Full text: Hessenland (6.1892)

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Murad-Bey, den er einst selbst in der Schlacht 
am Berge Tabor getragen hatte. — 
Wir lassen hier noch den offiziellen Be 
richt über die Schlacht von Hanau in deutscher 
Uebersetzung folgen, den die „Gazette du Grand- 
Duche de Francfort du lg November 1813“ 
veröffentlichte. Daß es in demselben nicht an der 
bekannten französischen Schönfärberei lind Groß 
sprecherei fehlt, braucht wohl nicht besonders her 
vorgehoben zu werden. Einen wohlthuenden 
Eindruck macht dagegen die Schilderung des 
Marschalls Macdonald, der auch hier seinen 
geraden, aufrichtigen Charakter bethätigt und 
der Wahrheit die Ehre gibt. 
Der Kaiser hat am 25. Oktober Erfurt 
verlassen. Unsere (die französische) Armee 
setzte ihren Marsch nach dem Main un 
gehindert fort. Als man in Gelnhausen an 
kam, gewahrte man ein feindliches Corps, 4000 
bis 5000 Mann stark, welches nach der Aussage 
der gemachten Gefangenen die Avantgarde der 
österreichisch-bayerischen Armee war. Diese Avant 
garde wurde gedrängt und zum Rückzüge ge 
nöthigt. Eine vom Feinde zerstörte Brücke wurde 
auf's Schleunigste wieder hergestellt. Man hatte 
ferner durch die Gefangenen erfahren, daß die 
österreichisch-bayerische, Armee, deren Stärke auf 
60—70 000 Mann angegeben wurde, von 
Braunau nach Hanau sich bewegt hatte, in der 
Absicht, der französischen Armee den Weg abzu 
schneiden. 
Am 29. des Abends wurden die Tirailleurs 
der feindlichen Avantgarde bis jenseits des Dorfs 
Langenselbold zurückgeworfen, und um 7 Uhr kam 
der Kaiser mit seinem Hauptquartier daselbst an 
und stieg in dem Schlosse des Fürsten von Isen 
burg ab. 
Am folgenden Tage, den 30., Morgens um 9 
Uhr setzte sich der Kaiser zu Pferde. Der Herzog 
von Tarent(Macdonald) ging mit 3000 Tirailleurs, 
vom General Charpentier befehligt, vorwärts; 
ihm folgten die Kavallerie des Generals Se- 
bastiani, die vom General Friant kommandirte 
Division der Garde und die Kavallerie der alten 
Garde; der Rest der Armee befand sich noch um 
einen Tagmarsch rückwärts. Der Feind hatte 
sechs Bataillone bei dem Dorfe Rückingen auf 
gestellt, um so alle nach dem Rhein führenden 
Straßen abzuschneiden. Einige Kartätschenschüsse 
und eine Kavalleriecharge reichten hin, um diese 
Bataillone zum schnellsten Rückzüge zu bringen. 
Als man die Grenze des Waldes zwei Stunden 
von Hanau erreicht hatte, begannen die Tirailleurs 
das Gefecht. Der Feind wurde bis zu dem 
Punkte zurückgedrängt, wo die alte Straße sich 
mit der neuen verbindet. Da er der Ucber- 
legenheit unserer Infanterie nichts zu widersetzen 
vermochte, so versuchte er die Bedeutendheit seiner 
Masse zu seinem Vortheil zu benutzen und dehnte 
sein Feuer mehr auf den rechten Flügel aus. 
Eine Brigade von 2000 Tirailleurs vom zweiten 
Corps, unter Anführung des Generals Dubreton, 
mußte ihn zurückhalten und der General Se- 
bastiani ließ in den lichteren Stellen des Waldes 
auf die feindlichen Tirailleurs mehrere folgen- 
reiche Chargen machen. So hielten 5000 
Mann von unsern Tirailleurs die ganze feind 
liche Armee zurück bis um 3 Uhr Nackmiittags. 
Die Artillerie war angekommen. Der Kaiser be 
fahl dem General Curialmit zwei Jägerbataillonen 
der alten Garde eine Charge auf den Feind zu 
machen und ihn über den Ausgang des Waldes 
hinauszuwerfen. General Drouot mußte auf 
der Stelle mit 50 Kanonen vorrücken. General 
Nansouty erhielt den Befehl zu einem lebhaften 
Angriff in der Ebene mit dem Corps des Ge 
nerals Sebastiani und der Kavallerie der alten 
Garde. Alle diese Dispositionen wurden pünkt 
lich vollführt. General Curial warf mehrere 
feindliche Bataillone. Beim bloßen Anblick der 
alten Garde flohen die Oesterreicher und Bayern. 
General Drouot ließ fünfzehn Kanonen, die er 
nach und nach bis auf die Zahl von fünfzig 
vermehrte, in Batterien auffahren, mit der ganzen 
Thätigkeit und der kaltblütigeil Unerschrockenheit, 
welche diesen General auszeichnen. 
General Nansouty eilte aus den rechten Flügel 
dieser Batterien und ließ 10 000 Mann feind 
licher Kavallerie durch den General Levcque, 
Major der alten Garde, durch die Kürassier 
division St. Germain und nach und nach durch 
die Grenadiere und Dragoner der alten Garde- 
Kavallerie angreifen. Alle diese Angriffe hatten 
den glücklichsten Erfolg. Die feindliche Kavallerie 
wurde geworfen und zusammengehauen; mehrere 
Infanterie - Carres wurden durchbrochen. Das 
österreichische Regiment Jordis und die Ulanen 
des Fürsten von Schwarzenberg sind gänzlich 
aufgerieben. Der Feind verließ die Frankfurter 
Straße, auf welcher er sich pvstirt, und den 
ganzen Strich, den er mit seinem linken Flügel 
eingenommen hatte; er trat seinen Rückzug an, 
der bald in gänzliche Flucht ausartete. 
Es war 5 Uhr, die Feinde machten einen Ver 
such auf ihrem rechten Flügel, um dem linken 
Lust zu machen, und ihm Zeit zu lassen, sich 
wieder zu sammeln. Der General Friant schickte 
zwei Bataillone von der alten Garde nach einem 
Vorwerk auf der alten Straße von Hanau. Der 
Feind wurde bald daraus vertrieben und sein 
rechter Flügel genöthigt, den Rückzug anzutreten. 
Noch vor 6 Uhr Abends ging er in Unordnung 
über den Kinzigfluß zurück. 
Der Sieg war vollständig.
	        

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