Full text: Hessenland (6.1892)

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Autor einen Zeitungsschreiber Raphael Sacey, ! fürt, de Roncy, die dieser unter dem 20. März 
„so sich vor eines Gesandten Bedienten ans- 1682 an die Hanauer Regierung in sehr be- 
gegeben." 
Viel bedenklicher für Böfs wurde eine Anklage 
des chnrbrandenbnrgischen Gesandten zu Frank 
stimmten .Ausdrücken richtet. 
(Fortsetzung folgt.) 
>esunöen. 
Skizze aus dem Berggarten des Aueparks. 
Von T. K 
/goldiger Herbstsonnenschein liegt über dem 
\|)f bunten Laub. Alles glänzt und sprüht. 
| Durch die gelben Blätter der Kastanien 
leuchten die Strahlen ans den frischen Wiesen 
grund hinab, wo im Grün versteckt noch Maß 
liebchen und Butterblumen in Menge stehn. 
Die kleinen Blüthen haben den Frühling bei 
seinem Einzug begrüßt, sie haben den Sommer 
kommen und scheiden sehen und sind nun auch 
dem Herbst, der in diesem Jahr soviel der schönen, 
warmen Tage bringt, treu geblieben. Der laue 
Wind bewegt die Bäume; dann rauscht und 
knackt es in den Aesten und die reifen Früchte in 
ihrer stachlichen Hülle fallen platzend zur Erde. 
Dort, am Fuße des steilen, mit Buschwerk 
bewachsenen Abhangs, wo der Berggarten, der 
die hochgelegene Bellevuepromenade mit dem 
Auepark verbindet, in die sogenannte kleine Aue 
übergeht, unweit des Löwendenkmals, da die 
kleine Fulda in sanften Windungen ihrer Mün 
dung zu eilt, steht in der Kastanienallee unter 
einem der Bäume eine Anzahl Kinder. Kleine 
Flachsköpfe sind's mit rosigen Gesichter». In 
einem schäbigen Kinderwägelchen liegt ein ganz 
Kleines, das seine nackten Beinchen in die Luft 
streckt und mit hellem Stimmchen vergnüglich 
vor sich hinkräht. Zur Aufsicht der Kleinen sind 
ein Paar Größere dabei; Buben und Mädchen, 
alles Nachbarkinder aus der Altstadt, die zu 
sammen an dem schulfreien Nachmittag ausge 
zogen sind, um Kastanien zu suchen, die sie daun 
für ein paar Pfennige verkaufen. Da steht ein 
halbgefülltes Säckchen am Boden, ein zweites, 
das bereits gefüllt und zugebunden ist, liegt im 
Wagen zu Füßen des strampelnden Baby's. Ein 
großer Junge und zwei Mädchen werfen mit 
Steinen in die Zweige, um durch die Erschütterung 
die Früchte schneller zum Falle zu bringen. 
Da nähern sich Spaziergänger, ein alter Herr 
mit weißem Haar und Bart kommt am Arm 
eines jüngeren heran und bleibt unweit der 
Kindergruppe stehn. 
„Welch hübsches Herbstbild," sagt er zu seinem 
Begleiter, „das wäre ein dankbares Motiv für 
dich." 
„Wirklich, Onkel, du hast recht. Schade nur, 
daß man diese wunderbaren Lichter, diese Sonnen 
strahlen, wie sie auf Laub, Gras und Kinder 
fallen, nicht festhalten kann. Alles ist wie in 
Gold getaucht. Und wie weit und frei der 
Durchblick ist in dieser klaren Luft, da hinten 
das Brückchen und hier zur rechten die steile 
Felswand — — 
„Und dort oben, wahrhaftig, da blickt das 
Tempelchen durch's Grün herunter." 
„Schön, Onkel, wunderschön! demnächst bring' 
ich mein Malgeräth mit hierher, o, das wird ein 
Bildchen werden!" 
_ Die Beiden gehen vorüber. Der alte Herr zieht 
sein Taschentuch uud trocknet sich die Stirn. 
„Ist dies ein Herbst," sagt er im Weiterschreiten, 
diese weiche, warme Lust thut Alten und Kranken 
wohl." 
„Ei, den jungen Leuten und den Kindern, 
wie mir scheint, nicht minder" erwiedert sein 
Geführte. 
Die Kinder haben sich im eifrigen Suchen 
nicht stören lassen. Der große Knabe hat eine 
lange Gerte gefunden, mit der er nach den 
Früchten schlägt. Nun poltern die braunen, 
glänzenden Dinger lustig herunter. Die kleinen 
Füße springen flink und munter, hin und her, 
und die Händchen können sich nicht genug thun 
im Haschen und Aufheben. Bald sieht man die 
kleinen Gestalten am Rande des Wassers, bald 
am Wege, und bald tauchen sie mitten im Ge 
strüpp auf. Und die hübsche Große mit den 
Löckchen auf der Stirn und den langen Zöpfen, 
ist die unermüdlichste. Sie hüpft und bückt sich, 
sie sucht hier und dort, sie steht am Kinderwagen 
und spricht kosend mit dem Brüderchen, und ruft 
daun den andern Kleinen zu, wohin sie laufen, 
und wo sie suchen sollen. 
Da — und da, o, die vielen Kastanien, solch
	        

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