Full text: Hessenland (6.1892)

268 
der hervorragendsten Vertreter der medizinischen 
Wissenschaft in Kassel, erfreute sich wegen seiner 
vortrefflichen Charaktereigenschaften und seiner Per 
sönlichen Liebenswürdigkeit der größten Hochachtung 
und Beliebtheit. Sein Hinscheiden hat denn auch 
allgemeine Theilnahme hervorgerufen. Philipp 
Ludwig Friedrich von Wild war am 
19. August 1822 als Sohn des Apothekers und 
Medizinalassessors S. R. Wild in Kassel geboren. 
Er besuchte das Lyceum Fridericianum, das er zu 
Ostern 1841 absolvirte und studierte hiernach in 
Marburg, Göttingen und Berlin Medizin. In 
Marburg war er ein sehr angesehener Korpsbursche 
der Teutonia und Marcomannia, in Göttingen 
zweiter Chargirter des Korps Brunsviga. Am 
9. Mai 1846 wurde er nach cum laude bestandenem 
medizinischen Fakultätsexamen auf Grund seiner 
Jnaugural-Dissertation „de motu peristaltico 
oesophagi“ in Marburg zum Foctor medicinae 
promovirt. Hiernach unterzog er sich vor dem 
Obermedizinalkolleg in Kassel der ärztlichen Staats 
prüfung und begab sich, nachdem er dieselbe rühm 
lichst als Mediziner, Chirurg und Geburtshelfer 
bestanden hatte, zu seiner weiteren Ausbildung nach 
Wien, Prag, Berlin und Paris. In seine hessische 
Heimath zurückgekehrt, war er zunächst in Marburg 
Prosektor an dem anatomischen Institut unter Pro 
fessor Fi*. Ludwig Fick und hierauf Assistenzarzt an 
der medizinischen Klinik unter Professor Fr. K. F. 
Heusinger. 1852 siedelte er nach Kassel über, wo 
er sehr bald einer der gesuchtesten Aerzte wurde. 
1857 erfolgte seine Berufung als Assessor in das 
kurhessische Medizinalkollegium und als Mitglied der 
Prüfungskommission für das ärztliche Staatsexamen. 
1866 wurde er zum Obermedizinalrath im könig 
lichen Medizinalkollegium für die Provinz Hessen- 
Nassau ernannt und ihm 1876 der Charakter als 
Geheimer Medizinalrath verliehen. Schon länger 
sich leidend fühlend, trat Geheimer Medizinalrath 
Fr. von Wild Anfangs August d. I eine Erholungs 
reise an, von welcher er erst vor acht Tagen zurück 
kehrte. Nun ist er plötzlich aus einer regen Thätig 
keit und aus dem Kreis seiner Familie abgerufen 
worden. 40 Jahre lang hat er in Kassel segens 
reich als Arzt gewirkt und 35 Jahre dem Medizinal 
kollegium als Mitglied angehört. Die Kasseler 
Zeitungen widmen dem verdienstvollen Verewigten 
warme Nachrufe, in denen namentlich sein umfassen 
des Wissen, die außerordentliche Schärfe seines Ver 
standes und seine durchdringende Beobachtungsgabe 
hervorgehoben werden, Eigenschaften, welche im Ver 
ein mit ernstem Fleiß und strengstem Pflichtgefühl 
den Dahingeschiedenen zu einem hervorragenden 
Praktiker und Medizinalbeamten stempelten, dessen 
Tüchtigkeit von den Berufsgenossen neidlos anerkannt 
wurde. Er war ein treuer und jederzeit hilfsbereiter 
Berather seiner Kranken, welche ihm unbegrenztes 
Vertrauen entgegenbrachten und in ihm nicht nur den 
geschickten Arzr, sondern auch den trefflichen Menschen 
verehrten. Sein Andenken wird stets ein gesegnetes 
bleiben. 
Zur gefälligen Beachtung. 
In dem in Nr. 19 dieser Zeitschrift abgedruckten Aufsatz 
„Die von Donop in hessischen Diensten" wird jener Lambert 
von Donop, welcher um das Jahr 1240 lebte, als der Held 
der in Nr. 17 des „Hessenland" in poetischer Form 
wiedergegebenen Familiensage bezeichnet. Dieser Lambert 
ist aber nur derjenige Ahnherr, von welchem sich eine 
fortlaufend dokumentirte Genealogie bis in die 
neueste Zeit nachweisen läßt. Der eigentliche Stamm 
vater wird wohl in einem viel weiter zurückliegenden 
Jahrhundert zu suchen sein, denn urkundlich erscheint die 
Familie schon 1227 mit Johann von Donepe, Ritter, 
welcher sich bei Bischof Wilbrand zu Paderborn für die 
Brüder Volkwin und Adolph, Grafen zu Schwalenberg, 
verbürgte. S. Andreas Lamey, Geschichte der alten 
Grafen von Ravensberg, Mannheim 1779, Cod. dipl. 
Nr. 13. 
Bei dieser Gelegenheit möge mir gestattet sein, die 
Bitte auszusprechen, es möchten alle diejenigen, welche in 
der Lage sind, über die Familie von Donop, Donep, 
auch Donepe, Quellennachweise zu liefern oder sonstige 
Mittheilungen zu machen, mir gütigst darüber unfran- 
kirt Nachricht zukommen lassen und so in dankenswerther 
Weise dazu beitragen, daß die in Aussicht genommene 
Geschichte dieses Geschlechtes eine möglichst umfassende 
Arbeit zu werden vermag; Ersatz etwaiger Unkosten 
sichere ich hiermit zu. 
Wies loch in Baden, 3. Oktober 1892. 
Kenket, Direktor, 
Hauptmann d. Landw.-Feldart. 
Anzeigen. 
Die im „Hessenland" besprochenen und empfohlenen 
Bücher sind in unterzeichneter Buchhandlung stets, auf 
Wunsch auch zur Ansicht, zu haben. Größtes Lager der 
Hessischen Literatur, hessischer Wortraits und Städte- 
An sichten. 
- Bibliotheken, sowie einzelne werthvolle Bücher, alte 
Kupferstiche, Uniform- und Kostüm-Bilder, Portraits etc. 
werden jederzeit zu angemessenen Preisen gekauft. 
Lager von über 100^000 Bänden. Verzeichnisse darüber 
gratis und franko. 
Cassel, Königstraße 19. 
Gustav st launig, 
Hof-Suchhandlung. 
Hierdurch erlauben wir uns, an unsere ver- 
ehrlichen Abonnenten die ergebene Bitte zu richten, 
uns gütigst durch Uebermittelung von Adressen, 
an welche Uroverminrner» unserer Zeitschrift 
zu senden wären, unterstützen zu wollen. 
Wedaktion und Wertag 
des „Kessenland". 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag vonFriedr. Scheel in Kassel.
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.