Full text: Hessenland (6.1892)

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Waren nicht fest, sondern wurden am Ende des 
Jahres vom Fürsten und dem Kapitel nach den 
Landesbedürfnissen bestimmt und nach dem Steuer 
fuß erhoben. Der Fürst konnte hierüber ohne 
das Kapitel nicht disponiren und durchaus keine 
neue Besoldung oder sonstige Ausgabe machen. 
Davon wurden wirkliche Landesdiener, Zinsen 
von Landesschulden und diese selbst bezahlt, auch 
alle Ausgaben für Landesanstalten bestritten. Die 
„Anlagen," welche gewöhnlich aus 86 bis 90000 fl. 
bestanden, hatten sich in Folge des Krieges 
auf 120000 erhöht. Sie würden sich aber nach 
hergestellter Ruhe und Ordnung wieder ebenso 
schnell vermindert haben. Die Rechnungen wurden 
dem Fürsten und dem Kapitel abgelegt. Die 
Hofkammer verwaltete die Einkünfte, welche aus 
den Domänen, Lehenschaften, Forstnutzungen, 
Strafen, Judengefällen rc. eingingen. Hiervon 
wurden die Ausgaben des Fürsten und seines 
Hofs bestritten, die fürstlichen Schlösser, Amt 
häuser und sonstige öffentliche Gebäude unter 
halten, auch endlich die ganze Hof- und Dika- 
sterialdienerschaft — jene bei der Obereinnahme 
ausgenommen — besoldet. Ueber den Ueberschuß 
konnte der Fürst, ohne das Kapitel zu fragen, 
zwar disponiren, allein er konnte weder auf diese 
Kasse noch auf irgend eine andere giltige Schulden 
kontrahiren. Ueber die Einkünfte des Johannis 
bergs im Rheingau wurde eine besondere Rech 
nung geführt und blos dem Fürsten abgelegt. 
Das Obereinnahmekollegium verwaltete noch die 
Chausseekasse, in welche die erhobenen Chaussee 
gelder flössen, aus der aber auch sämmtliche 
Ausgaben für die trefflich unterhaltenen Straßen 
bestritten wurden. Sämmtliche zum Hofkammer 
zahlamte fließenden Einnahmen nach Abzug der 
Ausgabe, welche die Spezialamts- und Forst 
verwaltung erforderte, wurden bis auf 400000 fl. 
angegeben. 
Für Konvent und Propsteien wurden folgende 
reine Einnahmesummen angenommen, wobei 
jedoch zu bemerken ist, daß die Gehalte für die 
Dienerschaft der Pröpste, auch die Amtsbesoldungen 
nicht abgezogen sind: 1) Domdechanei nebst der 
Propstei Andreasberg (Neuenbcrg) 18,000 fl., 
2) Propstei Petersberg 11,000 fl., 3) Propstei 
Johannisberg 9500 fl., 4) Propstei Blankenau 
8500 fl., 5) Propstei Thulba 7500 fl., 6) Propstei 
Zell 7000 fl., 7) Propstei Sannerz 5000 fl., 8) 
Propstei Michelsberg nebst den damit verbundenen 
Stellen 3500 fl., — die Propstei Holzkirchen ist 
hier nicht angeführt, da sie unter Würzburgischer 
Hoheit stand —, 9) die Einkünfte des Konvents 
20,000 fl„ Summa 90,000 fl. Da die Gefälle 
in den Propsteien auch in vielen Fruchtgülten 
bestanden, so wurden zwar die angegebenen 
Summen in manchen Jahren gar sehr überstiegen, 
allein obige Angaben kann man als das Mittel 
annehmen. Außer diesen Propsteien gab es im 
Lande drei Kollegiatstifte, nehmlich jenes zu Fulda, 
eins zu Hünfeld und eins zu Rasdorf, ferner 
ein Benediktinernonnenkloster, vier Franziskaner 
klöster (zu Fulda, Salmünster, Dermbach und 
Volkersberg), dann noch ein Kapuzinerklostcr zu 
Fulda. Die Einkünfte der letzteren sind nicht 
zu rechnen. Die Revenüen der Jesuiten waren 
zum Schulfonds geschlagen worden. Die Ein 
künfte bestanden also 1) Obereinnahme im 
Geringsten 90,000 fl., 2) Hofkammer 400,000 fl., 
3) Propsteien 90,000 fl., Summa 580,000 fl. 
Mit den Einkünften der drei Stifte wird man 
die gesammte Einnahme auf 600,000, oder uach 
einer wahrscheinlicheren Berechnung auf 800,000 fl. 
annehmen können. — 
Am 15. Dezember 1802 erschien eine landes 
herrliche, den Sustentationsplan für das Dom 
kapitel betreffende Verordnung des neuen Regenten, 
durch welche vermöge der Säkularisation alle dom- 
kapitularischen Güter und Propsteien mit ihrem 
ganzen Umfange, Gebäuden, Gärten, Ländereien, 
allen zugehörigen Güterstücken, Höfen, Waldungen, 
Jagdbarkeiten, Fischereien, Lehenschaften, Gefällen 
aller Art, sie mögen gelegen sein, wo sic wollen, 
allen Rechten und Gerechtigkeiten, überhaupt mit 
allen Zugehörigkeiten, als fürstliche Domänen der 
fürstlichen Rentkammer einverleibt werden. Die 
Jahrgehalte für die adeligen Propste und Dom 
kapitulare werden auf folgende Art regulirt: 
Der Domdechant und Propst vom Andreasberg 
(Neuenberg) bekommt 9000 fl. und behält seine 
Wohnung sowie seine Stelle als Regierungs- 
Präsident, die Pröpste vom Petersberge und 
Johannisberge erhalten 5000 fl., der Propst zu 
Blankenau 4700 fl. und seine Wohnung, die 
Pröpste zu Thulba und Zell 3500 st., der Propst 
zu Sannerz 3000 fl, der Propst vom Michelsberg 
bekommt 3000 fl., nebst einem Zusatze von 500 fl. 
und behält seine Wohnung und seine Stellen 
als Generalvikar, Konsistorial-Präsident, Uni 
versitäts-Kanzler und Lehenpropst, der älteste 
Domkapitular erhält eine jährliche Pension von 
1800 fl., die übrigen Domkapitulare von 1500 fl. 
Stirbt ein Propst, so erhält der älteste Dom 
kapitular zu den 1800 fl. eine jährliche Zulage 
von 700 fl., so daß dann sein Jahrgehalt im 
Ganzen 2500 fl. beträgt. Die übrigen Dom 
kapitulare, welche vorher nur 1500 fl. empfingen, 
erhalten aus den Fall, wo auch sie die Ordnung 
zum Propsteiantritte getroffen haben würde, eine 
Zulage von 100 fl., wodurch auch diesen eine 
Pension von 2500 fl. im Ganzen zu Theil wird. 
Bei dem Kapitel war noch ein Dvmicellar vor 
handen, für welchen jährlich 1000 fl. festgesetzt 
wurden, die er auch alsdann behalten soll, wenn
	        

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