Full text: Hessenland (6.1892)

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voll hing über dem zahlungsunfähigen Lande die 
Strafe einer allgemeinen Plünderung, die bereits 
angedroht war. Man scheute sich, die Waaren 
zur Frankfurter Messe abgehen zu lassen: war 
man doch nicht sicher, daß sie nicht zur Tilgung 
jener Landesschuld unterwegs konfiszirt würden. 
Nach dem Kriege, unter der trefflichen Regierung 
des späteren ersten Kurfürsten Wilhelm und 
seiner unvergleichlichen Mutter Maria, wurde 
der Seidenbau wieder aufgenommen, und während 
1743 nur etwa 13 Pfund 10 Loth Seide jähr 
lich gewonnen und das Pfund zu 6, wohl auch 
8, 9 und 10 Gulden verkauft worden war, stieg 
die jährliche Erzeugung 1768 auf 100 Pfund 
im Werthe von 10 bis 11 Gulden das Pfund. 
Die Seide wurde besonders gut zur Strumpf- 
fabrikatiyn befunden. 
Wiederum ist es ein Franzose, der aus der 
Languedoc gebürtige Seidenspinner Flessier, der 
die Seidenzucht überwacht. Auch Schweizer finden 
wir als seine Genossen, und im Gegensatz zu 
früheren Zeiten wandern jetzt auch Arbeiter 
aus Berlin zu. Die Eier bezog man meist aus 
Italien, aus Rom oder Roveredv, das noch heute 
der Hauptsitz der tiroler Seidenerzeugung ist. Die 
aus einheimischen Eiern gezogenen Würmer waren 
zwar widerstandsfähiger und kräftiger, allein sie 
wurden von Generation zur Generation kleiner 
und die Seide weniger fein und werthvoll. 
Als Muster blieben die Einrichtungen in 
Preußen bestehen. In einem Artikel des 
„Hanauischen Magazines" (1778, 26. Stück), 
dem wir einige der letzteren Angaben entlehnten, 
erwähnt ein Kundiger die Schwierigkeit, die es 
haben, den „kleinen Mann" zum Anpflanzen 
von Maulbeerbäumen zu veranlassen, während 
die Seidenzucht in Preußen (ähnlich wie heute 
die Bienenzucht allgemein) besonders für Schul 
lehrer und Pfarrer eine einträgliche Nebenein 
nahme liefere. Auch schlägt er vor, wie in 
Preußen die Kirchhöfe zu Maulbeerpflanzungen 
zn benutzen. 
Allen Bemühungen ist cs nicht gelungen, die 
Seidenkultur in Deutschland einzubürgern: das 
Klima hat sich dem widersetzt. Zum Troste 
derjenigen, die meinen, daß die kalten und nassen 
Sommer erst eine Errungenschaft der letzten 
zwanzig Jahre seien, mag zum Schluß noch an 
geführt werden, daß um 1778 dieselbe Klage 
erhoben und gleichfalls der ungünstigen Wit 
terung „der letzten Jahre" zugeschrieben wurde, 
daß die Seidenzucht nicht noch besser gedeihe. 
Schiit' dich Gott! 
Bin viel umhergepilgert 
Im deutschen Vaterland 
Und hab' manch' traulich Plätzchen, 
Manch' schönen Ort gekannt. 
Doch nie ist mir gegangen 
Solch' Glück zu Herz und Sinn, 
Seit ich in deinen Wäldern, 
In deinen Thälern bin. 
Seit weit mein Blick hinschweifet 
Von hoher Bergeswand 
Und meine Lieder grüßen 
Dich, grünes Hessenland! 
In dir will ich gesunden 
Von allem Gram und Leid. 
O Hessenland, du trautes, 
Behüt' dich Gott all'zeit! 
Kkkehard. 
Ach, t»os seng mer mnsikalisch!') 
(Schwälmer Mundart.) 
Bann die Mäje sich besichche 2 ) 
O die kleene Ken verkrichche 3 ), 
Gieh see speeln I; ö bann om Stohre I 
Peife schncire ongelore 
Sich die Jonge i de Weirefl, 
Senge see dos Lied: „Saft seirc." 
Bann mer jong seng, hängt voll Geijc 
Jnser Himmel; doch es schwefle 
Alle Flerefl, bann verdroimnelt 
Es dos Füll, ö bann verbommelt 
Es die Zeiht, ö bann verferreltfl 
Hans seng Gäld höt ö vcrzerrelt 9 ). 
Bann die Schnerch es äusgekneffe, 
Wod ehr doch wos vergepesfe. *°) 
Bann die Schweijerällern kneife, 
Beere da ce Lied ööch peife. 
Bann der die de Süje blose"), 
Steße see iS Honn '*), is große. 
Bann Hanswoscht es gürrer Lünne, 
Läßt hä die ööch äusposäune ’ 3 ). 
Ö bo mer Krakeel vernemmt, 
Es dr Doh net ree gestemmt.'fl 
Bo im Somp die Rühling rohre, 
Es dr Doh net igesrore. 'fl
	        

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