Full text: Hessenland (6.1892)

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wurde berichtet. Hiernach gab Dr. Brunner Nach 
richt von dem Ausscheiden des langjährigen Vor 
sitzenden, des Majors a. D. K. von Stamford, der 
großen Verdienste desselben um den hessischen Ge- 
schichtsvereins mit herzlichen, dankbaren Worten ge 
denkend. Sodann fand die Wahl des neuen Vor 
standes statt, bei welcher auf Antrag des Dr. Wacker- 
mann-Hanau der Bibliothekar Dr. Hugo Brunne r 
durch Akklamation zum ersten Vorsitzenden 
gewählt wurde. Die Namen der Mitglieder des 
neuen Vorstandes haben wir bereits in der vorigen 
Nummer unserer Zeitschrift angeführt, doch wieder 
holen wir sie hier. Es besteht der neue Vorstand 
aus den Herren: Bibliothekar Dr. Brunne r, 
V orsitzender; Landesrath Dr. Knorz, Stell- 
v e rtr e t e r d e ss e lb e n; Bibliothekssekretär Dr. S ch e r er, 
Schriftführer; Custos Lenz, Rechnungs 
führer; Museumsdirektor Dr. Eisenmann, 
Konservator; Major a. D. von L ö w e n st e i n, 
Bibliothekar. Wir stehen nicht an, die Wahl 
dieses neuen Vorstandes freudigst zu begrüßen und 
dieselbe als eine ganz vortreffliche zu bezeichnen. 
Zn weiterem Verlaufe der Versammlung berichtete 
Konservator Dr. B icke ll-Marburg über die 
Schritte, welche seitens der Regierung zur Erhaltung 
und Pflege der Denkmäler geschehen, und richtet an 
die Versammlung die Bitte, mit allen Kräften dahin 
zu wirken, daß die noch vorhandenen Denkmäler 
früherer Zeiten erhallen und womöglich dem Aufbe 
wahrungsort für monumentale Urkunden auf dem 
Schlosse zu Marburg zugeführt würden. Dr. Wacker - 
mann-Hanau besprach alsdann die Thätigkeit des 
Zweigvereins Hanau, die sich auch in diesem Jahre 
namentlich auf die Limes-Forschung erstreckt habe. 
Hierüber würden bald umfassende Mittheilungengegeben 
werden können, zumal auch die Reichsregierung jetzt dieser 
Forschung ihre besondere Sorge zuwende. Die von 
Custos Lenz-'Kassel aufgestellte und als richtig be 
fundene Rechnung über die Einnahmen und Ausgaben 
des Vereins im Jahre 1891/92 ergab an Bestand 
und Einnahmen zusammen 7994,37 Mark, an Aus 
gaben 5560,19 Mark, so daß ein Ueberschuß von 
2434,18 Mark verbleibt. Dieser Bestand soll Ver 
wendung finden und wird auch vollkommen ausreichen 
zu den Ausgaben für Drucksachen u. s. w., so daß 
der Verein ohne irgend welche Schulden in das neue 
Rechnungsjahr übergeht. Die Versammlung ertheilte 
hierauf dem Rechnungsführer Entlastung. Der Jahres 
beitrag wurde wiederum auf 3 Mark festgesetzt; auch 
wurde für Erhaltung und Erweiterung der Samm 
lungen auf dem Schlosse zu Marburg der bisherige Zu 
schuß in Höhe von 500 Mark bewilligt. Als Ort für 
die nächstjährige Versammlung wurde die Stadt Hof 
geismar bestimmt. Von der Beschickung der 
Jahresversammlung des Gesammtvereins der deut 
schen Geschichts- und Alterthumsvereine, welche im 
September d. I. zu Münster in Westfalen tagen 
wird, soll diesmal abgesehen werden. Nachdem nun 
mehr der geschäftliche Theil der Sitzung erledigt war, 
ertheilte der Vorsitzende dem Oberlehrer Dr. S t en d ell 
aus Eschwege das Wort zu dem geschichtlichen Fest 
vortrage über die A de lsgesch lech ter des Kreises 
Eschwege. Ueber diesen nach jeder Richtung hin 
gediegenen, vorzüglichen Vortrag sowie über den 
weiteren Verlauf des Festes berichten wir in der 
folgenden Nummer unserer Zeitschrift. 
Die „Frankfurter Zeitung" brachte in den letzten 
Tagen die Nachricht, daß Professor Gustav Kaupert 
am 1. September d. I. nach 25 jähriger Wirksam 
keit als erster Lehrer der Bildhauerkunst an dein 
Städel'schen Institute in den Ruhestand treten werde. 
Unser Kasseler Landsmann Gustav Kaupert gehört 
zu den hervorragendsten Künstlern, die aus unserer 
Vaterstadt hervorgegangen sind. Man kann ihn mit 
vollem Rechte einen Künstler von Gottes Gnaden 
nennen. Ein Schüler des berühmten Bildhauers 
Werner Henschel, hat er gleich diesem bis zu seinem 
höheren Alter eine außerordentliche schöpferische Kraft 
bewiesen. Er ist allen Kasselern lieb und werth, 
verdankt ihm doch unsere alte Hauptstadt des Hessen- 
landes außer anderen Monumenten das Hessendenkmal 
in der Aue, „den schlafenden Löwen", das zum Andenken 
der als Opfer der französischen Fremdherrschaft ge 
fallenen hessischen Patrioten 1874 errichtet worden 
ist. Möge es uns gestattet sein, hier in kurzen 
Zügen die hauptsächlichsten Momente aus dem Leben 
des berühmten Künstlers, an der Hand der in 
Otto Gerland's „Grundlage zu einer Hessischen 
Gelehrten-, Schriftsteller- und Künstlergeschichte“, 
Bd. 2, enthaltenen Biographie Gustav Kaupert's, 
unseren Lesern vorzuführen. 
Gustav Kaupert ist am 4. April 1819 zu 
Kassel geboren. Er entstammt einer bekannten 
Küttstlerfamilie, welche das Geschäft der Gold- und 
Silberarbeiter betrieb. Sein Vater, Christian Wilhelm 
Kaupert, geboren zu Kaufbeuren am 7. Oktober 1786, 
hatte sich in Kassel niedergelassen und war daselbst 
am 12. Februar 1827 in die Zunft der Gold- 
und Silberarbeiter aufgenommen worden. Früh 
schon gab sich die künstlerische Neigung und Be 
gabung Gustav Kaupert's kund. Das Geschäft des 
Vaters leitete den Knaben zuerst auf die Kupfer 
stecherei. Vom Kupferstich ging er zum vertieften 
Graviren in Messing und Stahl über und kam so 
ganz von selbst auf die Bahn eines Graveurs und 
Stempelschneiders. Mit dem 14. Jahre trat Gustav 
Kaupert als Schüler in die Akademie der bildenden 
Künste. Hier waren die Professoren Ruhl, Henschel, 
Müller, Grimm, Aubel rc. re. seine Lehrer. Im 
Modelliren machte er ganz außerordentliche Fort 
schritte, und mit der Vervollkommnung im Fache der
	        

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