Full text: Hessenland (6.1892)

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lus dem Heben Man; Hmgelstebl's. 
Altes und Neues. 
Von F. Iw eng er. 
(Fortsetzung.) 
Qlm 20. Oktober 1837, dem Jahrestage der 
Stiftung des literarischen Kränzchens 
„Stiftshütte" erschien das „Hessische 
Album für Literatur und Kunst, heraus 
gegeben von Franz Dingelstedt". Die Bereins- 
mitglieder feierten dies Ereigniß durch eine 
besondere Festlichkeit im „Landgrafen Karl". 
Eduard Beurmann, ein Bremer Advokat, 
der zu Frankfurt im Verein mit Karl Gutzkow 
den „Telegraphen" begründet und bei Verlegung 
dieser Zeitschrift nach Hamburg zeitweilig seinen 
Wohnsitz in Kassel genommen hatte, hielt eine 
witzige Taufrede, Friedrich Oetker lieferte eine 
scherzhafte Geschichte des Kränzchens, und des 
„zweimaligen Fluchtauszuges" sowie der Ent 
stehung des „Albums", und Franz Dingelstedt 
sprach den „Zimmerspruch", den wir hier folgen 
lassen: 
Deß walte Gott in diesen Hallen, 
Mit seinem Wort und seinem Geist! 
Der Tempel steht, die Fahnen wallen, 
Im Morgenroth die Zinne gleißt. —- 
Deß walte Gott, der sich in Güte 
Dem Schönen wie dem Wahren neigt, 
Zu dem der frische Duft der Blüthe 
Und reifer Früchte Brodem steigt. 
Der Tempel steht. — Herein mit Allen, 
Die heit'rer Kunst sich sinnig weih'n, 
Die sich im Schönen noch gefallen, 
Doch ohne Ernstem fremd zu sein; 
Herein mit Jedem, nah' und ferne, 
Im vielgeliebten Vaterland, 
Der je in's dunkle Leben gerne 
Der Dichtung grüne Kränze wand. 
Der Tempel steht. — Heran, ihr Schwingen, 
Die sich in erster Kraft gedehnt 
Und die, zum Ziel emporzudringen, 
Nach einem Wege scheu gesehnt; 
Hervor, ihr Strahlen, lang verborgen, 
Zerfahren ohne Schein und Tag, 
Daß sich in einem großen Morgen 
Die große Nacht entzünden mag; 
Ein Morgen, wie die Zeit ihn ahnte, 
Aus der der erste Funke stob, 
Da sich der Geist, der neu gemahnte, 
Der alten Finsterniß enthob, 
Die Zeit, da über Hessens Gauen 
Das Morgenroth der Dichtung flog, 
Und da durch frühlingsgrüne Auen 
Hubertus*) mit der Harfe zog. 
So stehe da im ernsten Leben, 
Der Hütt' und dem Palast verwandt, 
Von Bet- und Handels-Haus umgeben, 
Du Haus der Kunst, in Gottes Hand; 
Und drinnen sollen die sich rühren, 
Die, süßer Arbeit nimmer satt, 
Das stark und treu zu Ende führen, 
Was sie der Geist geheißen hat! 
Nur das sei fern: das kleine Dichten 
Und Trachten, wie's gewöhnlich geht, 
Das Deuteln und Splitter-Richten, 
Des Sinnen auf Gemeines steht; 
Verwitt're das in seichter Breite, 
Was stets am Eignen haften bleibt, 
Zersplittere das in leichtem Streite, 
Was keine bess'ren Keime treibt! 
Uns aber laßt in starkem Streben, 
Die Brust für Höheres entbrannt, 
Die jungen Flügel freudig heben. 
Für freie Kunst und Vaterland! 
Auf daß es drinnen Frühling werde, 
Ein Dichterfrühling, mild und klar, 
Wie's draußen auf der schönen Erde 
So oft ein schöner Frühling war! — 
Hat nun das „Hessische Album" gehalten, was 
dieser „Zimmerspruch" versprochen, hat es die 
Hoffnungen gerechtfertigt, die sich an sein Er 
scheinen knüpften? Wir vermögen diese Fragen 
nicht unbedingt mit ja zu beantworten. Es 
enthält Gedichte, Novellen, Erzählungen it. s. w., 
*) Der Dichter Ernst Koch, der Verfasser des „Prinz 
Rosa Stramin", der unter dem Namen seine „Vigilien" 
veröffentlichte.
	        

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