Full text: Hessenland (6.1892)

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kennen* h. Er verspricht darin dem St. Mar 
tinsstifte zu Cassel, welchem Landgraf Heinrich II. 
das Patronat über die Kirche zu Witzenhausen 
und Landgraf Hermann eine jährliche Rente von 
7 Mark aus den dasigen Kircheneinkünften (1383) 
verliehen hatte, diese Rente unverbrüchlich und 
gütlich zu geben. Burghard war also damals 
Pfarrer zu Witzenhausen. Er kann aber diese 
Pfarrei erst 1391 erhalten haben, da der seit 
1386 dort gestandene Pfarrer Johannes Cremer 
noch am Montag nach Aiserioorckias domini 
{10. April) 1391 dem Landgrafen Hermann das 
Patronat über alle Kapellen und Altäre zu 
Witzenhausen einräumt. Ob unser hessischer 
Bischof sein grönländisches Bistum Gardar be 
sucht und je gesehen, ist um des mehrerwähnten 
Jahres 1387 willen sehr zweifelhaft. Auch er 
war vermutlich schon nur ein Titularbischof — 
und ebenso seine Nachfolger bis 1520 —, dem 
es in dem kirschen- und rebenreichen Witzenhausen 
besser gefiel, als in dem eisigen Grönland, und 
daher auch die auferlegte Abgabe an das Martins 
stift von seiner Pfarrei gütlich zu entrichten 
bereit war. Erzbischof Conrad II. von Mainz 
bestätigte diese Verleihung der 7 Mark am 
Dienstag in der Bittwoche {13. Mai) 1393 mit 
dem Beding, daß der derzeitige Inhaber der 
Kirche zu Witzenhausen in seinem zukommenden 
Einkommen nicht verkürzt werde, damit derselbe 
seine Leistungen an den Bischof (jnra episcopalia) 
Zu erfüllen und andere ihm obliegende Lasten 
gebührend zu ertragen im Stande sei.*) 
In der dritten, gemeinschaftlich mit dem 
*) Anal. hass. V, 59. 
Bürgermeister und Rat zu Witzenhausen aus 
gestellten Urkunde vom Mittwochen nach Mariä 
Geburt (11. September) 1392 führt er nur den 
Namen eines Pfarrers zu Witzenhauien ohne 
Zufügung seines bischöflichen Titels.*) Mag 
nun Burghard nur ein Titularbischof von Grön 
land gewesen, oder mögen sich seiner Ueberfahrt 
unüberwindliche Hindernisse entgegengestellt 
haben, so hat derselbe doch als „Pherner zu 
Witzenhusen" ein seines bischöflichen Titels 
würdiges Werk der Nachwelt hinterlassen in der 
unter ihm erbauten St. Michaelskapelle extra 
muros Witzenhusen (aussenwendig der 
Mauern) und dem damit verbundenen Haus 
für arme Leute, aus welchem das heutige 
Hospital entstanden ist. Hiervon handelt die 
erwähnte dritte Urkunde, in der er gemeinschaft 
lich mit dem Rate um Almosen zu diesem christ 
lichen Werke bittet. Wie lange Burghard 
Pfarrer zu Witzenhausen gewesen und sich diese 
hessische Stadt einen Bischof zum Pfarrer zu 
haben erfreut hat, wissen wir ebensowenig, wie 
seinen Familiennamen. Das der erstgenannten 
Urkunde anhängende runde Siegel mit der Um 
schrift : 8. BORCHARDI. EPL GR ANDENS, 
(d. i. SigiJlum Borchardi episcopi Grun- 
landensis) zeigt einen viergeteilten Schild, im 
ersten und vierten Feld ein Kreuz mit gleichen 
Kreuzbalken, im zweiten Feld einen Vogel, im 
dritten ein Knie. Doch wird sich aus den zwei 
letzten Wappenzeichen weder auf ein noch 
blühendes, noch auf ein erloschenes hessisches 
Geschlecht ein Schluß machen lassen. 
*) Hess. Zeitschr. 4, S. 119. 
>as Kostheater in Kassel. 
(Fortsetzung.) 
Kurfürst Wilhelm II., welcher im Jahre 1821 
den Thron seiner Väter bestieg, hatte die 
Prachtliebe seines Großvaters geerbt, und 
was bei dem Theater an glänzender Repräsen 
tation in den letzten Jahren vernachlässigt war, 
wurde nun in einer Weise zur Geltung gebracht, 
welche die Kasseler Hofbühue wieder unter die 
ersten Kunstanstalten Deutschlands erhob. Auf 
Geld brauchte nicht gesehen zu werden, und da 
dieses der uervus reruiu auch in der Kunst ist, 
so gelang es dem zum Generaldirektor ernannten 
Feige bald, die bedeutendsten Künstler für das 
seiner Leitung anvertraute Theater zu gewinnen. 
Im Schauspiel sind es vor Allem Seydelm ann 
und Ludwig Löwe, die genannt werden müssen, 
da ihre Namen den vortrefflichen Klang für 
immer behalten, während andere Kräfte ersten 
Ranges, wie der Heldendarsteller Gaßmann 
und der Charakterspieler Paulmann, beim 
großen Publikum in Vergessenheit gerathen sind. 
In der Oper glänzten Ger stück er, Wild und 
Sabine Heinefetter, während die Kapelle 
unter Louis Spohr's Leitung stand, welcher, 
von Karl Maria von Weber empfohlen, mit 
2 000 Thalern Jahresgehalt durch Reskript auf 
Lebenszeit nach Kassel berufen worden war. 
Die vorgenannten Namen sind, wie bereits an 
gedeutet, nur diejenigen, welche, mau könnte 
sagen, einen Weltruf erlangt haben, wie viele 
andere hervorragende Künstler bildeten aber da-
	        

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