Full text: Hessenland (6.1892)

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Der Zeuge fügte noch hinzu, daß er schon in die 
20 Jahr ein Soldat gewest, aber niemals gesehen 
noch gehört habe, daß sich ein Soldat also gegen 
seine Obrigkeit opponirt und gesetzt habe. Dem 
Hauptmann habe Hans von der Ahne noch trotzig 
und polternd zugerufen: Er wolle einen andern Be 
fehlshaber haben und nicht wie ein Bärenhäuter 
liegen, wenn er auch dafür an der trockenen Latte 
gehenkt würde. Nachdem der Hauptmann ihm nun 
noch befohlen, die Fahne wieder in das Logement 
zu bringen, habe er geantwortet: er wolle dieselbe 
dem Fürsten bringen, und wenn es ihm den Kopf 
koste. Nach den weiteren Zeugenaussagen, war hier 
auf Hans von der Ahne mit bloser Wehr durch 
die Wacht gedrungen, über einen Zaun gesprungen 
und davon gelaufen. 
Hans Brange sagte dann noch aus: Das Fähn 
lein habe er ihm später wieder abgenommen und ins 
Logement getragen. 
Alles dieses bekannten folgende Zeugen ebenfalls: 
Martin Blunden, Corporal, Heinrich Winter, Ge 
freiter, Berut Neiße, Hans Wagener, Jorg Halle 
manns, Gefreiter, Hans Schacht, Gefreiter, Georg 
Bringmann, Corporal, Balzer Zahn, Gefreiter. 
Unterzeichnete bezeugten ebenfalls, daß das Fähn 
lein und sie dem Hans von der Ahne, gar keine 
Veranlassung zu seinem Benehmen gegeben hätten. 
Christofs Schrottet Regiments-Schulze, Rave von 
Amelunxen, später auch Amtmann von Saba 
burg, Hauptmann, Hanß Schierke, Hauptmann, 
Hans Gehonngroß, Lieutenannt, Jorg Malmers, 
Lieutenannt, Johann Wegner, Fändrich, Jorg Ame- 
lung, Fändrich, Dittrich Erkenen, Fändrich, Hans 
Wagenfeldt, Fändrich, Hans Stunde, Feldweybel, 
Dietrich Schrotter, Feldweybel, Daniel Hutten, Feld 
weybel, Heinrich Draißeberg, Feldweybel, Heinrich 
Bischofs, Feldweybel, Claus Dräubel, Feldweybel, 
Hermann Dillenhorst, Feldweybel, Christoffer Behr, 
Feltweybel, Leinhart Germerdt, Führer, Nolte 
Bellersen, Führer, Hans Bode, Führer, Hugo Hemke, 
Führer, Hans Brange, Führer, Jacob Kuchenbecker, 
Führer, Conrad Ernik, Führer, Curdt Cramer, Führer, 
Hans Toppers, Führer, Heinrich Schacht, Forier, 
Wilhelm Koffe, Forier, Conrad Piper, Führer. 
Urtell. 
Uff heftige, peinliche Anklage des Profoß und ge 
nügsamer, eingenommener Kundschaft und Zeugen 
aussagen des gantzen Casselschen Fähnlein, ist durch 
die Anwesenden und Verzeichneten gemeinen Gerichts- 
scheffen einhelligen vor Recht erkannt: daß Beklagten 
Hans von Ahne soll ein Priester zugeordnet werden, 
damit er sich mit dem lieben Gott vereinigen möge 
und alsdann dem Scharfrichter — dem freien 
Manne — überantwortet werden, der ihm als dann 
mit einem Strick an einem Baum: Andern zu einem 
obschewentlich Exempel henken soll damit die Leuff- 
Orter mud unter ihm Sterben kann? 
Sodann solches geschehen — geschieht göttlich und 
kaiserlich gemeinen Stadtrecht in Genüges. Signatur 
Liebenau d. 28 April 1604. 
H. v. 
Ans Heimlich und Fremde. 
Vor einigen Tagen brachte der Reichs- und Staats 
anzeiger die Mittheilung, daß der außerordentliche 
Professor der Rechtswissenschaft zu Königsberg 
i. Pr. Dr. Friedrich Ende m a n n, zunl ordent 
lichen Professor daselbst ernannt worden ist. Diese 
Nachricht hat für uns Hessen schon um deswillen ein 
erhöhtes Interesse, als Professor Friedrich Endemann 
einer hochangesehenen althessischen Gelehrtenfamilie 
entstammt, die seit länger als zwei Jahrhunderten 
ausgezeichnete Vertreter der Wissenschaften in sämmt 
lichen Fakultäten aufzuweisen hat. Professor Friedrich 
Endemann ist am 24. Mai 1857 zu Fulda geboren. 
Sein Vater ist der Geheime Justizrath und Professor 
der Rechtswissenschaft an der Universität Bonn 
Dr. Wilhelm Endemann, der damals Assessor am kur 
hessischen Obergerichte zu Fulda war, 1862 als Professor 
der Jurisprudenz an die Universität Jena und 1872 von 
da an die Universität Bonn berufen wurde, ein hervor 
ragender Zivil- und Staatsrechtslehrer, der sich nament 
lich auch als juristischer und volkswirthschaftlicher Schrift 
steller in der Gelehrtenwelt einen hochgeachteten Namen 
erworben hat. Professor Friedrich Endemann, sein 
Sohn, nimmt, obwohl noch jung an Jahren, unter 
den Vertretern des römischen Rechts schon eine bedeut 
same Stelle ein. Nach Beendigung seiner Studien war 
er zuerst Referendar in Bonn. Als solcher promovirte 
er 1881 an der rheinischen Friedrich-Wilhelms-Uni- 
versität mit der Abhandlung „Beiträge zur Geschichte der 
Lotterie und zum heutigen Lotterie-Rechte- zum Doktor. 
Später siedelte Dr. Friedrich Endemann nach Berlin 
über und habilitirte sich daselbst, nachdem er inzwischen 
die juristische Staatsprüfung abgelegt hatte, als 
Privatdozent für römisches Recht an der Universität. 
1888 wurde er von dort nach Königsberg berufen, 
um zunächst eine außerordentliche Professur daselbst zu 
übernehmen. Außer seiner Doktorschrift veröffentlichte 
Dr. Friedrich Endemann die Schriften: „Die Lehre 
von der emptio rei speratae und emptio spei“ 
(Wien 1885); „Ueber die zivilrechtliche Wirkung 
der Verbotsgesetze nach gemeinem Recht" (Leipzig 
1887); „Die gesetzliche Regelung der Trunksucht- 
Königsberg 1892). 
— Bei den zwanzig Universitäten des 
Deutschen Reiches und der Akademie zu Münster 
waren nach dem eben ausgegebenen Ascherson'schen 
„Universitäts-Kalender" im letzten Halbjahre ins 
gesammt 28,097 Studierende ordnungsmäßig
	        

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