Full text: Hessenland (6.1892)

211 
Plastik schwand seine Vorliebe zum Graviren in Stahl, 
so daß er von nun an sich vollständig der Bild 
hauerei widmete. Wiederholt wurden dem strebsamen 
akademischen Schüler Ehrenpreise, bestehend in silbernen 
und goldenen Medaillen, zuerkannt. Seine Studien 
setzte er in München fort. Hier kam ihm Schwan- 
thaler freundlichst entgegen, und in dessen Atelier 
modellirte er nach Angabe dieses großen Künstlers 
eines der Basrelifs für das nach Salzburg bestimmte 
Mozart-Denkmal. 
Im Winter 1842/43 kehrte er von München 
nach Kassel zurück. Hier löste er die von der Aka 
demie der bildenden Künste gestellte Preisaufgabe: 
„Darstellung einer sich retten wollenden Menschen 
gruppe aus der Sündfluth", in befriedigendster Weise. 
Es wurde ihm dafür ein Reisestipendium von 1000 
Thalern verliehen, welches es ihm ermöglichte, im 
Jahre 1844 seine Wanderung nach Italien anzutreten. 
Vorher hatte er ein Werk angefertigt, daß die 
lobendste Anerkennung Ranch's und Schwanthalers 
fand, „ein ans dem Turnier zurückkehrender siegreicher 
Ritter zu Pferd", welches die Offiziere der kur 
hessischen Kavalleriebrigade dem aus dem aktiven 
Dienste ausscheidenden General von Eschwege zum 
Geschenk bestimmt batten. Diese Reiterstatue wurde von 
dem älteren Bruder Gustav Kaupert's, dem trefflichen 
Gold- und Silberarbeiter Werner Kaupert, in Silber 
ausgeführt und erfreute sich auf der Berliner Gewerbe 
ausstellung im Jahre 1844 eines bedeutenden Bei 
falls. In jene Zeit des Kasseler Aufenthalts unseres 
Künstlers fällt noch eine größere Anzahl von Arbeiten, 
wie Studienköpfe, Portraitbüsten, „der sterbende Achill", 
Kompositionen aus dem Nibelungenlied, „der Abschied 
der hl. Elisabeth von ihrem Gemahl" :c. rc. 
Auf seiner Reise nach Italien besuchte Kaupert 
in München seinen alten wohlwollenden Lehrer 
Schwanthaler, auf dessen Rath und in dessen Atelier 
er die etwa acht Fuß hohe Statue eines einen 
Löwen erlegenden Jägers, welcher, in's Hüfthorn 
stoßend, die Jagdgenossen herbeiruft, modellirte. 
Diese Statue kam in München zur Ausstellung und 
fand die günstigste Ausnahme seitens der Kritik. 
Kaupert schickte dieses Werk als Zeichen seiner Fort 
schritte an die Kasseler Akademie. 
Gegen Ende des Jahres 1845 traf Kaupert in 
Rom ein. Dort wurde er von seinem alten Lehrer 
und Freunde Werner Henschel auf das Freundlichste 
aufgenommen. Zunächst widmete er seine Zeit dem 
Studium der Antike, dann löste er die von der 
Akademie San Luka in Rom für Bildhauer aller 
Nationalitäten ausgeschriebene Preisaufgabe: „eine 
Gruppe aus dem Bethlehemitischen Kindermorde" in 
solch trefflicher Weise, daß ihm dafür der erste Preis, 
bestehend in einer großen goldenen Medaille, zu 
erkannt wurde, eine Ehre, welche seit 50 Jahren 
keinem Deutschen zu Theil geworden'sein soll. In 
Rom erhielt er von Frau Crunelius aus Frankfurt 
a. M. den Auftrag zur Ausführung eines größeren, 
„die Mutterliebe" darstellenden Werkes, das in der 
Villa der Frau Crunelius in Baden-Baden seine 
Aufstellung gefunden hat. 
Ein anderes Werk während seines Aufenthaltes 
in Rom, welches dem Künstler Ruhm und Ehre 
einbrachte, war die Vollendung des für das Kapitol 
in Washington bestimmten Washington-Monumentes. 
Der amerikanische Bildhauer Cramford, welcher mit 
der Ausführung desselben beauftragt war, erkrankte 
während der Arbeit, er übertrug nun die Fortführung 
derselben unserem Landsmanne Gustav Kaupert. 
Dieser modellirte nach den Cramford'schen Skizzen 
die 14 Fuß hohen Statuen Masson's und Marshall's, 
welche allgemeine Anerkennung fanden. Sie wurden 
in München in Erz gegossen. Auch die kolossalen 
Thüren zu dem Kongreßgebäude in Washington 
wurden von Kaupert ausgeführt. Von den sonstigen 
nennenswerthen Kompositionen ans jenex Zeit sind 
hier noch anzuführen: ein Apollo; „der Frühling des 
Lebens" (ein blasender Faun und eine Bacchantin); 
eine Susanna; eine Sappho, Basreliefs, die Geschichte 
Heinrichs I. des Finklers vorstellend; „die vier 
Jahreszeiten" rc. rc. 
Im Jahre 1858 kam Kaupert nach Deutschland 
zurück. Während seiner Anwesenheit in Kassel wurde 
ihm von Frau Pfeiffer der Auftrag, ein Grabdenk 
mal für ihren verstorbenen Gatten zu entwerfen. 
Von mehreren Kompositionen wählte die Bestellerin 
diejenige, welche den „Engel der Auferstehung, eine 
Leidtragende tröstend" darstellt. Das Monument 
kam zur Ausführung und bildet eine Zierde des 
neuen Friedhofes. Für Frankfurt schuf Kaupert 
eine „Victoria" sowie eine Portraitbüste von Boerne. 
Eines seiner bedeutendsten Werke bleibt aber immer 
der „schlafende Löwe" in der Karlsaue, dessen wir 
oben schon Erwähnung gethan haben. Das in 
weißem Marmor ausgeführte Denkmal ist bekanntlich 
auf derselben Stelle errichtet, auf der einst, am 
16. Februar 1807, der hessische Sergeant Jakob 
Schuman von Eschwege als erster Insurgent gegen 
die französische Fremdherrschaft erschossen wurde. 
Im Jahre 1867 wurde Gustav Kaupert als 
Professor der Bildhauerkunst an das Städel'sche 
Institut berufen. Auch dort entfaltete er als Lehrer 
wie als ausübender Künstler eine sehr bedeutsame 
Wirksamkeit. Es würde zu weit führen, wenn wir 
in unserer Skizze alle seine Werke namhaft machen 
wollten, geht doch schon aus dem bisher Mitgetheilten 
zur Genüge hervor, wie schöpferisch die Thätigkeit 
des Künstlers von seiner frühesten Jugend an bis zu 
seinem höchsten Alter gewesen ist. Nur noch einiger 
seiner jüngeren Werke wollen wir hier gedenken, 
es sind ein Christus und mehrere Apostelstatuen für 
die Basilika in Trier. 
Gegenwärtig läßt Gustav Kaupert an der Stelle 
seines väterlichen Hauses vor dem Schlosse ein monu-
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.