Full text: Hessenland (6.1892)

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„Morgen früh auf dem Otternstein!" sagte 
Ursula «och, „Du holst mich wohl von hier ab." 
Unten im Thale sangen sie: 
Morgen muß ich fort von hier 
Und muß Abschied nehmen. 
O Du allerschönste Zier, 
Scheiden das bringt Grämen, 
Da ich Dich so treu geliebt 
Ueber alle Maßen. 
Soll ich Dich verlassen? 
War das meine Wiederkehr? Die Thränen 
kamen mir in die Augen, so sehr ich mich dagegen 
wehrte. 
(Fortsetzung folgt.) 
I,rge,»-;ett. 
Das schöne Jägermädchen 
Will mir nicht aus dem Sinn, 
Des Försters blondes Käthchen 
Umschwebt mich, wo ich biil. 
Im Jagdgewand, dem grünen, 
Die Feder auf dem Hut, 
Sv ist sie mir erschienen, 
Ein keckes junges Blut. 
Die Flinte in den Händen, 
Trat plötzlich sie herfür, 
Als wollt' das Blei sie senden 
Tief in den Busen mir. 
Sie ließ die Flinte sinken 
Und ward ein wenig roth, 
Ich aber mußte trinken 
Aus ihrem Aug' den Tod. 
W. Mcnnccke. 
Die Krell.') 
(Schwälmer Mundart.) 
Bemm dr Härrgött höt gegah 
Gurre Ööjefl bie die Katze, 
Bruch kin Brell. Dos iezesah 3 ) 
Füllt net bei so mänchem Fratze 4 ), 
Bes dr Härrgött ein die Brell 
Selwst offsetzt; da hält hä stell. 
Hüns, dr Peffikus, 
Ärocht sich los vo de Saldore I 
Dorch ee Brell, die, bie es hüßfl, 
Hü nur drühk demm Stoot ze schöre?) 
Bie hü los, freit hä iM Nü; 
Ö ee Brell gow Gött em zü.fl 
Hüus seng Früh, die Annmergret, 
Harr ee Gut ö blanke Knep, 
Bracht derzü ehr Mäulwerk met 
Ö dr Schweijerülleru Kep. 
Der demm Kööf wor Häns iiil Glcck, 
Noch dr Hößig fl Häns im Schreck. 
Hänse Häns höt obgeleht'fl 
Do die Brell, die glüssern wor, 
Ö züm Härrgött leis gefleht 
Em ee gürres, gnärig Johr.'') — 
Eemvl froht nü i der Stell 
En seng Frengd so noch dr Brell. I2 ) — 
„Gieh mer weck!" höt Häns gesüht, 
„Domct hon ich mich Versengelt. 
Krommcnvt, Schvckschwcrebrät! 
Frengd, ich wär drfer gedengelt. 
Bo dr Härrgöttsbrell gor schic 
Seng meng Äöje ofsgegieh." 'fl 
Kurt Nutzn. 
') Die Brille. ä ) Wem der Herrgott hat gegeben gute 
Augen. 3 ) einzusehen. 4 ) Geck. 5 ) Soldaten. °) wie es 
hieß. 7 ) er nur trug dem Staate zu schaden. *) eine 
Brille gab Gott ihm zu. ") Johannes seine Frau, die 
Anna Margarethe, halte ein Gut und blanke Knöpfe 
(— Geld), brachte dazu ihr Mundwerk mit und der 
Schwiegereltern Kopie. Vor dem Kaufe (hier: vor der 
Heirath) war Johannes im Glücke, nach der Hochzeit. 
'") Dem Johannes sein Johannes hat abgelegt. ") Um 
ein gutes, gnädig Jahr. '*) Einmal fragte nun in der 
Stille ihn sein Freund so nach der Biille. ,3 ) „Gehe mir 
weg!" hat Johannes gesagt, „damit habe ich mich ver 
sündigt. Krumme Noth (— schwere Noth), Schockschwere 
brett lsind Fluchwörter). Freund, ich werde dafür ge 
dengelt (— gestraft). Bon der Herrgottsbrille gar schon 
sind meine Augen aufgegangen. 
Aus Heimat!) und Fremde. 
Die (58.) Jahresversammlung des Ver 
eins für hessische Geschichte und Landes 
kunde findet am 28, 29. und 30. Juli in Esch- 
wege statt. Am 28. Juli, Abends 6 Uhr, tritt 
der Gesammtausschuß des Vereins zu einer vor- 
berathenden Sitzung zusammen. 
Dem Vernehmen der „Oberhessischen Zeitung" 
zufolge ist der Gymnasial-Obcrlehrer Dr. Sigmund 
Paulus zu Marburg an Stelle des verstorbenen 
Gymnasialdirektors Dr. Bernhardt zum Direktor des 
Gymnasiums zu Weil bürg ernannt worden. 
Dr. Paulus genießt den Ruf eines ausgezeichneten 
Philologen und Schulmannes. 
Universitätsnachrichten. Der Privatdozent 
für klassische Philologie Dr. Wilhelm Schulze 
in Greifswald ist zum außerordentlichen Professor 
in der philosophischen Fakultät der Universität 
Marburg ernannt worden. — Einer Meldung der 
„Vossischen Zeitung" zufolge hat der Die. tüeol. 
Freiherr Hermann von Soden, Prediger an 
der Jerusalemskirche in Berlin, den an ihn ergänze-
	        

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