Full text: Hessenland (6.1892)

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„Der mit der rothen Leiter, 
Wer ist der junge Fant?" 
Frägt Wernher von der Plesse, 
Der Kölner Domdechant. 
„Das ist die Hakenleiter, 
Mit der ich jüngst erstieg 
Dein Schloß, die hohe Plesse!" 
Der Kämpe sprach's und schwieg. 
„Ei," rief der alte Degen, 
Zum jungen froh gewandt, 
„Nahmst Du die hohe Plesse, 
Da nimm auch meine Hand! 
Du stiegst mit hehrem Muthe 
Zu meinem Schloß hinan 
Und hast's am Hellen Tage 
Recht wie ein Held gethan. 
Dein ,Do 'nup!‘ riefst du lustig 
Und eiltest kühn voran, 
Und ,Do 'nup!' riefen Alle 
Und folgten Deiner Bahn. 
Und Do 'nup sollst du heißen, 
Du tapfrer Feuerbrand, 
Die Donups sollen blühen 
Im deutschen Vaterland!" 
Der Jüngling stand bescheiden, 
Nur zögernd schlug er ein, 
Das schien ihm zuviel Ehre 
Für seine That zu sein. — 
Am Abend hat im Stechen 
Gewonnen er den Preis, 
Der Kaiser schlug zum Ritter 
Das junge Edelreis. 
Doch Donup hieß im Lande 
Nach ihm sein ganz' Geschlecht, 
Erprobt in manchem Streite 
Und blutigem Gefecht. — 
Es trotzt' dem Sturm der Zeiten 
Der Donops *) edles Haus, 
Und Karl der Fünfte machte 
Ein freiherrlichcs d'raus. 
Noch heut' im Silberschilde 
Die rothe Leiter steht, 
Voran die Donops immer, 
Wo's irgend aufwärts geht. 
*) In der hessischen Geschichte ist dem Staatsminister, 
Geh. Rath und Generallieutenant Grafenvon Donop 
ein ehrenvolles Andenken gesichert. Or. Hugo Brunner 
berichtet in seiner Schrift: „Die Politik Landgraf Wilhelm's 
VIII. von Hessen u. s. w." von ihm: „August Moritz von 
Donop stammte aus einem alten lippischen Adelsgeschlechte. 
Geboren 1694 als Sohn des Geh. Rathes und Landvogtes 
des Fürstenthums Lippe Levin Moritz von Donop war er 
frühzeitig in den hessischen Militärdienst getreten, wo er 
Aus alter und neuer Zeit. 
Unter den Vielen, welche in den schönen Julitagen 
die Wilhelms höhe bei Kassel besucht haben 
und hinaufgestiegen sind bis zur waldumrauschten 
Herkulesstatue, werden nur Wenige gewesen sein, welche 
wußten, daß in demselben Monat zweihundert Jahre 
verflossen waren seit der Geburt des Schöpfers der 
selben. In unserer Zeit der Jubiläen und Gedenk 
tage dürfte es nicht unbillig erscheinen, auch einige 
Zeilen der Erinnerung dem zweihunderlsten Ge 
burtstage des Mannes zu widmen, der fünfund 
zwanzigjährig das Standbild schuf, welches nun bald 
zwei Jahrhunderte an sich vorbeiziehen sah. — Durch 
die Güte eines der Nachkommen jenes Meisters, — 
Otto Philipp Küper war sein Name, — ist 
es mir möglich gewesen, bei der Ausführung meiner 
Absicht zugleich ein altes Pergament, den Geburtsbrief 
Küper's, zu veröffentlichen. Ich lasse seinen Inhalt 
unverändert folgen. 
»Des durchleüchtigsten Fürsten und Herren, Herren 
Carln, Landgrafen zu Hessen, Fürsten zu Hersfeldt, 
Grafen zu Katzenelnbogen, Dietz, Ziegenhayn, Nidda 
und Schaumburg rc. Meines Gnädigsten Fürsten 
und Herren zu dero Meßinghof und Kupferhammer 
bestelter Verwalter, Joh. Otto Philipp Kleinschmidt 
uhrkunde und bekenne hiermit gegen Jedermänniglich, 
Welchergestalt der Ehrsame Meister Christoph Küper 
von Goßlar unterm Hartz gebürtig hiebevor ins 
Zehende Jahr unter mir gewesener Meister des 
hiesigen fürstl. Meßing Schmeltz Werks, mir durch 
Schreiben zu vernehmen gegeben, daß Er seinen 
jüngsten Sohn Otto Philip pKüper, das Kalt 
Kupfer Schmied oder Ausarbeiter Handwerk umb 
von dieser Profession hiernächst sein stück brod dadurch 
haben zn können, lernen zu lassen gesinnet, worzu Er 
im Jahre 1734 als Oberst den Feldzug gegen Frankreich 
unter Prinz Eugen mitmachte. Von 1741 bis zum 
Aachener Frieden (18. Oktober 1748) führte er das nach ihm 
benannte (spätere zweite, jetzige 82.) Infanterieregiment im 
österreichischen Erbfolgekrieg, stieg, nachdem er 1740 
Generalmajor geworden, 1744 zum Generallieutenant auf 
und wurde von Kaiser Karl VII. zur Belohnung seiner 
Verdienste in den Reichsgrafenstand erhoben. Nach Be 
endigung des Krieges, in dem das Regiment abwechselnd in 
Brabant, Baiern, am Rhein und in Schottland gefochten 
hatte, wurde Donop Geheimer Staatsminister und Prä 
sident des Kriegskollegiums und sollte sich nun auch auf 
einem anderen Felde als dem der Schlachten bewähren." 
„Er war nicht nur ein Manu von großer persönlicher 
Liebenswürdigkeit, der eine weit ausgebreitete Bekanntschaft 
besaß, er war vor allem ein treuer Diener des landgräflichen 
Hauses, und seine Rechtlichkeit und Unbestechlichkeit waren über 
allen Zweifel erhaben. Dies bewährte sich noch im Jahr 1756, 
zur Zeit als der französische Hof mit Hessen-Kassel wegen 
des Abschlusses emes Subsidienvertrages Unterhandlungen 
anknüpfen ließ. Man bot Donop, wenn er als Präsident 
des Kriegskollegiums seinen Einfluß geltend machte, eine 
Belohnung von 100 000 Dukaten, allein vergeblich. Er 
antwortete; er sei wohl bereit, sein Leben für seinen Herrn 
zu opfern, ein Schurke und Verräther aber könne er nicht 
werden. Donop starb 1762 im November zu Rinteln." —
	        

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