Full text: Hessenland (6.1892)

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neu Ruf als ordentlicher Professor der Theologie an 
die Universität M a r b u r g abgelehnt. 
Am 2. Juli verschied nach längerem Kranksein der 
Senior der M ar b u r g e r Universität, Geheimer Medi 
zinalst h Professor Dr. H ermann Nasse, im 85. Le 
bensjahre. Der Verblichene, einer der ältesten Bewohner 
der Stadt Marburg, war am 25. Juli 1807 in 
Bielefeld geboren. Er besuchte das Pädagogium zu 
Halle und die Gymnasien zu Bielefeld und Bonn, 
und studierte von 1824 ab an der rheinischen Friedrich- 
Wilhelms-Universität Medizin; 1826 gewann er de.n 
Preis der medizinischen Fakultät und ließ sich, nach 
dem er am 1. Oktober 1826 zum Doctor medicinae 
promovirt worden war, in Bonn als praktischer Arzt 
nieder. Im Oktober 1832 habilitirte er sich als 
Privatdozent an der genannten Universität. Im 
März 1837 folgte er einem Nnfe als außerordent 
licher Professor der Medizin an die Universität 
Marburg. Hier wurde er am 27. Januar 1848 
zum ordentlichen Professor der Physiologie ernannt. 
In dieser Stellung verblieb der Verstorbene, dein 
gleichzeitig auch die Leitung des unter ihm errichteten 
physiologischen Instituts übertragen war, bis zum 
Jahre 1873, in welchen: er sein Lehramt niederlegte 
und sich in das Privatleben zurückzog. In An 
erkennung seiner Verdienste wurden dem Verblichenen 
vielfache Auszeichnungen zu Theil. Nasse wurde 
mehrfach zum Rektor der Universität gewählt; außer 
dem bekleidete er eine lange Reihe von Jahren 
hindurch das Dekanat der medizinischen Fakultät, 
sowie das Amt eines Vorsitzenden der Kommission 
für die ärztliche Prüfung. Am 21. März 1887 
feierte der Verblichene sein 50 jähriges Prosessoren- 
jubiläum und im Juni desselben Jahres die festliche 
Begehung seines 80. Geburtstages, bei welcher 
Gelegenheit ihm von Sr. Majestät dem Kaiser der 
Rothe Adler Orden II. Klasse mit Eichenlaub ver 
liehen wurde; außerdem besaß derselbe den schon 
früher erhaltenen königl. preußischen Kronenorden 
II. Klasse. An Nasse verliert die Marburger Universität 
einen ihrer tüchtigsten älteren Fachgelehrten, aber 
auch die Stadt Marburg hat in demselben den Verlust 
eines werthvollen Bürgers zu beklagen, der sich be 
sonders um die Gründung und langjährige Leitung 
des jetzt noch in voller Blüthe stehenden „Fort 
bildungs-Vereins^ ein großes Verdienst erworben 
hat; auch war derselbe mehrere Jahre hindurch Vor 
sitzender der dortigen Ortsgruppe des „Deutschen 
Schulvereins". Der Verblichene stammt aus einer 
angesehenen alten und verbreiteten medizinischen 
Gelehrtenfamilie. Sein Vater, der Geheime Me 
dizinalrath Professor I)r. Christian Friedrich Nasse 
zu Bonn , gest. 1851 daselbst, war einer der be 
deutendsten Kliniker und Irrenärzte in Deutschland. 
Von seinen vier Söhnen war der eben verstorbene 
Dr. Hermann Nasse der älteste, der jüngste ist 
Oberpräsident der Rheinprovinz. Vermählt war 
Dr. Hermann Nasse mit einer geborenen Velhagen 
aus Bielefeld, welche ihm nach mehr als 50 jähriger 
glücklicher Ehe vor vier Jahren im Tode vorausging. 
Bon den aus dieser Ehe entsprossenen fünf Kindern 
leben noch drei, und zwar der älteste Sohn als Geheimer 
und vortragender Ministerialrath in Berlin, der 
zweite als Professor der Physiologie in Rostock und 
eine mit einem Grafen von Rödern verheiratete 
Tochter. Nasses Schriften sind: De insania, Lips. 
1829. Dissertation. Das Blut in mehrfacher Be 
ziehung physiologisch und pathologisch untersucht. 
Bonn 1836. Untersuchungen zur Physiologie und 
Pathologie. Bonn 1835 sf. Ueber den Einfluß der 
Nahrung auf das Blut. Marburg 1850. Zwei 
Abhandlungen über Lymphbildung. Marburg 1872. 
Außerdem ist eine ganze Reihe von wissenschaftlichen 
Abhandlungen Nasse's in Fachzeitschriften erschienen. 
Seine bemerkenswerthesten Arbeiten dieser Art sind 
niedergelegt in „Rudolf Wagners Handwörterbuch 
der Physiologie" (Blut, Chylus, Lymphe, thierische 
Wärme), in einem mit F. W. Beneke und I. Vogel 
begründeten „Archiv des Vereins für gemeinschaftliche 
Arbeiten zur wissenschaftlichen Heilkunde", sowie in 
„Pflüger's Archiv." (Oberh. Ztg.) 
Hessische Kücherschau. 
Bilder aus der hessischen Geschichte u n b 
Sage. Von Karl Hehler. Kassel, Verlag 
von Gustav Klaunig. 1892. 
Diese kürzlich erschienene Schrift stellt einen für- 
einfache Schulverhältnisse bestimmten Auszug aus 
der vor zwei Jahren von dem Verfasser heraus 
gegebenen Geschichte von Hessen und dem 
Sagenkranze von Hessen-Nassau und der 
Wartburggegend dar. Die 20 Bilder aus der 
hessischen Geschichte enthalten das Wissenswertheste 
aus derselben, ihnen ist eine übersichtliche Geschichts 
tafel beigegeben. Es folgen dann 36 Bilder aus 
der hessischen Sage, die mit dem bekannten prächtigen 
Gedichte von Karl Altmüller „Ich weiß ein theuer- 
werthes Land" eingeleitet werden. Das schön aus 
gestattete Büchlein verdient auf das Beste empfohlen 
zu werden. 
Erlebnisse inkur hessischen und russischen 
D i e n st e n und Erinnerungen an die 
Gefellschaftin Weimar aus derGoethe- 
zeit des Freiherrn Alfred Otto Rabe 
von Pappenheim. Marburg 1892. 
Es ist dies ein Abdruck des von Rittmeister a. D. 
Freiherrn Gustav von Pappenheim in Mar 
burg am 29. Februar d. I. im hessischen Geschichts- 
Vereine zu Kassel gehaltenen, beifällig aufgenommenen 
Vortrags. Die Schrift, welche mit einer Photographie
	        

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