Full text: Hessenland (6.1892)

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lmlern öes Hroßherzoglich Urankfurtischen zweiten 
ßanöwehrbalaillons Mulöa im Kammer 1814. 
Von I. Nebellhau. 
(Schluß.) 
Ilntcrdeß war am 3. August von Frankfurt aus 
Hl eine Kolonne, bestehend aus sechs Kompagnien 
, Reuß'scher Infanterie, 60 Husaren und einem 
Geschütz unter Major Schiller, zur Entwaffnung 
• der Rebellen nach Fulda in Bewegung gesetzt 
worden. Diese traf daselbst am 5. ein, und die 
Entwaffnung und Arretirung ging rasch lmd 
beinahe ohne Widerstand vor sich. Nnr ein 
Jäger, der sich frech gegen einen Offizier be 
nommen hatte, erhielt eine leichte Verwundung 
an der Hand. Die Meuterer gaben die Zahl 
der Ihrigen, die aus den Cantonnements ent 
wichen waren, auf 350 an. Die Zahl der 
Arretirten betrug 214, in den Lazarethen lagen 
zehn. Die klebrigen hatten sich unterwegs ent 
fernt und waren wohl direkt in die Heimath 
gegangen, einzelne auch schon nach dem ersten 
Marsch wieder umgekehrt. Die Arrestanten — 
darunter zehn geschlossen — wurden am 7. unter 
starker Eskorte nach Frankfurt gebracht, um da 
abgeurtheilt zu werden. 
Den Vorsitz des Gerichts führte der öster 
reichische Major von Galeotti, als Untersuchungs 
richter fungirte der isenburg'sche Auditeur G. 
Hätte man nun mit den Meuterern kurzen 
Prozeß gemacht und nach alter Weise den zehnten 
Mann erschossen, so würde dies Verfahren immer 
noch verständlicher sein als das gerichtliche 
Gaukelspiel in seiner Oberflächlichkeit, das sich 
statt dessen abspielte. Von den 214 Schuldigen 
wurden nur 14 ex custodia dissolutis yincnlis 
vorgeführt und vernommen. Nur die zwei am 
meisten Belasteten, Vogel und Kirchner, werden 
mehrfach ausführlicher verhört, da sie als hals 
starrige Lügner erscheinen. Dem übrigen Dutzend 
legte der Auditeur außer einer Unzahl persönlicher 
nur wenige auf die Sache selbst bezügliche 
stereotype Fragen vor. Wo und aus welcher 
Ursache er arretirt sei? Ob sie die Gewehre 
geladen hätten? Ob sie eine Marschroute ge 
habt? Ob sie sich über das Abrücken gemein 
schaftlich berathen und eidlich darauf verpflichtet 
hätten? Ob sie Grund gehabt hätten, sich über 
ihre Offiziere zu beklagen? 
Das Ergebniß war, daß Alle ihr Vergehen 
eingestanden und anä> bereuten. Sie räumten 
ein, daß eine Verabredung über das Fortgehen 
am Sonnabend stattgefunden habe, von wem 
jedoch der Anstoß ausgegangen sei, wollte Niemand 
wissen, ebensowenig, daß sie im Besitz einer 
Marschroute gewesen, ein Punkt, der überhaupt 
nicht aufgeklärt worden ist. Zum Abrücken 
habe sie die bittere Noth getrieben. Es sei auch 
von Einigen vorher geladen worden, doch will 
keiner der Vernommenen geschossen haben. Die 
Frage bezüglich etwaiger Beschwerden über die 
Offiziere wird verneint. 
Die Untersuchung ist damit geschlossen, nach 
dem sie vom 15. bis 25. August gedauert hat. 
Keiner der Offiziere wird vernommen, ebenso 
wenig sind Berichte von ihnen eingefordert 
worden, die Angelegenheit des vorenthaltenen 
Soldes kommt gar nicht zur Sprache. Es ist, 
als ob die Rebellen mit der Truppe, der sie 
angehört hatten, in gar keiner Beziehung mehr 
ständen. Vollkommen im Geist der geschilderten 
summarischen Untersuchung ist auch der Urthcils- 
spruch, der noch am 25. August erfolgte, gehalten. 
Dieser führt die Verurtheilten nicht namentlich 
aus, sondern bestimmt für die Angehörigen 
desselben Grades die gleiche Strafe, mit Aus 
nahme Vogel's, der zum Tode verurtheilt wird. 
Es erhalten alle Sergeanten sechs Jahre Eisen, 
— Baumgart's Name soll an den Galgen ge 
schlagen werden, da er nicht zur Haft gebracht 
worden war,—sämmtlicheKorPoralederGrenadier- 
Compagnie und der freiwilligen Jäger 4 Jahre 
Eisen, die anderen dreijährige geschlossene Arbeits 
strafe. Die Grenadiere und Jäger wurden zu 
achtjühiger, die übrigen Gemeinen zu sechsjähriger 
Kapitulation in der Linie verurtheilt. Keinem 
der Verbrecher ist der rückständige Sold nach 
zuzahlen, und trägt das Land Fulda im Fall 
der Vermögenslosigkeit der Delinquenten die 
Arrest-, Atzungs- und Untersuchungskosten. Das 
Urtheil widerrüth dann noch der Konsequenzen 
wegen jede Gnade und Schonung. — 
Die weitläufigen Entscheidungsgründe weisen
	        

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