Full text: Hessenland (6.1892)

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müsse zu einem vollständigen diplomatischen 
Bruch der Nachbarn kommen. In Frankfurt 
selbst gab es Personen, die mit dem Vorgehen 
der Reichsstadt gar nicht einverstanden waren, da 
sie dadurch in ihrem Erwerb bedroht und ge 
schädigt wurden. So muß sich der Buchdrucker- 
Blasius Jlßner gegen eine Anklage des Raths 
vertheidigen, daß er, wie schon sein Vorgänger 
Kuchenbecker, den Mercurius drucke. Aus feiner 
Vernehmung erfahren wir, daß er den Druck 
der französischen Ausgabe besorgte und nur hin 
und wieder auch ein Blättchen deutschen Textes 
„extraordinari“ herstelle. Er bittet, ihm das 
nicht zu verbieten, denn sonst fiele der Verdienst 
der Aubry'schen Druckerei in Hanau zu. Aus 
dem gleichen Grunde wehrt sich der Bürger- 
Richter gegen seine Bestrafung wegen eines Ver- 
kaufkomptoirs der Bösi'schen Zeitung, und die 
Ehefrau Anna Acker fleht den Rath an, ihr den 
Vertrieb des Mercurius doch nicht zu verbieten, 
sonst würden die Hanauer Boten den Vortheil 
davon haben. 
Aus all dem geht wohl mit Gewißheit her 
vor, daß trotz der gegnerischen Anstrengungen 
die Unterdrückung der Böfflschen Zeitung in 
Frankfurt nie ganz gelungen ist. Schwerlich 
hätte sonst der Streit Jahre lang fortgeführt 
werden können. Die Serlinische Wittib hat das 
Ende nicht mehr erlebt, aber ihre Erben führten 
ihn weiter. 
Böff hatte schon längst den einzigen Weg, der 
ihn sein Ziel erreichen lassen konnte, einge 
schlagen, aber erst 1689 gelang es ihm nach 
mehrfachen vergeblichen Versuchen unter dem 
24. April ein kaiserliches Privileg zu erhalten, 
das ihm den Druck und freien Vertrieb seiner 
Zeitung gewährleistete. Als trotzdem seine 
Gegner noch nicht ganz auf ihre Anstrengungen, 
dem Blatte Hindernisse zu bereiten, verzichteten, 
drehte Bösf den Spieß um. Jetzt erlangte er 
für sich ein Mandat der kaiserlichen Hofkanzlei 
vom 29. November 1691, das dem Frankfurter- 
Rath gebot: „ernannten Böffen dagegen auf 
keine Weise zu beschweren, sondern vielmehr da 
bei (d. h. beim Privileg) zu schützen und zu 
handhaben." Damit war dem Streit ein Ende 
gemacht. 
Hatten diese Vorgänge dem strebsamen Manne 
viel Sorge, Mühe und Kosten bereitet, so sollte 
es ihm auch von anderer Seite her an noch 
gefährlicheren Angriffen nicht fehlen, die sein 
junges Werk in der Wurzel bedrohten. Ohne 
das Wohlwollen und die thatkräftige Unter 
stützung seiner heimischen Regierung würde es 
ihm trotz seiner Gewandtheit nicht gelungen 
sein, das Schifflein durch so mächtige Stürme 
unversehrt hindurch zu steuern. 
Nichts spricht so sehr für die Bedeutung, die 
der Hanauische Mercurius rasch gewonnen hatte, 
als die Beschwerden, die gegen seinen Inhalt 
sowohl vom kaiserlichen Hof wie anderen Landes 
herrn und auch sonst hochgestellten Personen 
bei dem Grafen und dessen Regierung ein 
laufen. Die Akten haben eine größere Anzahl 
aufbewahrt und diesem glücklichen Umstand ver 
danken wir es auch allein, daß drei einzelne 
Blätter des Mercurius*), die als Beweisstücke 
beigefügt waren, bis aus unsere Tage erhalten 
geblieben sind. Außerdem ist, um dies gleich 
vorweg zu bemerken, bis jetzt jedes Forschen 
nach weiteren Exemplaren vergeblich gewesen. 
Ja von der französischen Ausgabe, die zugleich 
mit der deutschen ebenfalls zweimal wöchentlich 
erschien, hat noch nicht ein Blatt aufgefunden 
werden können. **) 
Um die Beschwerden, die sich gegen das 
Böfflsche Blatt richteten, voll würdigen zu können, 
ist es wohl erforderlich, einen Blick auf die da 
malige Weltlage zu werfen. Ludwig XIV 
stand auf der Höhe seiner Macht, die Furcht 
und Groll in den deutschen Landen hervorrief. 
Es waren keine zwei Jahre nach dem Abschluß 
der für das deutsche Reich so demüthigenden 
Frieden von Nymwegen (1678) und St. Germain 
en Lahe verstrichen und die berüchtigten Reunions 
kammern waren an der Arbeit. Ein Jahr später 
(1681) that Ludwig XIV den frechen Griff nach 
Straßburg, dem Niemand wehrte. 
Den feindlichen Reigen gegen den Mercurius 
eröffnete der kaiserliche Reichshofraths-Fiskal von 
Menshengen im August 1680. Der Inhalt der 
Klage bewegt sich im Gebiet der hohen Politik. 
Der Mercur hatte die Nachricht gebracht, „ver 
möge deren Jhro Königliche Majestät von 
Frankreich deren dauphin zu einem römischen 
König vorzuschlagen Willens sei." Die Er 
regung des Habsburger Hofes über das Aus 
streuen einer solchen Nachricht ist erklärlich genug. 
So wird denn den: Hanauischen Agenten in 
Wien, Persius (Persig) von Lomstorf, ein 
rescriptum Caesareum in puncto scripti 
famosi zugestellt, dessen Annahme dieser jedoch 
verweigert. 
Darauf erhält der „Reichshofraths-Thürhüter" 
den Befehl, dasselbe nochmals 31t insinuiren und 
nicht wieder zurückzunehmen. So gelangt das 
rescriptum nach Hanau, in dem der Kaiser 
*) Es sind dies Nr. 98 v. 16. November 1680, 
Nr. 85 v. 22. Oktober 1681, Nr. 22 v. 18. März 1682. 
**) Einer Tradition zufolge sind bis in das erste Jahr 
zehnt unseres Jahrhunderts vollständige Exemplare des 
Mercurius und der Europäischen Zeitung vorhanden ge 
wesen. Von letzterer besitzt die Hanauer Stadtbibliothek 
von 1687 ab beinahe vollständige Jahrgänge.
	        

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