Full text: Hessenland (6.1892)

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wurde er zum zweiten Kommandanten von Koblenz 
ernannt; später zum Oberst befördert, bekleidete er 
vom 26. Oktober 1878 bis zum 25. Januar 1881 
die Stelle eines Kommandanten von Wesel und 
trat dann in den Ruhestand. Die letzten Jahre 
seines Lebens verlebte er in Kassel. Oberst Friedrich 
von Baumbach galt schon in hessischer Zeit für einen 
sehr tüchtigen, ausgezeichneten Offizier, der sich der 
allgemeinen Hochachtung und Beliebtheit erfreute. 
Der am 26. August zu Kassel im 82. Lebens 
jahre verstorbene königliche Schloßinspektor Heinrich 
Rohde war eine in den weitesten Kreisen unseres 
engeren Vaterlandes bekannte und beliebte Persön 
lichkeit. Schon in früher Jugend, gleich nach seiner 
Konfirmation, war er bei dem Kurfürsten Wil 
helm II. von Hessen in den Hofdienst getreten. Er 
leistete diesem Fürsten die treuesten Dienste und 
gewann sich dessen Wohlwollen in hohem Grade. 
Nach dem Hinscheiden des Kurfürsten Wilhelm II. 
im November 1847 wurde Heinrich Rohde von 
dem Kurfürsten Friedrich Wilhelm die Verwaltung 
der Lichtkämmerei übertragen und später wurde er 
zum kurfürstlichen Haushofmeister ernannt. Nach 
der Annexion von 1866 trat er in gleicher Eigen 
schaft in preußische Dienste. Im Jahre 1870, zur Zeit 
als Kaiser Napoleon III. als Gefangener auf dem 
Schlosse Wilhelmshöhe internirt war, wurde Rohde 
mit der Schloßverwaltung dortselbst betraut. Dem 
Verblichenen war es vergönnt, nicht nur sein 50., 
sondern vor drei Jahren auch sein 60. Dienst 
jubiläum zu feiern. Bei der letzteren Gelegenheit 
wurde ihm der Titel »Schloßinfpektor" verliehen, 
nachdem er früher schon mit dem rothen Adlerorden 
und Kronenorden 4. Klasse, sowie mit der goldenen 
Verdienstmedaille dekorirt worden war. Dem von 
den Vorgesetzten wie von den Untergebenen hoch 
geschätzten Beamten werden alle, die ihn kannten, 
ein ehrenvolles Andenken bewahren. 
Am 5. September verschied zu Kassel nach 
längerem schweren Leiden im 61. Lebensjahre der 
Amtsgerichtsrath Ludwig Kn atz. Geboren am 
2. November 1831 zu Kassel als ältester Sohn des 
nachmaligen Oberappellationsgerichtsrathes Karl Knatz, 
besuchte er von Ostern 1840 bis Ostern 1849 das 
Gymnasium seiner Vaterstadt, studierte hiernach zu 
Marburg, Göttingen und Heidelberg Rechts- und 
Staatswissenschaft. In Marburg war er ein sehr- 
geschätzter Corpsbursche der Teutonia. Am 5. August 
1853 trat er nach sehr gut bestandenem Staats 
examen bei dem Obergericht in Kassel als Referendar 
in den juristischen Vorbereitungsdienst ein, wurde 
1861 zum Unterstaatsprokurator in Schmalkalden 
befördert und 1864 zum außerordentlichen Assessor 
am Kasseler Stadtgericht ernannt. Nach der Ein 
verleibung Kurhessens in Preußen wurde ihm die 
Amtsrichterstelle in Orb übertragen, und 1869 wurde 
er in gleicher Eigenschaft nach Oberkaufungen versetzt. 
Seit dem 30. November 1875 wirkte er als Ober 
amisrichter und seit Oktober 1879 als Amtsgerichts 
rath in Kassel. Der Verblichene war nicht nur ein 
sehr tüchtiger Gerichtsbeamter, er hat sich auch mit 
großem Eifer naturwissenschaftlichen Studien hin 
gegeben und war ein hochangesehenes Mitglied des 
Kasseler Vereins für Naturkunde, dessen Vorstande 
er eine lange Reihe von Jahren angehörte. Das 
Hinscheiden dieses durch Herzens- und Geistesbildung 
ausgezeichneten Mannes wird von allen, die ihn 
kannten, lebhaft beklagt. Ehre seinem Andenken, 
Friede seiner Asche! 
Am Nachmittage des 9. September starb zu 
Leipzig in Folge eines Schlaganfalles im besten 
Mannesalter unser kurhessischer Landsmann August 
S i e b ert, Kaufmann und königl. sächsischer Friedens- 
, richter. Die treue Anhänglichkeit an die hessische 
; Heimath hat er oft hervorragend bethätigt, und allen 
! Hessen in Leipzig war er als erprobter Freund und 
! Landsmann bekannt. Siebert bekleidete zudem viele 
Ehrenämter: er war z. B. Vorsitzender der Schützen 
gesellschaft, gehörte als rühriges Mitglied dem 
Sedan-Ausschuß, dem Vorstand des Samaritervereins, 
früher auch dem reformirten Konsistorium an. Leicht 
sei ihm die Erde! W. 
Hessische Sücherschau. 
D r. Fr iedrich Kurze, Di e H ersfelder und 
die größeren H i l d e s h e i m e r Jahrbücher 
bis 9 8 4. — Programm-Abhandlung deS 
Gymnasiums zu Stralsund (25 S.). 1892. 
Wie wir bereits in der Besprechung eines Schriftchens 
von Lorenz über die Hersfelder Annalen (Hessenland 
1887, Nr 14, S. 199) erwähnten, hat Waitz im 
Jahre 1838 nachgewiesen, daß die Uebereinstimmung 
der älteren Theile der Annalen Lambert's von Hers 
feld, der Weißenburger, Ouedlinburger und Hildes 
heimer Jahrbücher sich nicht durch die Annahme einer 
Benutzung des einen Autors durch die andern erklären 
läßt, sondern daß allen vieren ein verloren gegangenes 
Annalenwerk zu Grunde liegt. Die Beobachtung, 
daß die beiden zuerst genannten Annalen unter sich 
und auch die beiden andern unter sich eine nähere 
Verwandschaft bekunden, daß die Uebereinstimmung 
dieser letzteren bis 984, der ersteren bis ca. 990, 
aller vier unter einander aber nur bis 973 reicht, 
ließ Waitz einen Stammbaum der fünf Aunalenwerke 
aufstellen, dessen Darlegung und Erläuterung uns 
hier zu weit führen würde. Lorenz gelangt durch 
seine Untersuchungen zu einem anderen Ergebniß,
	        

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