Full text: Hessenland (6.1892)

254 
immalrikulirt. Von diesen studierten im Verhältnisse 
die meisten, nämlich 8838 Medizin; nächstdem 
waren am zahlreichsten die Juristen vertreten, 7242 ; 
bei den^ philosophischen Fakultäten waren 6825 Hörer 
eingeschrieben; evangelische Theologie studierten 3847 
und katholische Theologie 1345. Die höchste Besuchs 
ziffer von allen Universitäten hatte Berlin, nämlich 
4 356. Mehr als 3060 Hörer hatten außerdem 
noch München (3538) und Leipzig (3104). Mehr 
als lausend Hörer hatten sodann die folgenden 
acht Hochschulen: Bonn, Breslau, Erlangen, 
Freiburg, Halle, Heidelberg, Tübingen und Würzburg. 
Sie sind absteigend hinsichtlich ihrer Frequenz, wie 
folgt, an einander zu reihen: Halle 1468, Bonn 1397, 
Tübingen 1334, Freiburg 1305, Würzburg 1285, 
Heidelberg 1156 und Erlangen 1107. Nahezu 
tausend Hörer halten Marburg (904) und Straß 
burg (915). Die übrigen Hochschulen wiesen die 
folgenden Zahlen auf: Greifswald 821, Göttingen 
771, Königsberg 692, Jena 645, Kiel 612, Gießen 
573, die geringste Frequenz, 398, hatte die Uni 
versität Rostock. Sie stand noch hinter der Akademie 
Münster, die nur zwei Fakultäten hat, zurück. 
Nekro loge. Der GeheimeRegierungsrath,Dr.med. 
et phil. Richard Greeff, Profess or der Zoologie und 
vergleichenden Anatomie und Direktor des zoologischen 
Instituts zu Marburg, dessen am 30. August er 
folgtes Hinjcheidrn wir bereits gemeldet haben, war am 
14. Mürz 1828 zu Elberfeld als jüngster Sohn 
des dortigen Kaufmanns Greeff geboren. Er be 
suchte das Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte 
hiernach Medizin, und beschäftigte sich in Heidelberg 
unter Leydig ganz besonders mit dem Studium der 
Zoologie, für die er eine große Vorliebe hatte. 
Nachdem er in Berlin das medizinische Doktor- und 
Staatsexamen bestanden hatte, war er am städtischen 
Krankenhaus zu Danzig als Assistenzarzt thätig. 
Im Jahre 1859 ließ er sich in Elberfeld als 
praktischer Arzt nieder und entwickelte dort während 
der großen Choleraepidemie eine sehr anstrengende 
Thätigkeit. 1863 siedelte er nach Bonn über, wo er 
sich als Privatdozent für Zoologie habilitirte. Von 
Bonn aus unternahm er eine Reise zu wissenschaft 
lichen Zwecken nach den Canarischen und Kap Verdi- 
scheu Inseln und der westafrikanischen Küste. 1871 
wirkte er als Vorsteher eines Hospitals, dann folgte 
er, an Stelle des nach Wien berufenen Professors 
Dr. Claus, einem Rufe als ordentlicher Professor 
der Zoologie und vergleichenden Anatomie nach 
Marburg. Von hier aus machte er eine Forschungs 
reise nach den Guinea-Inseln. In dem Amtsjahr 
1889/90 bekleidete er das Amt des Rektors der 
Universität. Wiederholte ehrenvolle Rufe nach Rostock 
und Tübingen konnten ihn nicht bewegen, Marburg 
zu verlassen, wo er sich der allgemeinen Hochachtung 
nicht nur in den akademischen, sondern auch in den 
Kreisen der gesummten Bürgerschaft erfreute. — 
Seine Schriften sind: Reise nach den canarischen 
Inseln. Bonn 1868. Untersuchungen über einige 
merkwürdige Thiergruppen des Anthropoden- und 
Wurm-Typus. Berlin 1869. Ueber das Auge der 
Alciopoden. Marburg 1876. Die Echiuren (Oe- 
phyrea armete). Halle 1879. Madeira und die 
canarischen Inseln in naturwissenschaftlicher, besonders 
zoologischer Beziehung Marburg 1872. 
Am 20. September starb in Frankfurt a. M. 
nach längerem Leiden der namhafte Publizist Otto 
K a n u g i e ß e r, ein geborener Kurhesse. Kann- 
gießer stammte aus W o l f h a g e n , widmete sich erst 
dem Postfach, gerieth aber dann in die journalistische 
Laufbahn. Durch fleißiges Selbststudium wußte er 
die Lücken seiner Bildung nach Möglichkeit auszu 
füllen. Bis zum Jahre 1866 war er Redakteur der 
„Frankfurter Zeitung", mit der er vor den ein 
ziehenden Preußen nach Stuttgart flüchtete. Nach der 
Amnestie gründete er den demokratischen ^Frankfurter- 
Beobachter", den er im Verein mit seinem Bruder 
Dr. phil. Gustav Kanngießer (gestorben 1878) leitete. 
Die packende populäre Schreibweise Otto Kanugießer's 
verschaffte dem genannten Blatte eine weit über den 
Rahmen seiner Bedeutung hinausgehende Beliebtheit. 
Nach dem Tode des Bruders ging der „Frankfurter- 
Beobachter" indeß zurück, denn Otto Kanngießer war 
eine zu einseitig und subjektiv angelegte Natur, als 
daß er die regelrechte Leitung eines politischen Blattes 
Hütte führen können. Im Jahre 1887 verkaufte er 
den „Beobachter" und trat int folgenden Jahre in 
die Redaktion des „FrankfurterGeneral Anzeigers" ein. 
Auch eine politische Schwenkung machte Kanngießer: 
früher- eifriger Demokrat und rücksichtsloser Verfechter 
radikaler Anschauungen, wurde er schließlich ein aus 
gesprochener Anhänger der Regierung. Auch das 
Gebiet der Frankfurter Geschichtsschreibung hat Kann 
gießer angebaut: er schrieb im Jahre 1876 eine 
„Geschichte der Eroberung der freien Stadt Frankfurt 
durch Preußen 1866." Kanngießer war am 23. 
April 1836 geboren. S. 
Rudolf v o n I h e r i n g f. Vor wenigen Wochen 
konnten wir in unserer Zeitschrift „Hessenland" melden, 
daß der berühmte Rechtslehrer Geheimer Ober-Justiz 
rath Professor Dr. Rudolf von Jhering von 
Göttingen zu Wilhelmshöhe sein fünfzigjähriges 
Doktorjubiläum gefeiert habe, heute müssen wir leider 
die traurige Nachricht bringen, daß derselbe am 
17. September zu Göttingen das Zeitliche gesegnet 
hat. In ihm hat die Rechtswissenschaft einen ihrer 
glänzendsten Vertreter, die Gelehrtenrepublik einen 
ihrer hervorragendsten Würdenträger verloren. Sechs 
zehn Jahre, von 1852 bis 1868, hat er als Professor 
der Rechtswissenschaft an der hessischen Universität 
Gießen gewirkt, und wohl kann man sagen, was
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.