Full text: Hessenland (6.1892)

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mein Lieb in mein Haus, und fand ich mich 
auch in allem Uebrigen nicht getäuscht, mein 
Haus ist nicht einsam geblieben, sondern viele 
Freunde sind in ihm eingekehrt und viele Freuden. 
Dennoch ist der Kampf nicht ganz ausgeblieben, 
Christinchen kämpfte um ihr Leben, um ihr 
Szepter, sie kämpfte wie eine Löwin, aber sie 
wurde sanft und gelinde immer mehr zurück 
gedrängt bis in den Käfig, da konnte sie brummen. 
Später freilich, als unser Friedrich geboren 
wurde, gab sie sich zufrieden, und dieser Drache, 
welcher unseren Schatz bewacht, hat es denn schließ 
lich verstanden, von dieser Stelle aus das Haus 
Menger in alter Weise zu lenken. Und nun 
kam auch der Onkel Hieronymus zu Ehren, das 
Perpetuum mobile hat er aufgegeben, aber es 
ist nicht zu sagen, welch eine Menge jener köst 
lichen singenden, klappernden und schnarrenden 
Kunstwerke im Berghof das Tageslicht erblickt hat. 
Eines Tages waren wir auf der Wilhelms 
höhe. Ursula hatte ich auf einer Bank kaltblütig 
allein gelassen, aber was war zu thun, mein 
kleiner Friedrich verlangte die Schwäne zu sehen. 
Da stieg gerade einer aus der grünschimmernden 
Fluth zu der Grotte hinauf, in deren Tiefe eine 
mächtige Göttergestalt aufgestellt ist. 
„Was ist das für ein weißer Mann?" fragt 
Friedrich. 
„Ich glaube, es ist der Neptun, der Meer 
gott, wie die Heiden meinten." 
„Aha," sagt mein Sohn, „der also. Dann 
ist dieser Schwan auch der böse König, der 
seine Kinder im Wasser ertränkte und vom 
Meergott in einen Schwan verwandelt wurde. 
Jetzt will er sich anschmeicheln, so einer!" 
Ich sehe meinen gelehrten Knaben bedenklich 
an. „Friedrich, wir wollen doch lieber die 
Mama fragen, wie sich die Sache verhält." 
Nun nehme ich mein Lieb an den Arm, und 
wir wandern in den schönen Wald hinein. Am 
nahen Gasthof spielt die Kurkapelle, und die 
prächtige Hörnermusik begleitet uns auf unseren 
stillen Pfaden. Unter uns ruht die Stadt mit 
ihren vielen Giebeln, und daneben blicken zahl 
reiche freundliche Dörfer aus duftigein Grün 
hervor. Ganz in der Ferne tauchen die blauen 
Berge auf. hinter denen Germerode liegt. 
„Im nächsten Frühling gehen wir hinüber", 
bittet Ursula. 
„Jawohl", sage ich. „Wir werden unter den 
grünen Bäumen wandeln, wir suchen am Rain 
die Veilchen und die blauen Anemonen." 
Da schaut Ursula ernst zu mir ans. Daun 
nickt sie mir in ihren alten Weise zu: „Die 
Haupsache ist, der Friedrich braucht einen Flitz 
bogen." 
„Du solltest ihm lieber eine lateinische 
Grammatik geben," scherze ich, „damit er seinen 
Ovid besser studirt. Er hat vorher die Geschichte 
vom König Cycnus gründlich durcheinander ge 
worfen." 
„Nur Geduld", antwortet Ursula. „Nun, Fri- 
dericns, die, quaeso, rede und blamire mich 
nicht. Wie heißt der Vers? Neue—?" 
Und nun spricht eine zarte Kinderstimme: 
Mensa der Tisch, 
Piscis der Fisch, 
Domus das Haus, 
Mus die Maus. 
„Ja, ein Haus muß das Mäuschen haben," 
spricht mein Weib, indem es den Lockenkopf 
streichelt, „sonst ist das arme Thierchen ganz 
unglücklich." Sie wendet sich nun zu mir: „Heute, 
an unserem Hochzeitstag, danke ich Dir, Du 
Lieber, daß Du mich in Dein Haus geführt 
hast. Die dunklen Zeiten liegen nun weit hinter 
mir. Ich habe reiches Glück gefunden und in 
diesem Glück alles Schmerzliche vergessen, in 
Deiner Liebe, Du theurer Mann." 
Der Do 'r»«p! 
Mitgetheilt durch Minka Henkel. 
Die Edlen Niedersachsens 
Einst zogen zum Turnei, 
Es führten die stattlichen Ritter 
Manch liebliches Fräulein herbei. 
Und an den Schranken blitzte 
Gar krieg'risch Schild an Schild, 
An alte Ehrenzeichen 
Reiht' sich inanch neues Bild. 
Der Herold prüft die Wappen 
Gestreng nach seiner Kunst, 
Da hilft vom kleinsten Makel 
Selbst nicht die größte Gunst. 
Die jungen Persevanten 
Stehn rings im Kreis umher, 
Begierig wollen sie lernen 
Der Wappen geheime Lehr'. 
Da tritt ein junger Kämpe 
Hervor mit blankem Schild, 
War eine rothe Leiter 
Darauf das Wappenbild.
	        

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