Full text: Hessenland (6.1892)

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Chargirter desselben. Die Richtung aber, welche er 
als solcher dem Corps zu geben beflissen war, 
behagte jedoch einer Anzahl älterer Mitglieder 
nicht, die austraten, um ein neues Corps „Marco- 
mannia" aufzuthun, aus welchem dann die „Hassia" 
hervorging, die aber als „forsches Corps" nur 2V„ 
Jahre bestand. 
Heinrich Fick verließ zu Ostern 1843 Marburg, 
um seine Studien in Wien und Berlin fortzusetzen. 
Im Herbste 1844 nach Marburg zurückgekehrt, be 
stand er im Juli 1845 das juristische Fakultäts 
examen mit Auszeichnung — er erhielt die Note 
ad Jonge plerasque mit den entsprechenden Zu 
sätzen —. Nach absolvirtem Staatsexamen trat er 
im Dezember 1845 als Referendar bei dem Ober 
gerichte zu Kassel in den juristischen Vorbereitungs 
dienst ein. Zu Ostern 1847 habilitirte er sich als 
Privatdozent der juristischen Fakultät zu Marburg, 
nachdem er auf Grund seiner Dissertation „Quid 
interest, quoad vira tempore in ius exercitam, 
inter exceptiouem temporis actionibus perpetuis 
opponendum et alias quas dicunt temporis prae- 
scriptiones“ zum Doktor juris utriusque promovirt 
worden war. Seine Vorlesungen bezogen sich, ab 
gesehen von Pandekten-Nepetitorien und Zivilprozeß- 
Praktikum, vorzugsweise auf Haudels- und Wechsel 
recht. Gleich seinem älteren Bruder, dem Professor 
der Anatomie, Dr. Ludwig Fick, betheiligte er sich 
lebhaft an der politischen Bewegung des Jahres 1848. 
Es erschien auch damals eine Schrift von ihm, be 
titelt: „Das deutsche Parlament." 
Dr. Heinrich Fick beabsichtigte, sich in Folge der 
politischen Ereignisse mehr einer praktischen Thätig 
keit zuzuwenden. Wiederholte Bewerbungen um Zu- 
lassung zur Advokatur wurden höheren Orts ab 
geschlagen, und als er nach dem Uebertritte des bis 
herigen Oberbürgermeisters von Marburg A. H. W. 
Uloth in den Staatsdienst, zu dieser Stelle gewählt 
worden war, wurde ihm die Bestätigung versagt. 
Da erhielt er im November 1851 einen Ruf als 
außerordentlicher Professor des Handels- und Wechsel- 
rechts an die Universität Zürich, den er annahm. 
Im Jahre 1859 wurde ihm das Patent als Kantons 
fürsprech verliehen und 1863 wurde er zum 
ordentlichen Professor ernannt. Seit mehr als 40 
Jahren wirkt er jetzt in Zürich; er ist Schweizer 
geworden im vollen Sinne des Wortes, seine alte 
Heimath Hessen hat er aber nicht vergessen, ihr hat 
er die treueste Anhänglichkeit bewahrt. Von seinen 
Schriften wollen wir hier nur „Trassierte eigene 
Wechsel", Berlin 1853, „Kritische Uebersicht der 
Schweizerischen Handels- und Wechselgesetzgebung", 
Erlangen 1862, und „Schweizerisches Obligationen 
recht", 1883, anführen. Außerdem veröffentlichte er 
größere und kleinere juristische Abhandlungen in den 
Fachzeitschriften. — 
Zu vorstehendem Artikel sind hauptsächlich die 
biographischen Mittheilungen über die Familie Fick 
in Otto Gerlands „Grundlage zu einer Hessischen 
Gelehrten-, Schriftsteller- und Künstlergeschichte von 
1831 bis auf die neueste Zeit", Bd. 2, Kassel 1868, 
benutzt worden. I. Z. 
Ueber die Einweihung des vom Verein für hessische 
Geschichte und Landeskunde gestifteten Hessen- 
denkmals bei Sandershausen berichten die 
Kasseler Zeitungen: 
Auf dem Sandershäuser Berge, zwischen 
Kassel und Münden dicht an der Grenze zwischen 
Hannover und Hessen, wurde am Jahrestage der 
Schlacht bei Sandershausen im siebenjährigen Kriege 
am 23. Juli 1758 zwischen Franzosen und Hessen 
das zur Erinnerung an dieses Treffen von dem 
Hessischen Geschichtsverein errichtete Denkmal am 
Sonnabend Abend in Gegenwart eines zahlreichen 
Publikums in feierlicher Weise eingeweiht. Der 
aus Granit gefertigte Obelisk trägt die Inschrift: 
„Dem Prinzen Casimir von Isenburg und seinen 
tapferen Hessen zur Erinnerung an den 23. Juli 
1758. Der Verein für hessische Geschichte." 
Namens des letzteren Vereins hielt Bibliothekar 
Dr. Brunner eine schwungvolle Ansprache, worin 
er darauf hinwies, daß heute vor 134 Jahren auf 
dem Platze um das Denkmal ein mörderischer 
Kampf zwischen Franzosen und Hessen tobte. Auf 
der ganzen Linie des Sandershäuser Berges wüthete 
Tod und Verderben, die Franzosen in dreifacher 
Uebermacht wollten den Berg erstürmen, aber die 
Hessenschaar wich und wankte nicht; obgleich fünf 
Mal der Befehl zum Rückzüge gegeben wurde, hielten 
sie bis zum Abend tapfer aus. Wenn die hessischen 
Truppen auch keinen großen und wichtigen Sieg er 
rungen, so haben sie sich doch mit unsterblichem Ruhm 
bedeckt. (Beifall.) Wenn auch nicht alle Kämpfenden 
den Heldentod fanden, so blieb doch der dritte Mann 
auf dem Platze. Der Sandershäuser Berg solle 
den Hessen so theuer sein als den Griechen der 
Engpaß von Thermopylae." Nachdem Redner noch 
Herrn Maurermeister und Architekt Zahn, welcher 
das Meiste zur Errichtung des Denkmals beigetragen, 
öffentlich gedankt, brachte er ein Hoch auf den 
Kaiser aus, in das Alle lebhaft einstimmten. Hier 
auf hielt nun Dr. med. Schwarzkopf, der be 
kannte Alterthumsfreund und Kenner hessischer Ge 
schichte, einen höchst interessanten, fesselnden Vortrag 
über den Gang der Schlacht. Der Prinz von Isen 
burg hatte sich mit 4000 Mann auf diese Höhe 
zurückgezogen, die von den Franzosen unter Mar 
schall von Broglie, 12 000 Mann stark, zu erstürmen 
versucht wurde. Nach einem mörderischen Kampfe 
mußten die Hessen gegen Abend weichen, nachdem 
sie 1200 Mann und 7 Geschütze verloren. Aber 
mit welchem Löwenmuth die Hessen gestritten, beweist, 
daß von 12 000 über 4000 Franzosen todt oder
	        

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