Full text: Hessenland (6.1892)

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Mann von großer Gelehrsamkeit und Beredtsamkeit, 
von Sanftmuth und Milde geschildert. Unser hessischer 
Chronist Dilich nennt ihn: „cbristianis virtntibns in- 
primis modestia, moderantia et charitate inpauperes 
insignis“, und unser sonst so sarkastischer neulateinische 
Dichter Euricius Cordus rühmt ihn in dem Epigramme 
„ad Decianum de Adamo Cratone" u. a. als: 
„humanus, facilis, pius, benignus, 
castus, sobrius, eruditus, insons, 
non turpis cupidus lucri, hospitalis, 
omnesque denique, quas habere dotes 
debet, qui populum docet, minister, 
pleno praestat is absolutus orbe.“ 
Und wenn Apollo von Vilbel in seiner Chronik 
ein minder günstiges Urtheil über ihn fällt, so ist 
dies bei der Stellung dieses Chronisten als decanus 
maior des Stiftes Fulda dem Reformator Adam Krafft 
gegenüber, der zuerst (1523) in Fulda die neue Lehre 
predigte, leicht erklärlich. Aber auch der Direktor der 
Fuldaer Gelehrtenschule Dr. Dronke bemerkte bei An 
führung der bezüglichen Stelle aus den Fragmenten der 
Chronik Apollo's von Vilbel in seinem Aufsatze „Beiträge 
zur Geschichte Fulda's (Fuldaer Gymnasialprogramme 
von 184 (5) in einer Anmerkung, daß Adam Krafft 
eine große Toleranz gegen Anderslehrende ausgezeichnet 
haben soll. 
Aus Deimath und Fremde. 
Am Mittwoch, den 14. d. M., unternahm der 
hessische G e s ch i ch t s v e r e i n zu Kassel den 
bereits früher projektirten, aber wegen ungünstiger 
Witterung verschobenen Ausflug nach dem Hirz 
stein, an dem sich gegen fünfzig Herren und zehn 
Damen betheiligten. Dort angekommen, hielt der 
Buchdruckereibesitzer P h. D ö l l einen Vortrag über 
die nahe gelegene Schauenburg, der mit großem 
Beifalle aufgenommen wurde. Auf dem Rückwege 
wurde, wie das „Kasseler Tageblatt" berichtet, in 
der Wirthschaft zur „alten Drusel" eingekehrt, und 
hier entwickelte sich ein ungezwungenes Zusammen 
sein, bei welchem der Vorsitzende des Vereins, 
Bibliothekar Dr. H. Brunner, den Redner Ph. Döll 
hochleben ließ und dieser mit einem Toaste auf den 
hessischen Geschichtsverein erwiderte. Es folgten dann 
Trinksprüche auf die anwesenden Damen sowie auf 
unsere schöne Heimath, das Hessenland, aus dem noch 
die ergreifende Sage vom Hirz- und Hirschstein nach 
Ph. Hoffmeister's Aufzeichnungen in poetisch gefaßten 
Worten vom Vorsitzenden vorgetragen wurde. 
Am 12. September feierte zu Marburg der 
Rektor Dr. Christoph Jakob H e m p f i n g, der 
langjährige verdienstvolle Leiter des dortigen Real 
progymnasiums, sein fünfzigjähriges Amtsjubiläum. 
Dem jetzt im 71. Lebensjahre stehenden Jubilare, der nicht 
nur in den Kreisen seiner ehemaligen Schüler, son 
dern bei der gesammten Bürgerschaft in hohem An 
sehen steht, wurden reiche Ehrungen und sinnige 
Geschenke zu Theil. Der Provinzialschulrath 
Kannegießer überreichte ihm namens der Staats- 
regierung den rothen Adlerorden IV. Klasse mit der 
Zahl 50. Das Lehrerkollegium, die Stadtbehörde, 
das Schulkuratorium, das Gymnasium sowie viele 
Privatpersonen sprachen ihm ihre Glückwünsche aus, 
auch liefen zahlreiche Gratulationen von auswärts 
ein. Dem Gefeierten zu Ehren fand Mittags ein 
Festmahl im Museum und Abends im Saalbau ein 
Festkommers statt, der bei Gesang, Konzert und 
Toasten den schönsten Verlauf nahm. Möge es dem 
Jubilar, dem auch wir unseren herzlichsten Glück 
wunsch darbringen, noch recht lange vergönnt sein, 
in gleich segensreicher Weise der von ihm geleiteten 
Anstalt vorzustehen, wie dies seither der Fall war. 
Wie uns aus Baden von befreundeter Seite mit- 
getheilt wird, legte Professor Mathy in Karls 
ruhe bei Gelegenheit der Gedüchtnißfeier für die 
im deutsch-französischen Kriege 1870/71 gefallenen 
Söhne der Stadt Karlsruhe am dortigen Friedhofe 
auch auf dem Grabe des Generals 8 i n g g von 
L i n g e n f e l d , der dort vor 50 Jahren am 
21. Januar gestorben ist (s. „Hessenland", Jahrg. 
1892, Nr. 3), nach einer die Verdienste dieses 
deutschen Biedermannes, des Retters der Stadt 
Hersfeld im Jahre 1807, feiernden Ansprache einen 
Lorbeerkranz nieder. 
Nekrologe. Wie bereits gemeldet, verschied am 
24. August zu Kassel im Alter von 67 Jahren in 
Folge eines Schlaganfalles der Oberst z. D. Friedrich 
v o n B a u m b a ch. Der Verblichene, der Nentershäuser 
Linie entstammeud, Sohn des kurhessischen Ober 
forstmeisters F. K. W. von Baumbach, war am 
27. März 1825 geboren. Er widmete sich der 
militärischen Laufbahn, besuchte zu diesem Zwecke die 
Kadettenanstalt zu Kassel und wurde im Herbste 
1843 zum Sekonde-Lieutenant im 3. kurhessischen 
Infanterieregiment zu Hanau ernannt. 1847 wurde 
er zum 2. kurhessischen Infanterieregiment in Fulda 
versetzt, war daselbst Bataillonsadjntant und später, 
zum Premierlieutenant befördert, Regimentsadjutant. 
Nachdem er einige Zeit als Hauptmann den Dienst 
eines Divisionsadjutanten versehen hatte, wurde er 
1865 Flügeladjutant des Kurfürsten Friedrich Wil 
helm von Hessen, den er in die Gefangenschaft nach 
Stettin begleitete. Nach der Einverleibung Kur- 
hessens in Preußen trat er in königl. preußische 
Dienste, war zunächst Hauptmann und Kompagnie 
chef im 81. Infanterieregiment; am 22. März 1868 
wurde er unter Beförderung zum Major in das 
2. Garderegiment zu Fuß versetzt und 1873 zum 
Oberstlieutenant befördert. Am 11. August 1874
	        

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