Full text: Hessenland (6.1892)

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er den geistlichen Stand verläßt, bleibt er aber 
in demselben, so rückt er bei vorkommenden 
Todesfällen in die domkapitularischen Jahrgehalte 
ein. Kein Pensionär, welcher seinen Jahrgehalt 
ordentlich beziehen will, ist befugt, außer Landes 
zu domiciliren. 
Dieser Verordnung vom 15. Dezember 1802 
folgte 8 Tage später (am 22. Dezember) eine 
neue landesherrliche Verfügung, deren Endzweck 
die Aufhebung des Benediktinerklosters selbst war. 
Durch sie wurden ebenwohl vermöge der Säku 
larisation die Güter, Rechte, Gefälle und alles 
Eigenthum des Benediktinerklosters und sog. 
Konvents den fürstlichen Domänen einverleibt 
und die Sustentation der Klostergeistlichen geregelt: 
Der Prior erhält ein Jahrgchalt von 700 fl., 
der Subprior und Senior jeder 550 fl., die neun 
ältesten Konventualen jeder 500 st., die zwölf 
folgenden 450 und die jüngsten 400 fl. Von diesen 
Pensionen sind alle Expositi, d. h. solche, die 
nicht im Konvente lebten, sondern andere Stellen 
bekleideten, z. B. Pfarreien, ausgeschlossen, weil 
dieselben diese ihre Stellen und Einkünfte be 
halten. Die Konventsgebäulichkeiten mit den 
eingeschlossenen Gürten werden dem Klerus gegen 
Dal,»«. 
Dahin ist die wonnige Rosenzeit, 
Dahin sind die sonnigen Tage; 
Der Sturm bestreut mit des Haines Kleid 
Die thauigen Wege im Hage. 
Die Nebel tropfen im sterbenden Wald, 
Und rauschen wie Abschiedsgeflüster, 
Und hoch durch die Lüfte, graudunstig und kalt 
Zieh'n Wolken, bleiern und düster. 
Sie ziehen als Leichenzug durch die Luft, 
Den rosigen Lenz zu bestatten, 
Und decken mit eisigen Thränen die Gruft 
In dürren einst blühenden Matten. 
tzarl' Wreser. 
Dev Postillon. 
Auf der stillen dunklen Straße 
Eilet hin der Reisewagen 
Von dem Mondlicht nicht begleitet. 
Nur von seines Führers Klagen. 
Denn das Horn des Postillones 
Tönet hin in nächt'ge Schatten 
Und ich ruh' in weichen Kissen 
Träum' im schlummernden Ermatten. 
Abtretung des in der Stadt liegenden Semi 
narbaues und zugehörigen Ackerhofes über 
lassen , damit in jenen wegen des grö 
ßeren Raumes, auch Anschlusses an die Ka- 
thedralkirche das Priesterseminar errichtet werden 
könne. Denjenigen Konventualen, welche wegen 
Alters oder wegen besonderer Gebrechlichkeit ihre 
vorige Wohnung im Konvente beizubehalten 
wünschen, wird dieses gestattet. 
Wie wir oben gesehen haben, betrugen die 
Einkünfte der Propsteien und des Konvents 
zusammen 90,000 fl. Danach waren die den 
einzelnen Benediktinern ausgeworfenen Pensionen 
nicht kärglich, ja bei den Pröpsten und Dom 
kapitularen sogar reichlich bemessen und bildeten 
einen scharfen Gegensatz zu den geringen Mitteln, 
die man den Jesuiten nach deren Aufhebung im 
Jahre 1773 gewährt hatte. Es muß überhaupt 
anerkannt werden, daß der neue Regent von 
Fulda, der Erbprinz Wilhelm Friedrich von 
Oranien, für die eingezogenen Klöster und 
Stiftsgüter zumeist eine lobenswerthe Verwendung 
anordnete. 
(Schluß folgt.) 
Da auf einmal hör' ich Lieder 
Aus der Jugend schönen Zeiten — 
Ist es Wahrheit, sind es Träume, 
Wollen sie zu ihr mich leiten? 
Hingeleiten? ! Niemals wieder 
Klinget es mir in den Ohren — 
Was die Jugend Dir geboten 
Bleibt im Alter Dir verloren! 
Karl Weöer. 
-Hoch Kiedenkopf!" 
(Lied im Volkston.) 
Mel.: Grüß' dich Gott, Westsalenland. 
Dort wo die Lahn in schlankem Bogen 
Durch's Waldgebirge bricht sich Bahn, 
Dort spiegelt in den klaren Wogen 
Ein Städtlein sich, schmuck angethan. 
Das Schloß, das von der Höhe schaut, 
Von Kampf und Ehren kündet's laut, 
Als noch der Fehde Ruf erklang, 
Der Krieg die blut'ge Geisel schwang; 
Da pochte mancher Degenknopf 
An's trotz'ge Thor von Biedenkopf! 
Und wenn nach langen Winters Dräuen 
Der Frühling wieder kommt in's Land, 
Kränzt er mit Blumen und mit Maien 
Das Städtlein an des Lahnstroms Strand.
	        

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