Full text: Hessenland (6.1892)

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und der Verfasser der vorliegender Arbeit weicht von 
beiden Vorgängern ab. Seine Ansicht ist kurz die, 
daß es ein Hildesheimer (H) und ein Hersfelder (Rk) 
Exemplar der Hersfelder Annalen gegeben hat, jenes 
ist aber nicht, wie Waitz annimmt, das Original und 
dieses ein Auszug daraus, sondern umgekehrt, in Hf 
hatte man das Original, das hier noch von Lambert 
benutzt wurde, in EL aber nur eine Abschrift, die den 
Text hier und da verändert und für den Fall, daß 
sie mehr enthielt als das Original, durch Zusätze 
erweitert haben muß. Die Meinung von Lorenz, 
daß H eine getreue Kopie des Originals, Hf aber 
nur ein Auszug daraus sei, setzt die Existenz eines 
besondern Originals in Hersfeld voraus, für welche 
sich kein Beweis erbringen läßt. 
Dr. A. 
/ 
Rudolf Andersonn, Der deutsche Orden 
in Hessen bis 130 0. Jnaug.-Diss. (68 S.) 
Königsberg i. P. 18 91. 
Die Gründung der drei großen Ritterorden, Tempel 
orden, Johanniterorden und deutscher Orden, hatte zu 
nächst den Zweck, die Kreuzzugspilger zu schützen und 
die Kranken zu pflegen, und war ferner eine Vereinigung 
zum Kampfe gegen die Ungläubigen. Als das heilige 
Land aufgegeben werden mußte, der letzte Stützpunkt 
darin, Accon, verloren war, da fand der am spätesten 
entstandene, an Macht und Ansehen die beiden anderen 
Orden aber weit überflügelnde deutsche Orden in der 
Eroberung und Kolonisation Preußens einen neuen 
Beruf. Wenn seine Thätigkeit fast ganz hierin auf 
ging, so darf noch nicht vergessen werden, daß die 
Wurzeln seiner Kraft in vieler Herren Ländern 
namentlich aber in Deutschland lagen. Von da 
flössen ihm die reichen Einkünfte zu, dort wurden 
ihm die zahlreichen Beamten herangebildet. Städte 
und Herren nicht minder wie die Fürsten verliehen 
dem Orden Güter und Patronatsrechte über Kirchen 
und alle möglichen Liegungen. Ueberall im Reiche 
entstanden Ordenshäuser, Komthureien, die sich nach 
und nach zu zwölf B a l l e i e n verdichteten. Eine der 
wichtigsten derselben ist die hessische, wichtig durch 
den Umstand, daß der Orden als Besitzer der Stiftung 
der heiligen Elisabeth in Marburg in besonders hohem 
Ansehen stand, und weiterhin durch die Thatsache, 
daß eine große Anzahl hervorragender Beamten aus 
der Reihe der hessischen Ordensbrüder hervorgegangen 
ist, lieferte doch das Marburger Haus allein in der 
Zeit von der Entstehung der Ballei Hessen bis zum 
Anfang des 13. Jahrhundert drei H o ch m e i st e r : 
Konrad von Thüringen, Hartmann von Heldrungen 
und Burkard von Schwanden, und zwei Deutsch 
meister: Werner von Battenberg und Johann von 
Nesselrode. 
Die vorliegende Schrift verfolgt des Nähern die 
Entstehung der hessischen Ballei und versucht die 
Chronologie ihrer Komthure für tie Zeit des 13. 
Jahrhunderts festzulegen. Der erste Punkt, den der 
Orden in Hessen gewann, war die Kirche von Neichen 
bach nebst allem Zubehör, südöstlich von Lichtenau. Die 
Schenkung geschah durch die Grafen von Ziegenhagen, 
Falkenstein und Wcgebach im August 1207 in Nord 
hausen vor König Philipp. Ausführlich wird dann 
die Erwerbung von Marburg geschildert und dann 
die Reihenfolge der Marburger Komthure festgestellt. 
Ein Schlußkapitel behandelt diejenigen Besitzungen 
des deutschen Hauses zu Marburg, die sich später zu 
Kastnereien des deutschen Ordens herausbildeten, 
nämlich Seelheim, Kirchhain, Seibelsdorf, Amöneburg, 
Felsberg, Fritzlar, Obermöllrich. Dr. A. 
Wenn wir durch das herrliche Werrathal wandern, Berg 
auf, Thal nieder, dann begegnet unserem Blick manch burg 
gekrönter Hügel. Wie idyllisch liegt der Fürstenstein, wie 
romantisch der Bilstein, wie majestätisch die Boyneburg da! 
Dunkel aber sind dem Beschauer Geschichte und Geschicke 
der Geschlechter, die ehemals hier hausten. Herr Ober 
lehrer Stendel! hat es verstanden, in seinen „Bei 
trägen zur Geschichte der in der Umgegend 
der Stadt Eschwege ehemals angesessenen 
niederadligen Geschlechter", einem von ihm auf 
der diesjährigen Jahresversammlung des hessischen Geschichts 
vereins gehaltenen Vortrag, uns in der ihm eigenen klaren, 
anregenden und zugleich stilistisch vollendeten Schreibweise 
neben höchst interessanten Abschweifungen auf die hessische 
Geschichte im Allgemeinen über das viele Wissenswerthe, 
was uns der Kreis Eschwege wie überhaupt das ganze 
Werrathal in dieser Beziehung bietet, zu unterrichten. Nur 
durch das dankenswerthe Entgegenkommen seitens des 
Autors, dessen Wunsch dahin geht, daß in allen Kreisen 
der Bewohnerschaft unserer Gegend das Interesse an der 
höchst interessanten Geschichte unseres Adels wachgerufen 
und lebendig werden möge, ist es zu einer Drucklegung 
des Vortrags in Gestalt eines selbstständigen Merkchens 
gekommen, und nur hierdurch ist es möglich geworden, 
den Preis auf nur 50 Pfg. für das broschirte Exemplar 
festzusetzen. (Verlag von A. Roßbach, Eschwege.) 
Berichtigung. 
In der vorigen Nummer, Seite 223, Spalte 2, Zeile 3 
von unten, muß es statt 1)r. Eduard Heß heißen: 
Dr. Edmund Heß. 
Krieskasten. 
G. v. P. Marburg. Mit Dank angenommen. Wird in 
einer der nächsten Nummern gebracht. 
K. V. Mendorf et. d. L. Wie Sie sehen, gleich ver 
wendet. Verbindlichsten Dank. Der in Aussicht gestellten 
weiteren Zusendung sehen wir entgegen. 
P. H. Wiesloch. Wir bestätigen den Empfang Ihrer 
Zusendungen, durch die Sie uns recht erfreut haben. Der 
letzten haben wir die kurze Notiz entnommen, die Sie in 
der heutigen Nummer vorfinden; bezüglich des Abdruckes 
der ersten werden wir Ihnen in den nächsten Tagen brief 
lich Mittheilung zugehen lassen. 
A. T. Wien. Besten Dank und freundlichsten Gruß. 
Herausgeber und verantwortlicher Redakteur: F. Zwenger in Fulda, Druck und Verlag vonFriedr. Scheel in Kassel.
	        

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