Full text: Hessenland (6.1892)

wo der gemeine Wurm Neid kriecht und die 
Natter Verleumdung sticht". Nicht unerwähnt 
dürfen wir aber lassen, daß der wackere Direktor 
des Kasseler Gymnasiums, Di-, Friedrich Karl 
Weber, der Franz Dingelstedt stets ein wohl 
wollender Vorgesetzter war, in dem Gymnasial- 
prvgramme des Schuljahres 1838/39 ihm warme 
Worte der Anerkennung widmet und sein leb 
haftes Bedauern über das Scheiden dieses Lehrers 
ausspricht, der den Kollegen und Schülern lieb 
und theuer gewesen sei, und dessen Andenken ein 
bleibendes fein werde. 
(Fortsetzung folgt.) 
We Kchlacht von Hanau, 
nach den „Souvenirs du Marechal de Macdonald“. 
Mitgetheilt von F. Awenger. 
(Schluß.) 
lle meine Botschaften an den Kaiser, um ihn 
von dem Widerstände, den wir erfahren, 
o v und von der Verminderung unserer schwachen 
Kräfte zu benachrichtigen, endlich um von ihm 
rasche Sendung von Hilfstruppen zu verlangen, 
blieben erfolglos. Zum Glücke konnte der Feind 
unsere Schwäche nicht merken, da unsere Sol 
daten in dem Walde zerstreut waren. Man 
drängte mich, selbst zu dem Kaiser mich zu be 
geben, aber ich fürchtete, daß dadurch die Truppe 
entmuthigt würde. Da die Entfernung von 
dem Hauptquartier aber nur eine Viertelmeile 
betrug, so entschloß ich mich endlich dazu, und 
um die Aufmerksamkeit abzulenken, ließ ich einen 
neuen Kavallerieangriff unternehmen und ritt 
im Galopp ab. Nachdem ich den Kaiser ge 
troffen hatte, stellte ich ihm sehr energisch unsere 
Lage vor. „Was wollen Sie, daß ich hier thun 
soll," sagte er mit Gleichgiltigkeit, „ich gebe 
Befehle, und Niemand richtet sich danach, ich habe 
sämmtliche Kriegsequipage unter Bedeckung von 
Kavallerie auf einen Punkt vereinigen wollen, 
und Niemand ist gekommen." „Das glaube ich 
wohl", erwiderte ich; „viele haben die Einsicht 
oder den Instinkt und nehmen mit Recht an, 
daß die Verbindungswege, auf welche Sie dieselben 
leiten wollen, nicht freier sind als die unserigen; 
aber bemerken Sie wohl, daß unsere Lage keine 
gewöhnliche ist; es ist nothwendig, den Durch 
marsch zu erzwingen und, ohne einen Augenblick zu 
verlieren, alles, was Sie hier an Mannschaft zur 
Verfügung haben, zu schicken. Warum ist Ihre 
Garde nicht auf dem Marsche? In kürzester 
Zeit sind wir alle verloren, wenn sie nicht rasch 
eintrifft." „Ich kann hier nichts thun", ant 
wortete er mir kalt. Sonst, mit einem Zeichen, 
mit einer Geberde, mit einem kurzen Worte 
hätte er alles in Bewegung gesetzt. Indessen ließ 
er den Generalstabschef rufen, welcher behauptete, 
ebenfalls Befehle erlassen 31t haben. Er 
erneuerte sie; mau schlug Generalmarsch, und 
ich konnte mich mit dem erhaltenen Versprechen 
zurückbegeben, daß ein Theil der Garde ein 
treffen und zu meiner Verfügung gestellt werden 
würde. Die Verkündigung dieser Nachricht hob 
ein wenig den Muth der Soldaten. Man setzte 
das Gewehrfeuer fort, führte kleine Angriffe aus; 
doch die Garde kam nicht; die Ungeduld drohte 
überhand zu nehmen. Endlich nahm man die 
Bürenmützen wahr; ich machte darauf aufmerk 
sam und kündigte an, daß die Truppe uns 
ersetzen würde, und daß man sich ausruhen könne. 
Vier Jägerbataillone kamen an. Der 
General, welcher sie kommandirte, verlangte 
meine Befehle. Ich ließ die Hälfte als Plänkler 
sich entfalten und die beiden anderen Bataillone 
in Linie sich aufstellen. Sie traten in's Treffen. 
Der Anblick der Bärenmützen allein bewirkte, 
daß der Feind, welcher aus dem Gehölze heraus 
getreten war, zurückwich; allein es war noch 
schwierig, vorzurücken und selbst die Lisiere zu 
besetzen, der Feind schoß mit Kartätschen und 
warf Granaten. Man stand fest, das war schon 
viel. Der Kaiser erschien, gefolgt von seiner 
Garde und anderen Corps. Er fragte mich um 
Auskunft, die ich ihm gab, indem ich die feind 
lichen Kräfte aus mindestens dreißigtausend 
Mann schätzte. „Kann man ohne Gefahr die 
Stellung sehen?" fügte er hinzu. „Ohne Ge 
fahr, nein," erwiderte ich, „aber es ist noth 
wendig , sich derselben auszusetzen, wie ich es 
selbst gethan habe." — „Wohlan, vorwärts!" 
Wie er sich in Bewegung setzte, siel und platzte 
eine Granate neben ihm, ohne irgend Jemand 
zu verletzen. Alsbald hielt er an, stieg vom 
Pferde, und von da bis zum Abend gab es kein 
Mittel, ihn aus dem Walde zu bringen. Er 
beauftragte den General Drouot einen Platz 
auszuforschen, um daselbst die Artillerie der 
Garde aufzustellen. Die Gefahr war drohend,
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.