Full text: Hessenland (6.1892)

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darüber Beschwerde führt, daß Böff „solche Nach 
richt nicht allein cke facto in Druck habe aus 
gehen, sondern auch zu Frankfurt verkaufen und 
sogar anderswo mehr divulgiren lassen, solches 
aber an sich unverantwortlich und höchst straf 
bar sei." Dann befiehlt der Kaiser dem Grafen 
Friedrich Casimir: „daß Du in unserem 
Namen über dieses factum in der Stille genau 
und unverlangt inquirirest und da sich solches 
also verhaltet, obgenannten Böff sobald in Verhaft 
nimmst, uns darüber berichtest, den Druck 
remittirest und alsdann unsere weitere Verord 
nung erwartest." Der Graf berichtet zurück, 
daß er Böff alsbald habe vernehmen lassen, wo 
bei dieser ausgesagt habe, daß das mit über 
schickte Blatt nicht aus seinem Verlag hervor 
gegangen sei. Die Nachricht stamme aus Ham 
burg und habe er sie seinen Novellen erst bei 
gefügt, als sie schon ganz gemein und von ver 
schiedenen Seiten her ihm überschickt worden sei 
und sich keineswegs etwas Böses dabei gedacht. 
Der Kaiser antwortet darauf im Januar 1681, 
daß Böff nochmals ernstlich anzuhalten wäre, 
denjenigen zu nennen, von welchem er die Nach 
richt erhalten habe und daß der Graf nach 
weiteren zwei Monaten berichten solle. Vier 
Wochen später ergeht ein nochmaliges kaiserliches 
Schreiben an den Grafen folgenden allgemeinen 
Inhalts: „Dannach Uns mißfällig vorkommen, 
was maßen hin und wieder im Heiligen 
Römischen Reich theils mit wenig schimpf und 
despektirliche, theils dem publico gefährliche 
und präjudicirliche Schriften von einiger Zeit 
her gedruckt und divulgirt werden. Alle die- 
weilen aber dadurch allerhand böse Consequenzen 
und Angelegenheiten entstehen können, welches 
auch in denen Reichs Constitutionen hoch- 
verbotten und dafern Uns obliegen will, dahin 
zu sehen, daß diejenigen, welche zcc mehrerer 
Verbitterung der Gemüther und zumalen Ver 
kleinerung Unserer höchsten Kaiserlichen Antho- 
rität und Respects dergleichen famos Schriften 
verfertigen, drucken oder sonst an den Tag 
bringen, vermittelst gebührender Straf davon 
abgehalten werden sollen. Als ist unser gnä 
digster und ernster Befehl hiermit, daß in 
Unserem Namen Du bei Deinen untergebenen 
Buchdruckern, Buchsührern, Briefmahlern und 
wo es sonst von Nöthen sein möchte oder könnte 
die uneinstellige ernstliche Verfügung thuest, da 
mit dieselben ins künftig von solchen unzuläßigen 
Beginnen bei Vermeidung Unserer höchsten 
Kaiserlichen Ungnade abstehen und dergleichen 
so wenig in Schriften als Druck ausgehen oder 
publiciren laßen und falls von einem oder dem 
Anderen dagegen geschehen oder gehandelt würde 
den Thäter alsobald in Verhaft genommen und 
das factum an Uns zu Unserer Kaiserlichen 
Verordnung ungesäumt und gehorsamst berichtet 
werde." 
In wiederholtem Verhör bleibt Böss zwar bei 
seinen ersten Angaben, nennt aber aus weiteres 
Andringen den Schreiber des holländischen Re 
sidenten zu Frankfurt als den Urheber der 
Nachricht, die so viel Staub aufgewirbelt hatte, 
und ist erbötig, das Original der schriftlichen 
Mittheilung vorzuzeigen. Mit dem Bericht des 
Grafen hierüber scheint die Sache erledigt zu 
sein. Das oben angeführte interessante kaiser 
liche Censur-Edikt hat Böff keinen Schaden ge 
than , er ist nie verhaftet worden und die 
Hanauische Regierung stand ihm in allen Fällen 
hülfreich zur Seite. 
Die nächste Klage geht von der churpfälzischen 
Regierung aus und zeigt, in welcher Angst man 
vor französischen Uebergriffen oder Vergeltungs 
maßregeln lebte. Sonst wäre sie nicht er 
klärlich. 
In der Nummer 85 des Mereur vom 22. 
Oktober 1681 hatte die ganz harmlos klingende 
Notiz gestanden: 
Auß der Bergstraß, 18. October (alten Styls). 
„Von Heidelberg wird berichtet, daß Herr Pfalz- 
graf Philipp zu Sulzbach kürzlich daselbsten 
angelangt und sich eine Zeit lang bei selbigem 
Hofe aufhalten werde. Indessen würde man 
zuvörderst gute Anstalt machen, Mannheim, 
Frankenthal und Kaiserslautern ans allen Fall 
mit gehörigen Lebensmitteln aufs möglichste zu 
versehen." 
Hierüber erhebt die churpfälzische Regierung 
eine große Beschwerde, verlangt von der Hanauer, 
daß der Autor benannt und des Korrespon 
denten Handschrift extrahirt werde. So oft und 
scharf auch Böff in Vernehmungen zugesetzt wird, 
er versteht es stets, sich mit Geschick und Schlau 
heit aus der Sache zu ziehen. Wenn er auch 
den Vorwurf der Serlinischen Wittib, daß er 
ihr Journal nachdrucke, mehrfach entrüstet von 
sich weist mit der Behauptung, seine Zeitung 
erscheine einen Tag früher als jene, so ver 
schmäht er e§ doch andrerseits nicht, sich durch 
den Nachweis zu entlasten, daß er diese oder 
jene Nachricht aus dem Journal oder einem 
anderen Blatte entnommen habe, wenn er sich 
sonst nicht zu helfen weiß. Sv auch in diesem 
Fall. Böff beruft sich darauf, daß das Journal 
solche Nachricht früher und in noch schärferer Form 
gebracht habe. Da stehe, daß Pfalzgraf Philipp 
bereit sei Sr. Durchlaucht bei diesen ge 
fährlichen Zeiten mit Rath und That'bei- 
zustehen, sowie ferner, daß man die Städte mit 
gehörigen Defensionsmitteln versehen wolle. 
In die Enge getrieben nennt er schließlich als
	        

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