Full text: Hessenland (6.1892)

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einen, so zn sagen, sonveränen Stempel ans. — 
Die Landgrafen und Kurfürsten von Hessen 
haben alle Zeit an der sprichwörtlichen Blind 
heit ihrer getreuen Unterthanen ihr ehrlich 
Theil gehabt, sich abseits und für sich 
gehalten, ihr eigenes Versailles aus ihrer 
Stadt und ihrem alten Weißenstein sich erbant. 
Weder ans Napoleon's Kriegsbäckerei, noch aus 
der Fabrik des Wiener Kongresses ließen sie 
sich eine neubackene Königskrone oder einen 
Großherzogshut auf's Haupt stülpen. Sie 
drückten sich allein unter dem halben Schock 
deutscher Bundessürsten den alten Kurhut fest 
und trotzig in die Stirn. Das war gut hessische, 
wenigstens alt hessische Art. Sie spiegelt sich, 
ausdrucksvoll und bestimmt, anch im Bilde der 
Hauptstadt ab." 
Wer will es in Abrede stellen, daß in dieser 
Schilderung viel Wahrheit liegt. 
(Fortsetzung folgt.) 
Me Kchlachl von Aanau, 
nach den »^onvsuirs cku Marccllal cks Macdonald“. 
Mitgetheilt von 
jflie französische Memoirenliteratur hat durch die 
JET soeben im Verlage von Plon in Paris er- 
Ox schienenen „Souvenirs du Marechal 
de Macdonald, duc de Tarente“ eine neue 
werthvolle Bereicherung erfahren. Wir erwähnen 
diese Schrift, weil in derselben ein Gegenstand, 
der für uns Hessen von ganz besonderem In 
teresse ist, ausführlicher zur Sprache kommt: die 
Schilderung der Schlacht von Hanau, au welcher 
Marschall Macdonald als Führer der französischen 
Armee einen hervorragenden Antheil hatte. 
Viel ist bereits über dieselbe geschrieben worden, 
die Urtheile über die Schlacht selbst gehen weit 
ans einander. Um so willkommener muß daher die 
Darstellung sein, welche uns hier eine Autorität 
wie Macdonald, dessen Zuverlässigkeit und Ehren 
haftigkeit außer allem Zweifel steht, liefert. Wir 
werden die Schilderung unten anszugsweise wieder 
geben, vorher mögen uns einige einleitende Worte 
gestattet sein. 
Jakob Stephan Joseph Alexander Macdonald 
entstammte einem schottischen Geschlechte. Er 
war zu Sancerre im Departement Cher am 
17. November 1765 geboren. Eigentlich für den 
geistlichen Stand bestimmt, träumte er, nachdem 
er in einer schottischen Lehranstalt, welche zugleich 
die militärische Vorbildung vermittelte, den Homer 
gelesen, von dem Lorbeer Achill's. Er trat 1784 
zunächst in holländische Dienste, diente dann als 
Offizier in dem meist aus Irländern gebildeten 
französischen Regimente Dillon. Als Soldat 
der Revolution kämpfte er in Belgien und wurde 
schon 1793 Brigadegeneral. In den nächsten 
Jahren focht er mit Auszeichnung am Rhein, in 
Italien und in der Schweiz. Nach dem Sturze 
der Direktorialregierung schloß er sich Napoleon an, 
doch stand er bei demselben nicht in besonderer 
F. Iwenger. 
Gunst, dazu war er ein zu freimüthiger, allem 
höfischen Wesen tief abgeneigter Mann. Von 
1804 bis 1809 lebte er halbvergessen in Un 
gnade, aber dann erinnerte sich Kaiser Napoleon 
dieses verdienten Generals, der, wie Thiers schreibt, 
einer der unerschrockensten Offiziere der französischen 
Armee war, reich an Erfahrung, ein guter Führer, 
kaltblütig und fähig, sich Gehorsam zu verschaffen. 
Bei Wagram erwarb er sich den Marschallstab, 
und später wurde er zum Herzog von Tarent 
erhoben. Im russischen Feldzuge stand das 
preußische Corps unter seinem Befehle. An den 
letzten Kämpfen des Kaiserreichs war er in her 
vorragender Weise betheiligt. Er diente dem 
Kaiser Napoleon, was dieser selbst anerkannte, 
bis zu seiner Abdankung mit unwandelbarer Treue, 
schloß sich ihm aber, nachdem er einmal in den 
Dienst der Bourbonen getreten war, während der 
hundert Tage nicht an. Im November 1830 legte 
er aus Gesundheitsrücksichten sein Amt als Groß 
kanzler der Ehrenlegion nieder und zog sich auf 
sein Landgut Courcelles zurück, wo er im Jahre 
1840 gestorben ist. 
Zur Belehrung für seinen Sohn schrieb Mac 
donald während der Restaurationszeit seine Er 
innerungen nieder, die er im Jahre 1826 be 
endete. Seine Enkelin, die Baronin de Pommercul, 
hat sie dem französischen Akademiker Rousset 
übergeben, und dieser hat sie jetzt unter dem 
oben angeführten Titel erscheinen lassen. Mac 
donald versteht es. gut zu erzählen. Für die 
Ereignisse insbesondere der Jahre 1809 und 1812 
bis 1815 sind seine „Erinnerungen" eine Quelle 
ersten Ranges. 
Nach dieser Einleitung wenden wir uns nun 
zu dem eigentlichen Thema nnserers Artikels, der 
Schilderung der Schlacht von Hanau.
	        

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