Professor für Kunstgeschichte an die Kunst 
akademie in Düsseldorf erhalten und angenommen. 
Derselbe ist seit 1888 in Marburg als Privatdozent 
thätig. In die Wissenschaft führte er sich als 
Schüler von Wilhelm Scherer 1882 durch eine 
literar-historische Studie über Georg Greflinger von 
Regensburg, einem wenig bekannten Poeten des 17. 
Jahrhunderts, ein. Später sich ganz kunst-wissen 
schaftlichen Studien widmend, beschäftigte er sich be 
sonders eingehend mit Filarete und Vasari. Von 
seinen Veröffentlichungen sind zu nennen: „Antonio 
Averlino Filaretes Traktat über die Baukunst 
(Quellenschriften zur Kunstgeschichte 1890). „Ueber 
das Leben und die Werke des Antonio Averlino, ge 
nannt Filarete" (Beitrüge zur Kunstgeschichte 1888). 
„Die sog. Jdealstadt des Ritters Vasari" (Reper 
torium für Kunstwissenschaft 1891). „Die Ziele 
und Wege der neueren Kunstwissenschaft" (1888). 
Zu erwähnen ist noch, daß Oettingen an der Be 
arbeitung der kunstwissenschaftlichen Schriften Goethe's 
für die weimarische Goethe-Ausgabe theilnimmt. 
Oettingen steht jetzt im 33. Lebensjahre, er ist ge 
boren am 25. März 1859 zu Dorpat. 
Der Privatdozent Dr. Wilhelm Roser in 
Marburg ist zum außerordentlichen Professor der 
Chemie ernannt worden. Derselbe, ein Sohn des 
am 15. Dezember 1888 verstorbenen berühmten 
Professors der Chirurgie, Geheimen Medizinalraths 
Dr. W. Roser, steht gegenwärtig in seinem 35. 
Lebensjahre. Er machte seine Studien in seiner 
Vaterstadt Marburg, ist seit 1882 literarisch thätig 
und seit dem Herbst 1885 daselbst Privatdozent. 
Seine Forschungen, deren Ergebnisse er in Liebig's 
„Annalen" und in den „Berichten der deutschen 
cheniischen Gesellschaft" veröffentlichte, haben die or 
ganische Chemie zum Gegenstände. Sie betreffen die 
Terebiusüure, Teronsäure, die Phtalylderivate, das 
Thebain, die Sumac- und Maleinsäure, die Jnden- 
derivate rc. rc. (V. Z.) 
Nekrologe. Am 30. September verschied zu 
Kassel plötzlich der Arzt Dr. Otto Rudolf 
Kupfer, der, wenn auch kein geborener Hesse, doch 
lange Jahre hier gelebt und seine neue Heimath über 
alles geliebt hat. Er war geboren den 30. Aug. 
1826 zu Neuruppin. Ursprünglich für den Kauf 
mannsstand bestimmt, sagte ihm derselbe doch so 
wenig zu, daß er noch im 24. Lebensjahre das 
Gymnasium, und zwar in Schleusingen, besuchte, das 
Maturitätsexamen ablegte und sich dann dem Studium 
der Medizin widmete. Nachdem er bis 1855 zu 
Jena und Wien studiert hatte, ging er seiner zarten 
Gesundheit wegen nach Brasilien und ließ sich in 
Piracicaba als Arzt nieder, nachdem er zuvor das 
brasilianische Staatsexamen bestanden, zu welchem er 
sich gemeldet hatte, trotzdem es für die Ausübung 
des ärztlichen Berufes nicht nöthig gewesen wäre. 
Nach mehreren Jahren verlegte er seinen Wohnsitz nach 
Campinas, hier wie dort mit der größten Ausdauer 
und in der aufopferndsten Weise seinen Beruf ausübend. 
Im Jahre 1869 kehrte er mit seiner Familie 
der Erziehung seiner Töchter wegen nach Deutschland 
zurück und nahm zuerst in Berlin seinen Aufenthalt, 
um hier durch Besuch von Vorlesungen und Kliniken 
mit den neueren Errungenschaften seines Faches sich 
bekannt zu machen, insbesondere auch der Augenheil 
kunde seine Studien zuwendend. 1872 siedelte er 
dann nach Kassel, der Vaterstadt seiner Gattin über, 
wo er fürs erste bis 1877 verblieb. Da er sich 
jedoch nach einer praktischen Thätigkeit sehnte, so 
nahn: er 187 7 die Stelle eines Hülfsarztes an der 
Pagenstecher'schen Augenklinik in Wiesbaden an, die 
er bis 1880 bekleidete, um alsdann wieder nach 
Kassel zurückzukehren. Auch hier hat er in Stellver 
tretung und Assistirung anderer Kollegen reichlich 
Gelegenheit gehabt, sich der leidenden Menschheit nützlich 
zu erweisen. Dennoch kehrte er noch einmal nach 
Brasilien in seinen früheren Wirkungskreis zurück, 
wo man den Doctor salva vida — den Doctor 
Lebensretter — mit offenen Armen empfing und 
freudig willkommen hieß. Nach angestrengter drei 
jähriger Praxis wandte er sich ruhebedürftig wieder 
seinen hessischen Bergen zu, in denen er sich augen 
scheinlich am wohlsten befunden und kam mit seiner 
Familie 1888 wieder nach Kassel. Hier fand sein 
für alles Schöne so empfänglicher Sinn im Genusse 
der herrlichen Natur besondere Befriedigung. Nachdem
	        

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